Paul-Schneider-Gedenken
Biografie seiner Witwe Margarete Schneider erschienen

Margarete Schneider erhielt 2000 das Bundesverdienstkreuz
  • Margarete Schneider erhielt 2000 das Bundesverdienstkreuz
  • Foto: epd-bild / Nicola O' Sullivan
  • hochgeladen von Michael von Hintzenstern

Dass wir so viel von Paul Schneider wissen, verdanken wir seiner Witwe. Auf Bitten von Freunden der Bekennenden Kirche (BK) schrieb sie bald nach Kriegsende all das auf, was sie damals miterlebt hatte. Ihr 1953 in West-Berlin gedrucktes Buch „Der Prediger von Buchenwald“ erschien bald danach auch in der Evangelischen Verlagsanstalt Ost-Berlin. In beiden Landesteilen erreichte es bis zur Wende 11 bzw. 12 Auflagen. Es wurde für die Junge Gemeinde und in den Kirchengemeinden zu einem Bestseller zur Stärkung des Glaubens und Mutes in einem atheistischen Staat, dessen Ziel es war, jeglichen christlichen Glauben zu bekämpfen.
Mit vielen Ergänzungen und vorhandenen Dokumenten wurde das Buch stark erweitert im SCM Hänssler-Verlag 2009 und 2014 wieder herausgegeben.
Nun, zum 80. Todestag, erschien beim selben Verlag ein Buch mit dem Titel: „Margarete Schneider – Die Frau des Predigers von Buchenwald“.
Die Biografie gibt Einblicke in ihr Leben und Wesen und zeigt eine tatkräftige Frau, die nicht nur allein als Ehefrau von Paul Schneider gesehen werden sollte. Denn nach vier Jahren Verlobungszeit waren Margarete und Paul bloß 13 Jahre verheiratet; davon die letzten Jahre oft getrennt durch vier Gestapo-Verhaftungen und die Jahre im KZ Buchenwald. Eine unendlich schwierige Zeit mit Hoffen und Bangen um ihren Mann. Sie stand ganz hinter ihm und stärkte ihn, soweit es ihr möglich war.
Wie ist sie mit ihrer Trauer umgegangen? Wohin sollte die Mutter von sechs kleinen Kindern gehen, als sie das Pfarrhaus räumen musste? Was tun, als 1943 ihr neues Zuhause in Elberfeld durch die Bombardierung der Stadt abbrannte? Sie ging zurück zur Mutter nach Württemberg. Dort hatte Margarete als zehntes Kind (geboren am 8. Januar 1904) des Pfarrerehepaares Karl Dieterich und Marie geb. Rüdiger, in denen sich die Stammbäume von Goethe und Schiller vereinten, ihre Kindheit und Jugend verbracht. Dort hatte sie mit 16 Jahren den Studenten Paul Schneider kennen und lieben gelernt.
Von diesen und weiteren Lebensetappen sowie späterer Trauer um zwei erwachsene Söhne, die bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall 1960 ums Leben kamen, geben in diesem Buch bisher unveröffentlichte Briefe starke Einblicke. Sie war kein Hausmütterchen-Typ, keine Glucken-Mutter. Sie war eine selbständige Persönlichkeit mit vielen Aktivitäten lebenslang, wie z. B. ab 1945 im Mitaufbau der Frauenarbeit in Württemberg, des Müttergenesungswerkes und des Weltgebetstages; dann auch in der Politik und der Friedensbewegung. Ihre Türen standen jederzeit offen für Hilfesuchende sowie Gästen aus dem In- und Ausland.
Es war ihr Herzensanliegen, anderen Menschen, besonders der Jugend, von der mörderischen Diktatur der Nazis zu erzählen, vom Kampf der Bekennenden Kirche um das reine Evangelium und von der Glaubenserkenntnis ihres Mannes aus der Apostelgeschichte 5,29, die sein Handeln prägte: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“.
Margarete Schneider verstand sich auch als Brückenbauerin im getrennten Deutschland. Immer wieder reiste sie in zahlreiche Orte der DDR; natürlich auch nach Weimar und Buchenwald. Erstmals konnte sie 1954 die Zelle besuchen, in der ihr Mann bis zu seiner Ermordung 15 Monate eingesperrt war. Ihrer damaligen Bitte, das Bibelwort von der Versöhnung aus 2. Korinther 5,20 anbringen zu lassen, wurde entsprochen. Die Holztafel hängt noch heute dort und erinnert die Besucher an die Aufgabe „Seid Botschafter an Christi statt ...“
Ab 1986 kam sie jährlich ins Evangelische Gemeindezentrum „Paul Schneider“ nach Weimar, um bei dessen Grundsteinlegung und Einweihung 1988 dabei zu sein. Die vielen neuen Freunde ließen ihr diesen Ort bis zu ihrem Tod kurz vor ihrem 99. Geburtstag am 27.12.2002 zu einer „späten zweiten Heimat“ werden. Unzählige Menschen haben sie hier noch persönlich erlebt.
Paul und Margarete Schneider waren Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts und des christlichen Glaubens, die in großer Verantwortung vor Gott ihre Entscheidungen gefällt haben. Jetzt stehen wir in dieser Verantwortung!

Elsa-Ulrike Ross

„Margarete Schneider – Die Frau des Predigers von Buchenwald“, SCM Hänssler 2019, 544 Seiten, 17,99 Euro, ISBN 9783775156462

Ökumenischer Gottesdienst auf dem ehemaligen Appellplatz der Gedenkstätte Buchenwald: 18. Juli, 17.15 Uhr

Kontakt: paul-schneider-gesellschaft@gmx.de

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