Lob der  Schwachheit 

Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.2. Korinther 12,9b

Von Christine Lässig

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Dass dieses Wilhelm Busch zugeschriebene Zitat ein indisches Sprichwort ist, zeigt die zeitlose wie weltweite Gültigkeit der Feststellung. Und falls es noch einer Bestätigung bedürfte, so könnte der amtierende amerikanische Präsident als Paradebeispiel den schlagenden Beweis liefern. Mehr Eigenlob geht nicht. Es hat ihn ohne Zweifel sehr weit gebracht. Und zugegebenermaßen hat man andererseits bei allzu großer Bescheidenheit schlechte Karten. Bewerbungsschreiben, Vorstellungsgespräche oder Wahlkampfreden erfordern es, selbstbewusst seine Stärken ins Spiel zu bringen. Das Gegenüber soll eine begründete Entscheidung fällen können zwischen den Konkurrenten.
Das sieht auch der Apostel Paulus im Blick auf die Gemeindeglieder in Korinth so. Dort sind Pseudoapostel am Werk und diskreditieren ihn ob seiner mangelnden Redekunst, seiner schwächlichen Gesundheit und der Tatsache, dass Paulus ehrenamtlich missioniert. Was nichts kostet, ist wohl nichts wert. Paulus will das nicht unkommentiert stehen lassen. »Weil so viele sich auf ihre Vorzüge berufen, will ich es auch einmal tun.« Obwohl es ihm offensichtlich peinlich ist, zählt er auf, was er um des Evangeliums willen auf sich genommen hat: lebensgefährliche Reisen, Gefängnis, Schläge, Hunger und Kälte, schlaflose Nächte, Todesgefahr. Und er weiß sich legitimiert durch Offenbarungserlebnisse. Härter als alle habe er für Christus gearbeitet. Das musste mal gesagt werden.
Ob er seine Korinther damit überzeugt und die Argumente reichen? Geht er als Sieger vom Platz? Ja, aber nur, weil er es nicht bei der Aufzählung seiner Verdienste belässt. Saulus, der sich mit seinem neuen Namen Paulus als »der Kleine, der Geringe« bezeichnet, gibt zu, dass er ohne die Hilfe seines Herrn nicht viel vorzuweisen hätte. Seine körperliche Schwäche erinnere ihn stets und ständig daran, dass sein Leistungsvermögen begrenzt ist. »Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig«, habe Gott zu ihm gesagt, als er ihn um Gesundheit bat. Gottes starke Botschaft hat schwache Boten. Es ist fast tröstlich, dass selbst der Apostel dazu zählt.

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Online-Redaktion aus Weimar

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