Ausstellungseröffnung zu Reiner Kunze
„Ich habe die tschechische Sprache geheiratet“
- Schautafel der Ausstellung
- hochgeladen von E.F. Johannes Haak
Am 29. September wurde die Wanderausstellung „Ich habe die tschechische Sprache geheiratet-Reiner Kunze und die tschechische Poesie“ im Begleitprogramm zur Frankfurter Buchmesse eröffnet. Ort: Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt. Ein Erinnerungs- und Gegenwartsprojekt. Im Zentrum der Ausstellung-bis 30.10.2026 auf dem Vorplatz der Nationalbibliothek- steht die enge Verbindung zwischen Kunzes Werk, seinem Übersetzen und der tschechischen Poesie.
Ein geistvoller, sinnlicher und facettenreicher Abend. Klug und charmant moderiert durch Renate Braun, Vorsitzende der Reiner und Elisabeth Kunze Stiftung. Zu Beginn die Teilnehmenden und Ehrengäste begrüßend, u.a. die Übersetzerin von Kunzes Werk in die Koreanische Sprache Young-Ae Chon, Professorin an der National University, Seoul. Mehrere kurzweilige Grußworte, u.a. dem Direktor der Deutschen Nationalbibliothek Thomas Schulze und Prof Tomáš Kubiček, Generaldirektor der Mährischen Landesbibliothek, eröffneten das Geschehen.
Dr. Linda von Keyserlingk-Rehbein führte detailliert als Kuratorin für ihr Team in die Ausstellung und ihre Entwicklungsstufen ein. Als Historikerin fiel der Bezug zur Zeitgeschichte leicht. Sie erläuterte die durchdachte tschechisch-deutsche Präsentation zu Kunzes Schreiben/ Übersetzen. Dazu der Blick auf Ludvík und Milan Kundera, sowie Jan Skácel. Keyserlingk erinnerte, dass im September vor 50 Jahren auf der Frankfurter Buchmesse Kunzes Werk „Die wunderbaren Jahre“ erschien. Wenig später musste Reiner Kunze und seine Familie in die alten Bundesländer ausreisen. Ein Leben in der DDR war nicht mehr möglich. Ich erinnere mich sehr genau persönlicher Gespräche und Erlebnisse zu diesem Geschehen und einer nachgehenden Verhaftung durch das MfS.
Musikalisch bereicherte das feinsinnige Cello-Duo Berger (Hyun-Jung und Julius Berger) die Eröffnung mit musikalischen Köstlichkeiten von Bach bis zeitgenössischer Musik. Wohlfühlklänge für Ohr und Herz.
Am Ende erinnerte Renate Braun die Anwesenden an die gemeinsame Verantwortung für Demokratie und Freiheit, eindrücklich und ermutigend mit den Worten Kunzes: „Nehmt meine Literatur und macht euch widerständig gegen totalitäre Systeme.“
Zum anschließenden Empfang war Gespräch und Austausch möglich. Die Koreanische Übersetzerin Young-Ae gefragt, wie sie auf Reiner Kunze kam, antwortete: „Das schöne, tiefe Wort setzt sich durch.“
Das Projekt entstand in Kooperation zwischen der Reiner und Elisabeth Kunze Stiftung, dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek und der Milan Kundera Bibliothek der Mährischen Landesbibliothek Brünn. Und vor allem entspringt dieses Projekt einem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement.
Bleibt der Ausstellung weitere Ausstellungsorte und vor allem mit dem Herzen schauende Menschen auf „das schöne, tiefe Wort“ zu wünschen.
Begleitender Ausstellungsband: Linda von Keyserlingk-Rehbein, Winfried Helm (Hg.) „Ich habe die tschechische Sprache geheiratet.“, 2.erw. Auflage, Berlin 2025 Lukas Verlag

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