Klimawandel: Dürre und Stürme schaden dem Kirchenwald sehr
120 Jahre alte Buchen und Eschen sterben

Kirchenwald: In Saxdorf sind fast vier Hektar vollständig verbrannt. Vermutlich griff das Feuer auf einem angrenzenden Stoppelfeld schnell auf den Wald über.
  • Kirchenwald: In Saxdorf sind fast vier Hektar vollständig verbrannt. Vermutlich griff das Feuer auf einem angrenzenden Stoppelfeld schnell auf den Wald über.
  • Foto: Andreas Schirmer
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Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in den Wäldern der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zu spüren. So belaufen sich die Schäden durch Stürme seit 2017 auf 54 000 Festmeter Windwurf, dazu kommen etwa 80 000 Festmeter Schadholz durch Dürre, Insekten und Pilze sowie fünf Hektar Verlust durch Waldbrand.
Die kirchlichen Waldeigentümer benötigen dringend Hilfe für Erhalt, Anpflanzung und Pflege des Waldes. Gleichzeitig wird die Kirche prüfen, wie sie den CO2-Ausstoß weiter minimieren kann, und ob sie auf ihren Flächen weitere Aufforstungen zur CO2-Reduzierung vornimmt. Insgesamt speichert der Wald der EKM jährlich etwa 84 500 Tonnen CO2.
"Die multifunktionalen Leistungen des Waldes müssen dringend gesichert werden", sagt Susann Biehl, Forst-Referentin der EKM. "Es ist eine enorme Herausforderung für kirchliche Waldbesitzer und deren Förster, die geschädigten Flächen wieder aufzuforsten.“ Dafür müssten standortgerechte Baumarten gewählt werden, die auch noch in 50 oder 100 Jahren den klimatischen Änderungen gewachsen sind. „Ziel bleiben gemischte Wälder mit mehreren Laub- und Nadel-Baumarten", erklärt die Expertin.
Der Klimawandel habe in Mitteldeutschland nachweisbare Auswirkungen, betont sie. "Wissenschaftler stellen fest, dass Prognosen schneller eintreffen und es sich nicht mehr nur um Wettererscheinungen handelt". Im Wald könne man nicht wie in der Landwirtschaft nach einem trockenen Jahr im nächsten Frühjahr neu anfangen. "Der Prozess der Anpassung und Umgestaltung im Wald dauert Jahrzehnte“, sagt Susann Biehl. „Die alten Bäume, die jetzt vertrocknen, sind über 100 Jahre mit den Temperaturen und dem Wasser zurechtgekommen. Auf so harte Trocken- und Hitzephasen wie in den letzten Jahren sind sie nicht vorbereitet.“ Auch viele der gepflanzten jungen Bäume des Waldumbaus seien vertrocknet.
Wer aufmerksam durch die Landschaft Mitteldeutschlands reise, sehe allerorten braune und vertrocknete oder von Insekten und Pilzen zum Absterben gebrachte Fichten und Kiefern und auch Laubbäume. "Eschen sterben in rasender Geschwindigkeit an einer komplexen Krankheit. Über 120 Jahre alte Buchen verlassen nach langem Ringen ihre Kräfte, auch in Naturwäldern wie dem Nationalpark Hainich", so die Forst-Referentin.
Sie weist auch auf die dramatischen Folgen für die Waldbesitzer hin. "Der Holzverkauf ist die einzige Einnahmequelle, alle anderen Leistungen wie Naturschutz, Erholung, Wegeerhaltung, Verkehrssicherung, Pflicht-Berufsgenossenschaft, Personal, Waldpflege und Pflanzung junger Bäume müssen damit abgedeckt werden", erklärt Susann Biehl. "Durch ein Angebot von Millionen Kubikmetern Schadholz in Mitteleuropa ist der Markt zum Erliegen gekommen und der Holzpreis auf einem so niedrigen Niveau, dass häufig nicht einmal das Beräumen des Schadholzes und die Abfuhr aus dem Wald bezahlbar ist. Deshalb ist Hilfe, insbesondere aus Politik und Gesellschaft, zwingend nötig", sagt die Referentin.
In der EKM besitzen hunderte Kirchengemeinden und andere Eigentümer insgesamt etwa 13 000 Hektar Wald, 6,5 Kubikmeter Holz je Hektar wachsen hier jährlich nach. "Dieser Wald erfüllt alle Waldfunktionen vorbildlich. Er wird nach Leitlinien nachhaltig ökologisch und ökonomisch bewirtschaftet", betont Susann Biehl. Werde der nachwachsende Rohstoff Holz genutzt, beispielsweise als Ersatz von Stahl, Beton, Kunststoff und Öl, speichere ein Kubikmeter langfristig etwa eine Tonne CO2. Damit werde der Ausstoß erheblich verringert. "Jeder neu gepflanzte Baum ist aktiver Klimaschutz und dient der Reduzierung des CO2-Anteils in der Atmosphäre."
(red) 

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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