Was für Worte!

Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. 1. Samuel, Vers 2,6

Von Kornelius Werner, Pfarrer in Hecklingen

Oben und unten, lebendig und tot. Natürlich und unverweslich, körperlich und geistlich, vergänglich und ewig. Österliche Wortpaare. Darunter kann ich mir etwas vorstellen. Wenn es darum geht, auch nur irgendwie etwas über Ostern zu sagen, dann auf diese Weise. Das ist eingängig und logisch. Denn: Alles hat ein Gegenteil. Und die Auferstehung ist das Gegenteil von tot, verweslich, irdisch, vergänglich. So kommt mir Ostern nahe, gerade im Frühling, besonders in diesem Frühjahr, wo kaum ein Forsythienzweig vor Palmsonntag geblüht hat. Auferstehung ist Leben.
Ostern erklären – kein Problem mit der Gegenteil-Methode. Und ich bin die heimlich quälende Frage los, was das denn nun sei mit der Auferstehung und ob das wirklich so war. »Herr Pfarrer, glauben Sie da wirklich dran?« Huh. Jetzt treibt es mir doch wieder das Blut in den Kopf, kurzer Schweißausbruch, jetzt brauche ich die schlagfertige Antwort. »Naja, also, wissen Sie, das ist, früher hat man, aber heute, ja, ich weiß, was Ihnen da Schwierigkeiten bereitet …«.
Stammel, stammel. Wie gut tut da Hannas Sicht der Dinge. Auf den ersten Blick sehr verwandt mit Marias Lobgesang – »mein Herz ist fröhlich in dem Herrn«. Aber auf den zweiten Blick doch näher an Ostern als an Weihnachten. »Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.« Was für Worte. Und das alles in einem Atemzug. Einmal das gesamte Leben. Und eben nicht nur das Leben, sondern auch das, was viel mehr ist als Leben. Das, wovon ich auf dieser Erde nicht einmal was ahnen kann.
»Tot« ist nur ein Hilfswort dafür, eine Krücke, denn »tot« heißt nur »nicht-lebendig«. Leben und Tod zusammen ist Ostern. Alles, was ich kenne und alles, wovon mir jeder blasse Schimmer fehlt. Dafür bürgt Jesus, und Hanna muss das wohl auch schon geahnt haben.
Also verlasse ich mich lieber doch nicht nur auf die Gegenteil-Methode. Die ist zwar auch nicht ganz verkehrt, aber sie darf mich nicht blind dafür machen, dass ich blind bin. Zumindest hinsichtlich der Dinge, die da ewig sind und unverweslich. Ich weiß, dass es sie gibt –dank Hanna und Jesus –, aber ich kenne sie nicht. Ich glaube sie, und das ziemlich sicher.
Ich wünsche Ihnen ein mildes und überraschungsreiches Osterfest.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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