Wenn Gott in Versuchung führt

Professor Christoph Kähler mit dem EKD-Ratsvorsitzenden 
Heinrich Bedford-Strohm bei der Übergabe der überarbeiteten Lutherbibel auf der Wartburg.
  • Professor Christoph Kähler mit dem EKD-Ratsvorsitzenden
    Heinrich Bedford-Strohm bei der Übergabe der überarbeiteten Lutherbibel auf der Wartburg.
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Mit seiner Kritik an der deutschen Übersetzung des Vaterunser hat Papst Franziskus eine Diskussion angestoßen.

Der Theologe und frühere Thüringer Landesbischof Christoph Kähler leitete die Überarbeitung der Lutherbibel 2017, die anlässlich des 500. Reformationsjubiläums erschien. 70 Theologen haben den Bibeltext binnen fünf Jahren geprüft, überarbeitet und teilweise neu übersetzt.

Herr Professor Kähler, Sie haben die Revision der Lutherbibel 2017 geleitet. War die Stelle »Und führe uns nicht in Versuchung«, die der Papst gern überarbeitet sehen möchte, auch für Sie ein Thema?
Kähler:
Eigentlich nicht, weil es die korrekte Übersetzung ist. Die Lutherbibel, die katholische Einheitsübersetzung und die reformierte Zürcher Bibel übersetzen diese Stelle genauso. Das ist sprachlich richtig, außerdem gutes Deutsch. Deshalb war klar, dass der Passus so bleibt.

Der Papst stört sich daran vor allem aus theologischer Sicht. Können Sie das als Pfarrer nachvollziehen?
Kähler
: Ja. Dass sich die Menschen daran stören, kenne ich aus meinen Gemeinden. Viele Menschen bevorzugen einen liebenden Gott. In dieser Hinsicht ist die Bibel aber mehrdimensional. Zum Beispiel leitet Gottes Geist Jesus in die Wüste, damit der Teufel ihn in Versuchung führt. Das Ringen mit Gott über das Leid und das Böse ist Teil christlicher Theologie. Deshalb würde ich auch aus theologischer Sicht nichts am Vaterunser ändern.

In Frankreich ist das Vaterunser verbindlich umgeschrieben worden. »Und lass uns nicht in Versuchung geraten«, heißt es nun in jeder französischsprachigen Messe weltweit. Bedeutet das, als Pfarrer darf man das Vaterunser nicht so beten, wie man möchte?
Kähler:
Man hat wenig Spielraum, nicht nur aus rechtlichen Gründen. Erlaubt ist, zur Verständnishilfe andere Übersetzungen heranzuziehen, aber sie als Gebetstext zu verwenden, wäre nicht weise. Die Gemeinde fällt beim Vaterunser in den Wortlaut mit ein, der auch Katholiken und Protestanten gemeinsam ist. Was Änderungen betrifft, ist deshalb Vorsicht geboten. Auch in Frankreich geschah die Umformulierung nicht von heute auf morgen. Meines Wissens nach war sie jahrelang geplant.

Fragen: Julia Lauer

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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