Die Musik verleiht Flügel

Die Trommelgruppe »Kongas« und Musiklehrer Dirk Herwig (rechts)
  • Die Trommelgruppe »Kongas« und Musiklehrer Dirk Herwig (rechts)
  • Foto: Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein
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Die Trommelgruppe »Kongas« der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 2000 zu einem gefragten Ensemble entwickelt, das bereits zwei CDs eingespielt hat.

Von Sandra Smailes

Wenn am Himmelfahrtswochenende die Trommelgruppe »Kongas« in Weimar zum »Kirchentag auf dem Weg« hunderte, vielleicht tausende Gäste mit ihrem lauten, mitreißenden Sound unterhält – dann ist das etwas Besonderes. Nicht nur die Musik, sondern auch die Musikanten sind einzigartig: Die elf fantastischen Trommler sind Menschen mit Behinderung. Jeder ist auf eine andere Art und Weise eingeschränkt. Das Handicap bremst die Frauen und Männer in ihrem Alltag, bei der Auswahl der Arbeitsstelle, bei der Partnerwahl und in vielen alltäglichen Dingen, doch die Musik verbindet und scheint Flügel zu geben.
Wenn die »Kongas« auf ihre Instru­mente hauen, wenn die Trommelschläge die Körper der Zuhörer durchdringen und deren Herzschlag durcheinanderbringen, dann merkt kaum jemand die Behinderung, dann sind die Musiker frei von ihrem Handicap, frei von allen Sorgen in ihrem Alltag, sie unterscheiden sich dann nicht von anderen Menschen.
Die Trommelgruppe ist ein arbeitsbegleitendes Angebot der Werkstätten des Christopherushofs in Saalfeld, der zur Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gehört. »Sie ist im Jahr 2000 aus dem Prüfungsthema eines damaligen Praktikanten zur Musiktherapie entstanden. Da das Projekt bei den Beschäftigten Gefallen fand, wurde es als Ergänzung zum Arbeitsangebot fortgeführt. Bald erfuhr die Geschäftsleitung von dem Erfolg und stellte Geld zum Kauf einiger Instrumente bereit«, berichtet Julia Kramer von den Anfängen der Musikgruppe.
Die junge Frau ist Heilerziehungspflegerin, Gruppenleiterin der Übergangsgruppe und betreut darüber hinaus die Trommelgruppe. Sie ist erst 2012 dazugestoßen, kennt ihre Entstehungsgeschichte aber genau, zum Beispiel von Jörg Höfer. Er ist 60 Jahre alt und war von Anfang an dabei. Für ihn ist die Musik wichtig und nimmt viel Platz in seiner Freizeit ein.
Nachdem zunächst unregelmäßig in der Werkstatt geübt und vorgespielt wurde, ergaben sich bald Auftritte zu Faschingsfeiern, beim Diakonie-Sonntag in der Saalfelder Johanniskirche und zu Feiern in den Wohn- und Werkstätten der Diakoniestiftung. Die ersten eigenen Titel entstanden und wurden »Cambala«, »Trommelwalzer«, »Bongo Boy« und »1-2-3-4« genannt.
Einladungen zum Samba-Fest nach Coburg, Greiz, Pößneck und Erfurt folgten. Die Begeisterung war groß, so wuchs die Mitgliederzahl. Bald übten 15 Beschäftigte das Trommeln. »Wir machen den Großteil der Musik selbst, die Stücke entstehen aus den Gefühlen und Launen, nach Eindrücken und Erlebnissen der Mitglieder«, ist von Julia Kramer zu erfahren.
2009 konnten die »Kongas« ihre erste CD »Heidebeat« aufnehmen und gut verkaufen. Als zweites Album erschien 2013 »Donnerwetter« – wieder ein Erfolg.
Mittlerweile wird die Truppe von Musiklehrer Dirk Herwig geschult, Julia Kramer kümmert sich um die Organisation – und das wird immer mehr. »Wir sind eine gefragte Gruppe und haben zahlreiche Auftritte. Im Herbst durften wir im Erfurter Steigerwaldstadion den Tag des Sportabzeichens mitgestalten. Sportler mit und ohne Behinderung teilten sich die Bühne – ein großartiges Erlebnis für die Trommelkünstler! Nun gibt es einen Workshop mit einer Selbsthilfegruppe psychisch kranker Menschen. Sie trommeln mit den ›Kongas‹, ein großartiges Gefühl, mit unserer Musik anderen helfen zu können«, freut sich Frau Kramer.

Kontakt: Julia Kramer, Telefon (0 36 71) 52 56 20,
E-Mail J.Kramer@diakonie-wl.de
8 www.diakonie-wl.de

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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