Das ist meine Hoffnung: Gottes Gnade hat das letzte Wort

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.
2. Korinther 5, Vers 10


Von Martin Olejnicki, Pfarrer in Bernburg-Preußlitz

Es gibt so Tage, aus denen könnte man bequem zwei machen. Alles rauscht an mir vorbei, und ich habe kaum Gelegenheit innezuhalten und mich zu fragen, ob das, was ich da gerade tue, wirklich gut ist – gut für mich und gut für andere. Manchmal holt mich das ein paar Tage später wieder ein, wenn mich jemand anspricht und fragt, warum ich neulich so schroff war. Dann bin ich oft überrascht und auch ein wenig erschrocken über mich selbst.
Dass das an einem hektischen Tag passieren kann, ist mir schon klar, und es ärgert mich nichts so sehr wie der Umstand, dass ich es offenbar selbst nicht mal gemerkt habe. Und dann frage ich mich, wie viele Menschen ich an diesem hektischen Tag wohl noch vor den Kopf gestoßen oder ihnen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet habe, die sie verdienen. Ich nehme mir viel zu oft viel zu wenig Zeit, um zurückzuschauen auf das, was ich so den Tag über getan habe. Abends lege ich dann alles in mein abendliches Vaterunser. Dennoch bleibt das Gefühl, dass da zu viel unter meinen persönlichen Teppich gekehrt wird. Abhaken und weitermachen lautet die Devise.
Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. – Was im ersten Moment wie eine Drohung klingt, birgt für mich auch eine Hoffnung. Die Hoffnung, dass nichts vergessen ist. Dass ich irgendwann vor meinem Herrn stehe und wir gemeinsam auf all das schauen, was in diesen hektischen Zeiten meines Lebens untergegangen und zu kurz gekommen ist. Ich glaube, es gibt dann einiges zu beweinen, sicher etwas zu lachen, viel zu bereuen und manches zu wundern.
Ich habe keine Angst vor diesem jüngsten Tag, weil ich glaube und hoffe, dass das Wort der Gnade das letzte Wort ist, das über mich gesprochen wird. Dieser Glaube gibt mir die Kraft in hektischen Zeiten. Wenigstens die Kraft für ein Stoßgebet und das Vertrauen darauf, dass es gehört wird. Um dann in knappen Worten all meine Schuld aussprechen zu dürfen und darauf zu vertrauen, dass irgendwann Zeit ist, zu trauern und zu bereuen und offenbar zu werden.

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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