Fremd auf eigenem Land

Die Insel Neuguinea ist in den indonesischen Westteil und in das unabhängige Land Papua Neuguinea im Osten geteilt. West Papua leidet seit mehr als 50 Jahren unter der indonesischen Besatzung.
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West Papua: Himmelschreiendes Unrecht in der indonesischen Provinz Papua Barat. Die Weltgemeinschaft nimmt kaum Notiz davon. Aktivisten und Kirche treten für die Menschenrechte in ihrem Land ein.

Von Alexander Lang

Nur ein Fall unter vielen: Zwischen Sorong und Manokwari im indonesischen Westteil der Insel werden einheimische Bauern durch Behörden von ihren Ländereien vertrieben. Darauf sollen Plantagen für lukratives Palmöl entstehen. Wer dagegen protestiert, läuft Gefahr, eingesperrt, gefoltert oder gar ermordet zu werden. »Jeden Tag, jede Woche haben wir solche Probleme«, erzählt eine Menschenrechtsaktivistin aus Papua, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung stark macht.
Ständig kommt es in Papua zu brutalen Menschenrechtsverletzungen durch Militärs und Polizei. Das beklagen nicht nur Menschenrechtler aus der abgehängten Region am östlichen Rand des riesigen pazifischen Inselstaates Indonesien, sondern auch Amnesty International und andere internationale Organisationen.
Seit 1963 ist die ehemalige holländische Kolonie gegen den Willen der einheimischen Bevölkerung von der Zentralregierung in Jakarta annektiert. Seither beutet Indonesien den Rohstoffreichtum Papuas aus, siedelte vor allem muslimische Bewohner aus übervölkerten indonesischen Inseln wie Java, Sumatra und Sulawesi dort an.
Die rund vier Millionen Einwohner, in der Mehrheit Christen, werden um ihr Landrecht gebracht, damit Konzerne die Wälder für riesige Palmölplantagen abholzen können. In Minen werden wertvolle Mineralien wie Gold abgebaut. Die Umweltfolgen sind katastrophal.
Mit Gewalt unterdrückt die Regierung bis heute den Freiheitswillen der indigenen Bevölkerung. Allein das Hissen der Morgensternflagge, dem verbotenen Symbol der Unabhängigkeitsbewegung von Papua, reiche aus, ins Gefängnis geworfen oder getötet zu werden, berichtet ein einheimischer Pfarrer. »Sehr häufig verschwinden Menschen einfach«, sagt der Mann, der sich in der Menschenrechtsarbeit engagiert.
Bisher hätten Christen und Muslime gut zusammengelebt, erzählt Andreas Mofu, der Präsident der rund 800.000 Mitglieder zählenden evangelischen Kirche in Papua. Doch seit geraumer Zeit schürten ins Land einsickernde radikal-muslimische Gruppen Konflikte zwischen den Religionen. Einige Kirchenführer in Papua bezeichneten das Vorgehen des indonesischen Staates als rassistisch motivierten Völkermord, sagt Norman Voß vom Westpapua-Netzwerk. Die Lage der Menschenrechte im von Indonesien annektierten Westteil der Insel Neuguinea sei »sehr ernst und hat sich trotz Kritik der Vereinten Nationen nicht verbessert«, beklagt er.
Die indonesische Zentralregierung setze die umfangreichen Empfehlungen der Vereinten Nationen zu den Menschenrechten weitgehend nicht um. Die Gewalt durch indonesische Sicherheitskräfte treffe fasst ausschließlich indigene Papuas, berichtet Voß. Im vergangenen Jahr seien nach Angaben der Organisation International Coalition for Papua (ICP) zehn Papuas getötet, 175 gefoltert oder misshandelt und 599 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert worden; acht Journalisten seien angegriffen oder bei ihrer Arbeit behindert worden. Ausländische Journalisten könnten nach wie vor nicht frei in die Region reisen und von dort berichten.
Voß kritisiert auch, dass Deutschland Waffenlieferungen an Indonesien nicht unterbinde. Der Bundesregierung sei bekannt, dass das indonesische Militär Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung verübe und unabhängige Beobachter nicht ins Land gelassen würden. Die auswärtigen Beziehungen Deutschlands seien von wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen geprägt.
Derzeit verhandele die EU ein Freihandelsabkommen mit Indonesien. Die Bundesregierung sollte offener und stärker als bisher Kritik an den Zuständen in Papua äußern und Waffenverkäufe einstellen, appelliert Voß. Die Kirchen in Deutschland könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, die politischen Seiten des Papua-Konflikts an einen Tisch zu bringen. Auch Amnesty International setzt auf die Vermittlerrolle der Kirchen, die vor Ort ihr eigenes Netzwerk hätten: »Es ist wichtig, dass sie auch als Partner für die Menschenrechtsaktivisten vor Ort agieren, da die Region sehr isoliert ist.« Die Kirchen hätten Kontakte zu den Menschen und könnten dadurch gut einschätzen, was benötigt werde.
Für die Menschenrechte der Bevölkerung in Papua setzt sich auch die evangelische Kirche des Landes ein. Übergriffe von Behörden und andere Unrechtsfälle werden dokumentiert, Berichte an internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen geschickt. Auch werden Gewaltopfer betreut und von Anwälten vor Gericht vertreten. Aktivisten gehen in die entlegenen Stammesdörfer in den Urwald und klären die Bewohner über ihre Rechte auf. Ziel ist es dabei stets, friedliche Lösungen zwischen allen Konfliktparteien zu finden. Zudem kartografieren kirchliche Mitarbeiter den Landbesitz der Einwohner, um sie vor dem unberechtigten Zugriff des Staates zu schützen.
Menschenrechtler in Papua sind sich der ständigen Gefahr um Leib und Leben bewusst. Auch persönlich sei sie schon wegen ihres Engagements von indonesischen Sicherheitskräften bedroht worden, erzählt eine Aktivistin. »Doch wer hilft sonst unseren Leuten, wenn wir Angst haben?«

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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