Die Geschäftsfrau aus der Apostelgeschichte

Erzählung: Was Lydia uns Christen heute mit auf den Weg geben könnte

Von Christian Feldmann

Also das finde ich wirklich gut, dass Feministinnen heute auch die Bibel lesen und uns Frauen der christlichen Frühzeit wiederentdecken – aber so zu übertreiben brauchen sie es auch nicht. Was die für einen Wind machen um mein bisschen Leben! ›Erste Christin Europas‹ titulieren sie mich, Gemeindegründerin, Pionierfigur der Mission Griechenlands … Dabei habe ich doch nur gesucht. Und als ich gefunden hatte, wonach ich suchte, na ja, da habe ich davon weitererzählt.
Ich bin Lydia, Geschäftsfrau aus der Militärgarnison Philippi in Nordgriechenland, wenige Kilometer von der Meeresküste entfernt. Meinen Namen habe ich von meiner Heimat Lydien in Kleinasien; Sie wissen schon, das Land der Purpurfärber. Bei uns in Philippi lebten viele römische Besatzungsoffiziere und Veteranen, die alle ganz wild waren auf die kostbaren roten Purpurmäntel.
Eleganz kostet Geld; ein Pfund Purpurwolle war bei uns, na sagen wir mal 250 Euro nach Ihrer Währung wert. Kunststück, der Farbstoff musste grammweise aus den winzigen Purpurschnecken gewonnen werden. Sie können sich jedenfalls vorstellen, dass es eine Purpurhändlerin wie ich schon zu Geld bringen konnte!
Ja, es ging mir gut. Aber das hat mir nicht genügt. Mein schönes Haus, meine treuen Bediensteten, mein florierendes Geschäft – das konnte noch nicht der Sinn des Lebens sein. Ich begann nach diesem Sinn zu suchen. Ich fand nichts dabei, am Sabbat zu den ärmlich gekleideten jüdischen Frauen zu gehen, die draußen vor der Stadt am Flussufer Gottesdienst hielten; denn die Juden von Philippi hatten nicht mal eine Synagoge.
Dort habe ich den Rabbi Paulus getroffen. Er hat von Jesus erzählt. Ich war fasziniert. Das war die Botschaft, die die Welt verändern konnte, die aus allen Menschen Schwestern und Brüder machte. Ich ließ mich taufen, ich lud Paulus und seine Begleiter in mein Haus ein; sie mussten doch ein Dach über dem Kopf haben.
Man zerriss sich den Mund über mich, die elegante Geschäftsfrau, und diese Horde armseliger Juden, die von meinen vornehmen Mitbürgern keiner ausstehen konnte. Schlimm wurde es, als sie Paulus und seine Freunde ins Gefängnis warfen. Das wirkte sich natürlich auch auf meine Geschäftsbilanz aus …
Na und? Ich nahm sie wieder bei mir auf, die Christen von ganz Phi-
lippi trafen sich bei mir, und es wurden immer mehr, allen Anfeindungen zum Trotz. Ich bilde mir nichts darauf ein. Ich hatte mich eben entschieden. Ich verdiente weniger als früher, sehr wenig sogar, aber ich war glücklich. Mein Leben hatte einen Sinn bekommen. Darauf allein kommt’s an – oder was finden Sie?

Lydia lebte um die Mitte des ersten Jahrhunderts in Philippi. In ihrem Haus sammelte sich nach dem biblischen Bericht die erste Christengemeinde Europas. Ihr Namenstag ist am 3. August.

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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