Grabmal-Skulptur „Feuerapokalypse“
Von Selbstverbrennung inspiriert, von der Stasi gefürchtet, von Akademie gewürdigt
- Ausschnitt aus der Skulptur Feuerapokalypse
- Foto: Clemens Axel / Rechte beim Nahmmacher Freundeskreis
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Nach der Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz vor 50 Jahren hat die Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher die Grabmal-Skulptur „Feuerapokalypse“ erschaffen. Nachdem die Staatssicherheit das Werk erwarb und in ihren Archiven verschwinden ließ und es später in Hofgeismar landete, wird es ab dem morgigen Freitag (2. Oktober) öffentlich im Entstehungsort Greiz präsentiert. Dazu organisiert die Ökumenische Akademie Ostthüringen mit dem Nahmmacher-Freundeskreis und den Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz ein Symposion, das sowohl die Vorgänge um die Selbstverbrennung des oppositionellen Pfarrers als auch die Situation um die Erschaffung der Schnitzarbeit „Feuerapokalypse“ und deren Wege nachzeichnet. Beginn ist 15 Uhr in der Schlosskapelle des Oberen Schlosses. Am Abend folgt mit Musik und Lesungen ein feierlicher Empfang für die Skulptur. Weitere Infos: www.oekumenische-akademie-ostthueringen.de.
Am 18. August 1976 verbrannte sich Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche in Zeitz. Der Pfarrer verstand seinen Suizid als „politische Aktion“, Liedermacher Wolf Biermann nannte es „Republikflucht in den Tod“. Das „Fanal von Zeitz“ wird von Historikern als Wendepunkt in der DDR-Bürgerbewegung bezeichnet. Die Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher schuf für Brüsewitz die Grabmal-Skulptur „Feuerapokalypse“. Sie wurde von der Witwe als Grabmal abgelehnt und dann sicherheitshalber von der Stasi einkassiert. Auf verschlungenen Wegen gelangte das Kunstwerk nach Hofgeismar als Partnerstadt von Zeitz und nun ist es in den Entstehungsort Greiz zurückgekehrt.
„Ich sehe es als großes Geschenk an, dass wir im 50. Jahr nach der Selbstverbrennung von Brüsewitz die Skulptur wieder in Greiz begrüßen können. Die Bildhauerin hatte sie entworfen, weil sie offensichtlich so bewegt von der Tat des Pfarrers war. Die Stasi empfand das Grabmal dann als so gefährlich, dass es im Archiv verschwinden musste. Nun ist es an der Zeit, sowohl an die Selbstverbrennung zu erinnern, als auch an das Echo in Kunstkreisen. Zudem wollen wir das Verständnis in Greiz dafür verstärken, welche große künstlerische Persönlichkeit mit Elly-Viola Nahmmacher in der Stadt gelebt hat“, betont Akademie-Leiter Dr. Frank Hiddemann.
Er ist sehr dankbar dafür, in der Stadt und insbesondere in Museumsleiter Reiner Koch ambitionierte Kooperationspartner gefunden zu haben. „Die Künstlerin wird als Kirchenausstatterin in einigen Kreisen nicht ganz ernst genommen. Dabei war sie eine ambitionierte Bildhauerin, die beispielsweise mit drei Arbeiten an der ersten Documenta beteiligt war. Ihre Werke sind nicht nur Abbilder, sondern zeugen von großer Tiefe“, betont Hiddemann.
Zu den Rednern des Symposiums gehört Sabine Stach vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas. Sie hat mit ihrer Studie Vermächtnispolitik zwei zentrale Wegmarken in der Widerstandsgeschichte gegen den Staatssozialismus untersucht: Die Selbstverbrennungen des Studenten Jan Palach 1969 in der Tschechoslowakei und des Pfarrers Oskar Brüsewitz 1976 in der DDR. Oberkirchenrat i.R. Christian Fuhrmann berichtet über seine Recherchen zu Brüsewitz in kirchlichen Archiven. Wie Elly-Viola Nahmmacher mit dem Greizer Kunze-Kreis und Oskar Brüsewitz verbunden war, berichtet der Pfarrer Stephan Bickhardt als Vertreter der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Zum abendlichen Empfang wird eine Komposition uraufgeführt, die Johannes K. Hildebrandt komponiert hat – als Sohn des ehemaligen Superintendenten von Zeitz hat er persönliche Erinnerungen an Oskar Brüsewitz.
Hintergrund:
Elly-Viola Nahmmacher geb. Müller (* 27. Mai 1913 in Gera; † 5. Mai 2000 in Kromsdorf) war eine deutsche Bildhauerin. Seit Kriegsende lebte sie als freischaffende Künstlerin in Greiz. 1950 wendete sie sich entschieden der christlichen Kunst zu. Eine Zusammenarbeit gab es unter anderem mit dem Feiningerschüler und Bauhauskünstler Johannes Berthold, der Schillingschen Glockengießerei in Apolda und dem Schriftsteller und DDR-Oppositionellen Reiner Kunze. 1974 gründete sie mit anderen die „Greizer Künstlervereinigung“. 1975 wurde sie aus dem Verband Bildender Künstler der DDR ausgeschlossen. Das von ihr 1977 geschaffene Grabdenkmal für Oskar Brüsewitz durfte nicht auf dem Friedhof in Rippicha aufgestellt werden und landete bei der Stasi. In den folgenden Jahren wurde die Künstlerin bei jeder Form öffentlichen Ausstellens oder Auftretens behindert.
Der Nahmmacher-Freundeskreis, der 2024 ins Leben gerufen wurde, widmet sich der Bewahrung ihres Werkes und der dauerhaften Sichtbarmachung ihres Schaffens in der Öffentlichkeit.
Weitere Informationen im Internet: www.oekumenische-akademie-ostthueringen.de
Autor:susanne sobko |

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