Ein Sieg des Märtyrertums und der Heiligkeit

Filmszene: Die 16-jährige Karolina Kozkowna (Aleksan-
dra Hejda) mit ihren Geschwistern beim Gebet auf dem Feld.
  • Filmszene: Die 16-jährige Karolina Kozkowna (Aleksan-
    dra Hejda) mit ihren Geschwistern beim Gebet auf dem Feld.
  • Foto: Jakub Grabowski, Produktion Fundacja Lux Veritatis
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Von Jens Mattern

Eine junge Frau und fünf Kinder knien betend vor einem Heuhaufen, mit bösem Blick beobachtet von einem Kosaken. Es ist die Schlüsselszene des Films »Die herausgerissene Ähre«, der ersten Kinoproduktion des nationalkatholischen Medienkomplexes »Radio Maryja« und der Auftakt einer cineastischen Offensive des rechten Regierungslagers in Polen.
Erzählt wird die wahre Geschichte der 16-jährigen Karolina Kozkowna, die im Ersten Weltkrieg von einem russischen Soldaten erstochen wurde, als sie sich gegen ihre Vergewaltigung wehrte. Die Bilder sind eindeutig – auf der einen Seite die fromme Polin, auf der anderen Seite betrunkene Russen, die »dawaj« schreien und alle Polen hassen.
Die Ermordete wurde 1987 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Der war bekannt für seine Marienverehrung und die Proklamation eines Frauenbildes der Reinheit. Grund für die Verehrung ist, dass sie »ungeschändet« gestorben ist. In der katholischen Kirche gilt das Mädchen als Patronin weiblicher Opfer sexueller Gewalt.
»Einer der schönsten Filme, den ich je gesehen habe«, rezensiert der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz, Professor Paweł Rytel-Andrianik, die Verfilmung begeistert. Doch das Werk hat auch eine Botschaft, was der Regisseur im Vorfeld nicht verhehlte. Der Film sei ein »Sieg des Märtyrertums und der Heiligkeit über Zarentum, Bolschewismus und Russentum« so Witold Ludwig, ein Absolvent der Medienhochschule von Radio Maryja.
Dieses Medienimperium unter dem Mönch Tadeusz Rydzyk gilt als wichtiger Verbündeter der Partei »Recht und Gerechtigkeit« (PiS), die seit November 2015 regiert und eine Umerziehung der Gesellschaft vorantreibt. Der Spielfilm um die junge Märtyrerin wurde offiziell mit geringem Budget erstellt, gerade mal 550 000 Złoty (125 000 Euro) soll er gekostet haben. Allerdings gab es Mittel, um das patriotische Werk unter dem Patronat des Staatsfernsehens TVP mit riesigen Werbetafeln in der polnischen Hauptstadt zu bewerben.
Und es werden weitere Gelder für die Sparte nationalkatholisches Kino aufgewendet. Rund 100 Millionen Złoty (etwa 23 Millionen Euro) will das Ministerium für Kultur und nationales Erbe zur Verfügung stellen, um Filme zu förden, die »das geschichtliche und kulturelle Erbe Polens bewerben«.
In Polen ist man stolz auf seine Filmkultur – mit dem Oscar ausgezeichnete Filmemacher wie Roman Polanski und der kürzlich verstorbene Andrzej Wajda lernten ihr Handwerk auf der Filmhochschule in Łód´z, Agnieszka Hollands Ökothriller »Pokot« (Jagdstrecke) wurde auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet, was im »Polnischen Institut für Filmkunst« gefeiert wird.
Aber auch dort dreht sich der Wind, im Ausschuss sitzen Journalisten teils scharf rechter Publikationen. Rechte Publizisten hoffen auf eine Ära der »Christian Movies« wie in den USA; liberale Kritiker fürchten, dass weniger bekannte Regisseure vor allem nationalkonservative Stoffe anbieten werden, um Fördergelder zu bekommen.

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