Verkündigungsdienst im Ehrenamt
Was Prädikanten so machen

Prädikanten unter sich: André Poppowitsch (40) ist erleichtert. Er hat die Ausbildung für den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst fast abgeschlossen. Dietlind Steinhöfel (70) kann sich noch gut an ihre Ausbildung erinnern.
  • Prädikanten unter sich: André Poppowitsch (40) ist erleichtert. Er hat die Ausbildung für den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst fast abgeschlossen. Dietlind Steinhöfel (70) kann sich noch gut an ihre Ausbildung erinnern.
  • Foto: Maik Schuck
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Erfahrungsaustausch: Der eine wird demnächst sein Examen im Kirchlichen Fernunterricht der EKM (KFU) absolvieren. Die andere hat vor 34 Jahren den KFU erfolgreich abgeschlossen und ist als ordinierte Prädikantin im Kirchenkreis Weimar tätig.

André Poppowitsch (AP):
Ich bin von Hause aus Politikwissenschaftler, hatte also gar nichts mit Theologie zu tun. Ich habe lange in Jena gelebt. Irgendwann hatte ich den Wunsch, mich in der Kirchengemeinde zu engagieren und habe mich zum „qualifizierten Lektor“ ausbilden lassen. Da ist man berechtigt, Gottesdienste zu halten, muss dafür aber von Theologen verfasste Lesepredigten verwenden. 2012 wurde ich als Lektor eingesegnet.

Dietlind Steinhöfel (DS): Warum hast du dich dann noch für den KFU entschieden?

AP: Der eine Grund: Ich hatte einfach Lust, mich intensiver mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen. Der zweite Grund war ganz pragmatisch: Nach acht Jahren Lektorendienst merke ich, dass mir die Lesepredigten, die ich mir aneignen soll und bei denen ich kleine Änderungen vornehmen und eigene Beispiele einfügen darf, nicht mehr ausreichen. Denn die Theologen verfassen sie eineinhalb oder zwei Jahre im Voraus. Sie müssen aber den unterschiedlichsten Situationen in Gemeinden genügen, meist fehlt es an Aktualität.
Ich möchte das Handwerkszeug erlangen, selbst Predigten zu schreiben, um irgendwann mal eine Beauftragung zu bekommen, das Recht der freien Wortverkündigung auszuüben und auch die Sakramente zu verwalten.
Du hast vor über 30 Jahren deine Ausbildung gemacht. Was war deine Motivation?

DS: Im Jahr 1978 habe ich bei »Glaube+ Heimat« angefangen zu arbeiten und war all die Berufsjahre in der Kirchenpresse tätig. Das Motiv, den KFU zu absolvieren, lässt sich so zusammenfassen: Ich kann in der Redaktion einer Kirchenzeitung nicht mit meinem Konfirmandenwissen bestehen. An Gottesdienste dachte ich zunächst nicht. 1986 erhielt ich die Zulassung zur freien Wortverkündigung und wurde als Prädikantin in Weimar eingesetzt, soweit es meine Zeit mit Beruf und drei Kindern erlaubte.
AP: Ich finde spannend, welch unterschiedliche Leute in den Kursen sind. Da ist der Richter, die Lehrerin, die Krankenschwester oder der Handwerker. Diese Vielfalt ist sehr bereichernd.

DS: Auch bei uns gab es Akademiker und Facharbeiter, aber längst nicht aus so vielen Berufen. Denn Lehrer oder gar Juristen – das wäre in DDR-Zeiten kaum möglich gewesen. Vielleicht gab es Ausnahmefälle, das kann ich nicht sagen. Es gab Berufe, in denen eine zu große Nähe zur Kirche nicht gewünscht war.

AP:
Ich war im Kurs 29. Da hat sich bestimmt eine Menge geändert.

