Ein Drittel aller Kirchen ohne spielbare Orgel
Mit Clown, Vogelstimmen, Kürbis und Sekt

Foto: Stiftung Orgelklang

Zum Deutschen Orgeltag am kommenden Sonntag (13. September) sind innerhalb der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Orgeln zu besichtigen, es finden Konzerte, Führungen, Aktionen und Kinder-Programme statt. Der Eintritt ist meist frei und es wird um Spenden gebeten. Der Orgeltag ist integriert in den „Tag des offenen Denkmals“. In der EKM gibt es etwa 3.300 Orgeln aus den letzten 400 Jahren, wovon viele Instrumente aufwändig restauriert wurden und wieder zum Klingen gebracht wurden. Allerdings besteht auch vielerorts noch Nachholbedarf: Nur in etwa zwei Dritteln der Kirchen gibt es eine spielbare Orgel, 17 Prozent besitzen eine nicht spielbare Orgel und 15 Prozent der Kirchen sind ohne Orgel.

Rufus Brodersen, Referent für Orgeln im Landeskirchenamt der EKM, sieht den Orgeltag als wertvollen Beitrag, um für die „Königin der Instrumente“ zu werben. „Jede Orgel ist ein Erlebnis: Klang, Technik und Kirchenraum in einer besonderen Harmonie“, so der Orgelreferent. Pflege und Erhalt der Orgeln definiert er nicht nur als kirchliches Interesse, sondern als ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. „Das machte auch die Aufnahme von Orgelmusik und Orgelbau in die Liste des immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO deutlich“, so Brodersen. Um den Bestand dauerhaft zu sichern sei neben der Restaurierung und Rettung der Instrumente auch die Wartung, Reinigung und Pflege notwendig. „Das geschieht am besten, wenn die Orgeln gespielt werden.“

In der EKM sind für die Beratung zur Pflege der Instrumente 20 Orgelsachverständige in den Kirchenkreisen tätig. Zurzeit werden die Orgeln in der Landeskirche von etwa 170 hauptamtlichen und mehr als 600 nebenamtliche Organistinnen und Organisten gespielt.

Ausgewählte Veranstaltungen zum Orgeltag in Thüringen:

Bereits am 12. September findet 18 Uhr in Suhl in der Kreuzkirche ein Konzert zum Suhler Orgelsommer statt: Unter dem Motto "Von Seele zu Seele" spielt Sergej Tcherepanov (Lübeck) an der barocken Eilert-Köhler-Orgel.

Ein Romantisches Konzert beginnt am 12. September um 18 Uhr in der St. Albanus-Kirche Großrudestedt. Andreas Fauß (Orgel) und Anja Augustin-Walker (Gesang) sind zu Gast.

In Arnstadt erklingt Orgelmusik am 12. September um 12 Uhr in der Liebfrauenkirche und 13 Uhr in der Bachkirche sowie am 13. September um 12 Uhr in der Liebfrauenkirche.

In der Dreifaltigkeitskirche Holzhausen gibt es am 13. September um 11 Uhr eine Orgelführung, 12 Uhr beginnt im Kirchhof eine Kürbisverkostung. Clown Fietze bietet ab 14 Uhr eine Kinder-Orgeltour an.

Der international gefeierte Orgelvirtuose und Liszt-Experte Zsolt Máté Mészaros (Budapest) spielt am 13. September um 17 Uhr an der Liszt-Orgel in Denstedt Werke von Franz Liszt.

In der Dreifaltigkeitskirche Jena-Burgau findet am 13. September ein Orgelfest statt. Los geht es 16 Uhr mit einem Benefiz-Orgelkonzert mit Lukas Förster und 17 Uhr unter dem Motto "Wer pfeift denn da?!" einem „Heiteren Konzert Orgel & Poesie“ mit Andreas Korn und Dietrich Modersohn. Die Texte stammen unter anderem von Michael Ende, Erich Kästner, Wilhelm Busch und Andreas Korn, dazu gibt es Bilder von Martin Petzold. 18 Uhr folgt ein Sektempfang zum Gedenken an die Stifterin der Kirchen- und Orgelrestaurierung in Burgau, Ute Merbach, sowie 19 Uhr mit dem Motto "Verehrt die alten Bäume und grüßt mir alles Schöne" ein Gedenkkonzert mit Dietrich Modersohn zu Ehren der Stifterin.

Das fünfte Konzert in der Konzertreihe zum 35. Geburtstag der großen Schuster-Orgel in der Blasiikirche Nordhausen gestaltet Kantorin Katharina-Ella Reiter-Richter aus Querfurt mit Werken von Johann Sebastian Bach und Christian Fink. Beginn ist 18 Uhr.

