»Der Wolf im Schafspelz«

Wölfe – nachdem sie in Deutschland lange Zeit ausgerottet waren, erobern sie sich ihren Lebensraum zurück.
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Bibelkunde: Das Bild vom Wolf in der Heiligen Schrift

Von Elisa Makowski (epd)

Schon seit der Antike diente der Wolf als Projektionsfläche für die Gedankenwelt der Menschen. Mit dem wilden Tier wurden seit jeher Ängste, Aggression, aber auch Eigenschaften von Gottheiten in Verbindung gebracht. Auch in der Bibel stehe der Wolf für Schrecken, Ausgeliefertsein und existenzielle Bedrohung – aber mitunter auch für Versöhnung, sagt die evangelische Theologin Yvonne Sophie Thöne.
Der Wolf komme an mehreren Stellen in der Bibel vor, im Alten wie im Neuen Testament: Wenn von ihm als Metapher die Rede ist, soll damit ein arglistiges, habgieriges oder unersättliches Verhalten charakterisiert werden.
»Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe«, heißt es im Neuen Testament bei Matthäus (7,15). Gewarnt haben soll Jesus in einer Predigt vor Verkündern der göttlichen Botschaft, die zwar harmlos auftreten, jedoch eigentlich Schaden bringen wollen. In die Kulturgeschichte ist die Bibelstelle dann eingegangen in die Redewendung: »Wolf im Schafspelz«.
Bei Johannes (10,12) dient der Wolf als Gegenspieler zum Hirten: »Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie.«
Machthungrige Fürsten sind »Wölfe«, die ihre Ämter missbrauchen. So findet sich im Alten Testament bei Ezechiel (22,27) die Aussage: »Die Oberen in seiner Mitte sind wie reißende Wölfe, Blut zu vergießen und Menschen umzubringen um ihrer Habgier willen.« Und bei Zefanja heißt es (3,3): »Ihre Oberen sind brüllende Löwen und ihre Richter Wölfe der Steppe, die nichts bis zum Morgen übrig lassen.«
In der biblischen Zeit war der Wolf ein wildes Tier, das in Steppen lebte und nachts jagte. Bei Futterknappheit drang er in Kulturlandschaften ein, um Kleinviehherden, zusammengesetzt aus Schafen und Ziegen, zu reißen. Oftmals bedeutete es einen immensen und existenzbedrohenden Schaden für die Menschen.
Auch fremde, kriegshungrige Völker werden in der Bibel mit Wölfen verglichen, mit denen aber gleichzeitig eine große Faszination einhergeht: »Seine Rosse sind schneller als die Panther und bissiger als die Wölfe der Steppe. Seine Reiter sprengen herbei. Seine Reiter kommen von ferne. Sie fliegen, wie die Adler eilen zum Fraß«, so ist es im Buch des Propheten Habakuk im Alten Testament übermittelt (1,8). Das Volk der Chaldäer, von dem hier die Rede ist, wird gegen eine Großmacht in den Krieg ziehen und wird hier mit Idealen eines Wolfes gleichgesetzt.
Es finden sich aber auch versöhnliche Gedanken im Zusammenhang mit Wolfs-Metaphern in der Bibel. Wenn Jesaja (11,6) den Tierfrieden in der messianischen Heilszeit beschreibt, nimmt er auf, was schon in der Schöpfungsgeschichte angelegt ist – die Versöhnung von Mensch und Tier und die der Tiere untereinander: »Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten.«

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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