DS: Ich war im Kurs 13. Unsere Ausbildung dauerte 3,5 Jahre. Wir hatten zwei Jahre Grundkurs. Danach gab es zwei Prüfungsklausuren und ein Zeugnis. Manche haben dann aufgehört. Sie wollten, wie das heute ja auch ist, ihren Glauben vertiefen, ohne das Ziel, auf die Kanzel zu steigen. Anschließend folgte der Aufbaukurs, der zur freien Wortverkündigung und ins Prädikantenamt führte.
Wie ihr haben wir Hausarbeiten geschrieben, allein im Fach Neues Testament sieben. Es war ein ziemliches Pensum. Und ich habe oft die Wochenenden und Nächte gesessen. Da klebte ein Zettel an der Tür für die Kinder: „Nur im Katastrophenfall stören.“

AP: Die Ausbildung ist tatsächlich sehr anspruchsvoll. Ob der Anspruch zu hoch ist, muss man wohl differenziert betrachten. Da ich persönlich die Lust darauf habe, mich mit den Themen auseinanderzusetzen, passt es für mich. Klar habe ich geschwitzt, auch gehadert und geflucht, wenn eine Hausarbeit fertig werden musste. Aber das geht wohl jedem so. Mit links macht man es nicht, man muss sich schon darauf konzentrieren.
Ich habe jetzt den KFU fast geschafft. Es fehlen noch das Examen und vier praktische Leistungen. Aber nach dem Examen bin ich noch kein Prädikant. Wir bekommen lediglich die Empfehlung, ob wir die zweite Ausbildungsphase machen dürfen. Insofern ist es ein langer und anspruchsvoller Weg. Deshalb hören wohl auch zahlreiche Teilnehmende vorher auf. Gut ist aber, dass man – wie ich – im Folgekurs die Prüfungen ablegen kann.

DS: Ich denke, dass der hohe Ausbildungsanspruch durchaus gerechtfertigt ist. Es ist eine große Aufgabe, Gottes Wort zu verkünden. Eine aus meinem Kurs sagte damals, als wir die ersten Predigten schrieben, dass die Verantwortung doch viel zu hoch sei, die könne man gar nicht leisten. Das stimmt. Aber Gott nutzt uns Menschen – Pfarrerinnen und Pfarrer ebenso wie die Ehrenamtlichen – zur Verkündigung. Jemand anders kann es nicht tun. Gerade deshalb ist für mich die Bitte um den Heiligen Geist immens wichtig.

AP: Ich brauche viel Zeit für die Gottesdienstvorbereitung, etwa fünf bis acht Stunden. Vor allem das „Aneignen“ bzw. „Bearbeiten“ der Lesepredigten braucht Zeit.

DS: Mindestens acht Stunden brauche ich auch. Die ganze Woche vorher „arbeitet“ der Text in meinem Kopf. Mein Vorteil: Ich bin seit fünf Jahren im Ruhestand und kann mir die Zeit besser einteilen. Mir ist wichtig, dass wir als Prädikanten nicht nur als Gottesdienstvertretung gesehen werden, sondern dass wir uns ins gesamte Gemeindeleben einbringen.
Noch mal zurück zum KFU. Mir ist aufgefallen, dass die Teilnehmer heute viel älter sind als zu meiner Zeit. In meinem Kurs waren die Kommilitonen Ende 20, Anfang 30.

AP: Ich zähle mit meinen 40 zu den jüngeren. Viele sind über 50 oder gar 60. Also wenn die Kinder groß sind und man beruflich etabliert ist. Aber ob das gut ist, wenn die Prädikanten das Durchschnittsalter der Gemeinden haben …

DS: Ich möchte gern jüngere Leute ermuntern, sich im KFU auf den Weg zu machen. Denn bei aller Mühe, die es kostet, macht die Arbeit in den Gemeinden viel Freude.

AP: Ja, das stimmt. Wenn nach einem Gottesdienst ein Besucher kommt und zu dir sagt: Genau das habe ich heute gebraucht, dann weißt du, dass es sich lohnt und du an der richtigen Stelle stehst.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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