Die starke Frau an Luthers Seite

Katharina und die anderen geflohenen Nonnen kommen in Wittenberg an. Martin Luther begrüßt Katharina von Bora.
  • Katharina und die anderen geflohenen Nonnen kommen in Wittenberg an. Martin Luther begrüßt Katharina von Bora.
  • Foto: MDR/EIKON Süd/Junghans
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Ein Reformationsfilm ohne Thesenanschlag, Reichstag und Wartburg

Von Wiebke Rannenberg

Schon die erste Szene ist herzergreifend. Der Vater führt die kleine Katharina zur Klosterpforte, die Münzen, die er der Nonne gibt, klimpern. Sträuben und Weinen helfen nicht, die Schwestern schließen die Tür und ziehen die kleine Rothaarige in die dunklen Gänge.
Regisseurin Julia von Heinz, Drehbuchautor Christian Schnalke und Kamerafrau Daniela Knapp setzen im Fernsehfilm »Katharina Luther« konsequent auf Emotionen, erklärt wird nur wenig. Und sie vertrauen darauf, dass sich die Zuschauer einlassen auf das 16. Jahrhundert, den tiefen Glauben und Aberglauben, die unbändige Angst vor Teufel, Fegefeuer und Verdammnis, die menschlichen und kirchlichen Ordnungen, raue Sitten, die unverrückbaren Rollen für Männer und Frauen.
Erzählt wird die Geschichte der entlaufenen Nonne Katharina von Bora (Karoline Schuch), die den ehemaligen Mönch und späteren Reformator Martin Luther (Devid Striesow) heiratet. Sie wird die Frau, die ihn angesichts seiner Verzweiflung über den Tod der gemeinsamen Tochter an das erinnert, was er ihr einst ins Kloster geschrieben hatte: »Wir dürfen vertrauen, auch im Tod.«
Nach dem traumatischen Zurücklassen der kleinen Katharina an der Klosterpforte geht der Film 17 Jahre später weiter, im September 1522. Die junge Nonne hat Lesen und Schreiben gelernt, sie betet und arbeitet mit ihren adligen Mitschwestern. Doch auch hinter die Mauern von Kloster Nimbschen dringt die Kunde vom Theologen Martin Luther aus dem rund 90 Kilometer entfernten Wittenberg: Das Verhältnis zu Gott hängt nicht von guten Werken ab, und der Zölibat entspricht nicht der göttlichen Ordnung. Katharina gelingt ein kurzer Briefwechsel mit ihm – und sie flieht mit einigen anderen jungen Nonnen nach Wittenberg.
Karoline Schuch spielt die geflohene Nonne Katharina, die sich in der Männerwelt außerhalb des Klosters zurechtfinden muss, als Frau ihrer Zeit. Auch sie braucht einen Mann, der ihr Überleben sichert.
Sie lächelt kaum, ist zäh, zupackend und selbstbewusst, manchmal ein wenig eitel und herrisch. Und vor allem stark dann, wenn ihr Ehemann schwach ist.
Devid Striesow als Luther ist zunächst gewöhnungsbedürftig, bekannt ist er eher als Kommissar oder guter Kumpel. Doch er verkörpert Luther als einen Mann, der sich bis zur Besessenheit in seine Arbeit stürzt, keine Rücksicht nimmt auf Bauchkrämpfe und ein offenes Bein, der leidenschaftlich streitet und mit seinen Gefühlen gegenüber Gott ringt. Bilder von gefolterten aufständischen Bauern verfolgen ihn, gegen die Juden findet er harte Worte.
Doch gegenüber den Gefühlen seiner Frau wirkt Luther hilflos, sie macht die ersten Schritte zur Hochzeit und im Ehebett. Und der Tod der 13-jährigen Tochter Magdalena bringt ihn fast um Glauben und Verstand. Zusammen wollen Katharina und Martin »das ganze Leben«, wie sie sich gegenseitig versichern.
Der Zuschauer ist immer nah dran, die Handkamera aus Perspektive der beiden Hauptdarsteller bestimmt den Film – ein Reformationsfilm ohne Thesenanschlag, Reichstag und Wartburg. Produziert wurde der Fernsehfilm von der Eikon, deren Gesellschafter evangelische Landeskirchen, Werke und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sind. (epd)

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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