Haltung wahren

Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.
Kolosser 2, Vers 15

Von Kornelius Werner, Pfarrer in Hecklingen

Mir wird warm ums Herz und das Blut steigt in den Kopf. Ich werde ein bisschen rot, fast wie Schamesröte fühlt es sich an. Es ist aber nicht Scham, sondern Triumph. Das ist gut, ich fühle mich sicher. Doch sie verzieht sich wieder rasch, die Wärme, kühlt ab, erstarrt. Jetzt bloß keinen Fehler machen. Jetzt nur nicht übermütig werden. Das ist schwer, denn ich weiß mich im Recht. Ich bin auf der guten Seite. Ich habe die anderen durchschaut. Ich habe sie entlarvt und ihren Falsch aufgedeckt. Ich könnte jetzt alles sagen, was ich wollte, und ich wäre im Recht. Ich würde den Beifall ernten, der mir zusteht. Die anderen sind enttarnt, zur Schau gestellt. Ich möchte den Triumph genießen wie eine Welle, auf der ich surfe mit ausgestreckten Armen, den Himmel zum Greifen nahe.
Bloß die Contenance wahren, ja nicht hämisch werden. Nix tun, was ich hinterher bereue. Obwohl der Triumph verführt. Aber es sind immerhin die anderen, die Bösen, die Falschen, die Mächtigen, durch die der Triumph erst möglich war. Ein Triumph durch das Falsche hindurch, sozusagen.
Mit Ostern begann diese Woche und Ostern liegt vor uns. »Wie ein neugeborenes Kind« fühlt sich der Ostertriumph an. Und wenn ich nun kein Kind mehr bin und das naive, unvoreingenommene, selige Lächeln vorüber ist, dann bleibt nur die Erinnerung daran, wie es überhaupt zu Ostern kam, um mir die Contenance zurückzugeben. Jesus im Garten Gethsemane, zu Gott flehend. Das war schockierend. Das zollte mir unheimlichen Respekt ab. Das war kein perfekt arrangierter Triumph, das war – echt. Jesus hat den Schuldbrief meiner Selbstgerechtigkeit getilgt, und hat ihn weggetan und ans Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in sich.
Das ist echter Triumph. Den genieße ich und die Wärme bleibt oben. Ums Herz und um den Sinn. Dank Ostern und der Erinnerung daran, wie sich alles dazu begab. Am Ende steht der Triumph – der Himmel zum Greifen nahe mit ausgestreckten Armen – am Kreuz, durch das Kreuz.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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