Gedanken zum Karfreitag
In der Nacht des Schmerzes: Die Liebe überlebt

 Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden
2. Korinther 5, Vers 17

Karfreitag ist das kleine Ostern. Denn auch der Karfreitag hat die Welt verändert. Neues ist geworden. Das schärft uns der Predigttext (2. Kor 5,14-21) ein. In diesem Jahr stehen wir nicht unter dem Kreuz. In diesem Jahr sehen wir nicht den tropfenden Schwamm und die Nägel im Fleisch. In diesem Jahr sehen wir, was sich geändert hat.
Nachdem die Nacht des Schmerzes vorüber war, lag Tau auf den Gräsern, und mit dem Morgen begann der Tag neu. Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Wie konnte das passieren? Der Predigttext behauptet, Gott hat die Welt mit sich versöhnt. In der Nacht des Schmerzes hat die Liebe überlebt. Unsere Beziehung zu Gott wurde von ihm selbst erneuert.
Ostern liegt nicht zufällig im Frühling. Die erwachende Natur ist das Sinnbild des Neuwerdens. Aber das Neuwerden des Karfreitags entsteht in einer Beziehung. Sünde ist ja nichts anderes als die Zerstörung der Beziehung zu Gott. Und wenn Gott das Wort der Versöhnung – wie ein Kreuz – unter uns aufrichtet, repariert er eine Beziehung.
Im Moment hören und lesen wir lauter Hoffnungsgeschichten. Die Corona-Krise macht uns alle freundlich und hilfsbereit. Wir kaufen ein für die alte Frau nebenan und kündigen unser Abonnement im Fitnessstudio nicht, um die kleinen Betriebe am Leben zu halten.
Was nicht erzählt wird, ist die schreckliche Einsamkeit der Menschen, die als Single leben oder in Pflegeheimen. Keine Sendung dokumentiert die Konflikte, die entstehen, wenn Kinder durch die fehlende Zeit in der Schule ihre Struktur verlieren. Niemand sieht den Streit um die digitalen Endgeräte und die überforderten Eltern. Auch die Krisen in den Partnerschaften, die schon seit Langem anstehen und ausbrechen, wenn die Ablenkung ausbleibt, bleiben zwischen vier Wänden.
Wir Menschen scheinen Schwierigkeiten zu haben, gut miteinander auszukommen. Wir verletzen uns gegenseitig. Das gehört zu der Art, wie wir gebaut sind. In meinem Glaubenskurs sagen die Teilnehmerinnen, man könne auch einander vergeben, ohne sich mit dem anderen Menschen zu versöhnen.
Das scheint mir ein Trend zu sein. Wir lassen Beziehungen als Ruinen hinter uns und ziehen weiter. Statt zu reparieren, versuchen wir zu vergeben, um die psychische Belastung loszuwerden.
Gott repariert unsere Beziehung zu ihm. Es ist ein Geheimnis, wie er das macht und wie es wirkt. Wir stehen in den Ruinen unseres Lebens und hören, dass die Liebe überlebt. Auch in der Nacht des Schmerzes ist Gott nur ein Wort weit entfernt.

Frank Hiddemann, Pfarrer in Gera

Die Predigt von Pfarrer Hiddemann in ganzer Länge lesen Sie hier.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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