Ziviler Ungehorsam in Alabama
Vorbild für Friedensbewegung der DDR
- hochgeladen von susanne sobko
Mit einer Buchlesung, einem Vortrag, Gospel-Gottesdienst und Konzert erinnert die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Weimar an den Busboykott in Montgomery von 1955, der sich Anfang Dezember zum 70. Mal jährt. Beginn ist am 25. November um 18 Uhr mit der Lesung „Martin Luther King und die Bürgerbewegung in der DDR“ in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt. Es liest Pfarrer Dr. Michael Haspel, die Moderation übernimmt Annegret Grimm (https://stiftung-ettersberg.de/was-wir-machen/veranstaltungen/).
Der Busboykott war ein Protest der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gegen die Rassentrennung in der US-amerikanischen Stadt Montgomery in Alabama. Ausschlaggebend war Rosa Parks, die am 1. Dezember 1955 in Montgomery festgenommen wurde, nachdem sie sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz für einen weißen Fahrgast freizumachen. Die Festnahme sorgte landesweit für Aufsehen und führte unter der schwarzen Bevölkerung in der Stadt zu dem Entschluss, zivilen Ungehorsam zu leisten. Der Protest dauerte bis Dezember 1956, auch Martin Luther King gehörte zu den Teilnehmenden.
„Der Beginn der Bürgerrechtsbewegung in Montgomery wurde in der DDR sehr genau wahrgenommen. Die Aktiven, allen voran Martin Luther King Jr., wurden als Repräsentanten des ,anderen Amerika‘ angesehen, die gegen Kapitalismus und Imperialismus kämpfen. Sie selbst waren durch ihren christlichen Glauben motiviert und die Kirchen der Schwarzen Menschen waren das organisatorische Rückgrat des Boykotts“, berichtet Pfarrer Dr. Michael Haspel vom Martin-Luther-Institut der Universität Erfurt. Als Martin Luther King im September 1964 in Ost-Berlin zwei Ansprachen gehalten habe, seien die Kirchen überfüllt gewesen. „Kings Botschaft von der Würde aller Menschen hat viele Menschen berührt. Sowohl durch den SED-Staat als auch im Bereich der evangelischen Kirche wurden King und die Bürgerrechtsbewegung weiter wahrgenommen. Die Rezeption des aktiven gewaltfreien Widerstandes beeinflusste die entstehenden Friedensgruppen und die friedliche Revolution 1989“, so Haspel.
Am 7. Dezember (10 Uhr, Jakobskirche) folgt in Weimar ein Gospelgottesdienst mit den Jakob Singers und Michael Haspel. Der Pfarrer hält zudem am 15. Januar (18 Uhr) einen Vortrag „Versöhnte Gemeinschaft. Martin Luther Kings Theologie und Praxis der Versöhnung“ an der
Friedrich-Schiller-Universität Jena, der auch per Zoom verfolgt werden kann (https://www.theologie.uni-jena.de/22891/ringvorlesung-versoehnung-aus-der-sicht-der-disziplinen).
Ein Martin Luther King-Gedenkgottesdienst mit Andreas Schiel, ehemaliger Pfarrer der Martin-Luther-King Kirche in Gropiusstadt, ist am 18. Januar um 10 Uhr in der Jakobskirche Weimar geplant.
Am 14. März folgt in der Jakobskirche ein Gospelkonzert mit den Jakob Singers und Matthias Huff stellt sein Buch „Feel the Spirit! Sternstunden der Gospelmusik“ vor.
Hintergrund:
Martin Luther King (1929-1968) war der bekannteste Vertreter der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. In den 1950er und 1960er Jahren engagierte er sich gegen soziale Unterdrückung und Rassismus, indem er unter anderem zu zahlreichen Aktionen des zivilen Ungehorsams aufrief. Während des Marsches auf Washington im Jahr 1963 mit mehr als 250.000 Menschen hielt er seine berühmteste Rede „I have a dream“, in der er den Traum einer gerechteren Gesellschaft beschwor. Für sein Engagement erhielt er 1964 den Friedensnobelpreis. 1968 wurde Martin Luther King ermordet. Seine Theologie und sein Ansatz des gewaltfreien aktiven Protestes war vielen Menschen in der Kirche der DDR eine Inspiration mit Wirkung bis in die Friedliche Revolution von 1989 hinein.
Die Termine im Überblick:
25. November, 18 Uhr, Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Erfurt
Lesung von Michael Haspel „Martin Luther King und die Bürgerbewegung in der DDR“; Moderation Annegret Grimm
https://stiftung-ettersberg.de/was-wir-machen/veranstaltungen/
7. Dezember, 10 Uhr, Jakobskirche Weimar
Gospelgottesdienst mit den Jakob Singers und Michael Haspel
15. Januar, 18 Uhr, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Hörsaal 7, Carl-Zeiß-Str. 3, und per Zoom: Meeting-ID 637 3894 9189, Kenncode 089362
Vortrag Michael Haspel: Versöhnte Gemeinschaft. Martin Luther Kings Theologie und Praxis der Versöhnung
18. Januar, 10 Uhr, Jakobskirche, Weimar
Martin Luther King-Gedenkgottesdienst mit Andreas Schiel, ehemaliger Pfarrer der Martin-Luther-King Kirche Gropiusstadt
14. März, 19 Uhr, Jakobskirche, Weimar
Gospelkonzert mit den Jakob Singers und Buchvorstellung mit Matthias Huff „Feel the Spirit! Sternstunden der Gospelmusik“
Autor:susanne sobko |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.