Kulturerbe mit O

»O du fröhliche«: Das Weihnachtslied soll in die Unesco-Liste aufgenommen werden

Das berühmte Weihnachtslied »O du fröhliche« von Johannes Daniel Falk (1768–1826) soll in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen werden. Das zumindest wünscht sich der Johannes-Daniel-Falk-Verein aus Weimar und hat eine Bewerbung bei der Thüringer Staatskanzlei eingereicht.
An dem mehrstufigen Auswahlverfahren sind die Bundesländer, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche Unesco-Kommission beteiligt.
Der Falk-Verein um Paul Andreas Freyer hat eine Hürde genommen: Die Bewerbung des Vereins wurde von der Thüringer Jury fachlich begutachtet und akzeptiert. Bis April kann Thüringen dem Sekretariat der Kultusministerkonferenz bis zu vier Vorschläge benennen. Welche das sind, darüber soll im Januar entschieden werden.
Auf Basis der Vorschläge aller 16 Bundesländer erstellt das Sekretariat der Kultusministerkonferenz eine Liste, die einem Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission vorgelegt wird. Unabhängige Experten prüfen und bewerten die Dossiers; das soll im Sommer geschehen. Die Kultusministerkonferenz und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien bestätigen abschließend die Experten-Empfehlungen. So entsteht ein bundesweites Verzeichnis, aus dem kulturelle Ausdrucksformen bei der Unesco eingereicht werden können. Diese entscheidet dann über die Aufnahme. Wie die Entscheidung auch ausfällt: Gäbe es die Charts der deutschen Weihnachtslieder, würde »O du fröhliche« auf Platz eins stehen. Es wird in evangelischen und katholischen Kirchen gesungen, oft ist es das Abschlusslied im Heiligabend-Gottesdienst.

Ein Lied für arme Waisenkinder

Johannes Daniel Falk, geboren am 28. Oktober 1768 in Danzig, wurde in ärmlichen Verhältnissen groß. Der Stadtrat stiftete ihm ein Stipendium für ein Studium in Halle. Er soll mit den Worten verabschiedet worden sein: »Wenn dereinst ein armes Kind an deine Tür klopft, dann wisse, dass wir es sind, die alten, grauen Bürgermeister von Danzig. Weise sie nicht von deiner Tür!«
Doch zunächst widmete sich Falk der weltlichen Fröhlichkeit. Er brach das Theologie-Studium ab, dichtete Satiren und zog als Privatgelehrter nach Weimar. Dort wurde sein diplomatisches Geschick gelobt. 1813 aber wurde ein bitteres Jahr: Innerhalb weniger Wochen verlor er vier seiner sieben Kinder durch Typhus. Kurze Zeit später soll ein zerlumpter Waisenjunge vor seiner Tür gestanden haben. In diesem Moment habe er sich an die Worte des Danziger Stadtrates erinnert und nahm das Kind auf. Die gute Tat sprach sich herum, und so kamen immer mehr Kriegswaisen. Für sie dichtete er »O du fröhliche« – allerdings nur die erste Strophe. Sein Gehilfe Heinrich Holzschuher schrieb später die beiden anderen heute bekannten Strophen.
1816 soll Falk das »O du fröhliche« geschrieben haben, heißt es im Evangelischen Gesangbuch. Doch 2015 gab Paul Andreas Freyer vom Falk-Verein bekannt, dass das Lied offenbar älter ist. Der Kirchenhistoriker Herbert von Hintzenstern hatte recherchiert, dass Falk es vermutlich im Advent 1815 geschrieben hat, damit es 1816 im Lehrkalender für seine Zöglinge seiner Sonntagsschule erscheinen konnte. In Falks Jahresbericht für 1816 war »O du fröhliche« in der Liste der Lieder erwähnt, die die Kinder auswendig singen mussten. Aber die Ur-Handschrift des Textes fehlt bis heute, sagt Freyer. Der Nachlass von Falk sei in großen Teilen nicht gesichtet. (epd/G+H)

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