Ein Konzert "Sehnsuchtsort Orgel" mit Ann-Helena Schlüter beginnt 16 Uhr in der Kirche Ilmenau-Wümbach.

In Beinerstadt wird 10, 11, 14, 15 und 16 Uhr die restaurierte Orgel von verschiedenen Spielern vorgestellt. 17 Uhr erklingt das Abschlusskonzert mit Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik.

Ausgewählte Veranstaltungen zum Orgeltag in Sachsen-Anhalt/Sachsen:

Zum Deutschen Orgeltag begrüßt Kantor Werner Jankowski als Leiter des Kompetenzzentrums für Orgel und Harmonium in Groß Germersleben die Gäste mit einem Orgelkonzert (12. September, 14 Uhr) zum Erntedankfest. Eine Führung durch die umfangreiche Harmoniumsammlung sowie ein mögliches Anspiel einzelner Instrumente runden die Veranstaltung ab.

In der Lutherkirche in Bad Kösen (12. September, 16 Uhr) spielt Kantor Frank Bettenhausen aus Rudolstadt Orgelmusik aus Süddeutschland, Österreich und Frankreich mit Werken von Joseph Haydn, Josef Rheinberger und Naji Hakim.

In der Stadtkirche St. Wenzel in Naumburg ist bereits am Samstag (13. September, 12 Uhr) in der Reihe „Junge Domorganisten“ im Mittagskonzert Thibault Fajoles, stellvertretender Titularorganist an der Kathedrale Notre Dame in Paris, zu hören.

Unter dem Motto „Vogelwelten in Musik und Domschatz“ gibt es am Wochenende zum Orgeltag in Halberstadt ein facettenreiches Programm. Inspiriert von der Sonderausstellung "Stoffe mittelalterlicher Vogelwelten" haben Künstler anlässlich des 12. Halberstädter Orgeltages in der Welt der Musik nach Vogelklängen gesucht. Sie präsentieren diese nun in einem Konzert auf der großen Domorgel und einem besonderen Cembalo, einer Rekonstruktion aus der Barockzeit, auf dem ein Gastmusiker meisterhaft spielen wird. Weiter erklingen ein Orgelpositiv und das Claviorganum, eine Rarität – bei dem eine Truhenorgel und ein Cembalo eine Symbiose eingehen. Mehr Infos zum Programm unter: www.kirchenkreis-halberstadt.de.

Zur Konzertreihe Orgelpunkt (13. September, 16 Uhr) im Dom zu Magdeburg spielt der Organist Max Deissenroth aus Fulda Claude Debussy, Henri Mulet und Improvisationen.

In Eilenburg spielt Kantorin Lena Ruddies in der Bergkirche St. Marien (13. September, 11.30 Uhr) ein Orgelkonzert mit Werken von Bach, Grieg, Franck und Karg-Elert.

In Lutherstadt Wittenberg gibt Kantor Christoph Hagemann in der Stadtkirche eine
Orgelführung (13. September, 16 Uhr) zum Orgeltag.

Die restaurierte Knauf-Rühlmann-Kühn-Schönefeld-Orgel in der Nikolaikirche in Oschersleben wird im Rahmen eines Festgottesdienstes (13. September, 14 Uhr) am Orgeltag eingeweiht. Das Instrument hat fast ein halbes Jahrhundert geschwiegen.

Hintergrund:
Der Orgeltag ist eine Initiative der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD). „Orgelbau und Orgelmusik“ wurden 2017 von der UNESCO-Kommission zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Die Orgel gilt als das größte, vielfältigste und innovativste Musikinstrument.

In der EKM gibt es eine vielfältige Orgellandschaft. Sie spiegelt politische Entwicklung wider, die von kleinen Fürstentümern geprägt war. In Thüringen haben prägende Orgelbauer wie Wender, Volckland, Silbermann, Trost, Strobel, Schulze und Ladegast gewirkt und es gab einflussreiche Musiktheoretiker und Organisten wie Jakob Adlung (1699-1762) in Erfurt und Johann Gottlob Töpfer (1791-1870) in Weimar.
Auch im Bereich von Sachsen-Anhalt gibt es wertvolle Instrumente, zum Beispiel die Scherer-Orgel in Tangermünde oder Orgeln des von Johann Sebastian Bach geförderten Zacharias Hildebrandt in Naumburg und Sangerhausen. Der Großteil der Instrumente wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Bekannte Orgelbauer wie Ladegast (Weißenfels), Wäldner (Halle/Saale), Reubke (Hausneindorf) und Rühlmann (Zörbig) hatten hier ihre Werkstätten.

Innerhalb der EKM sind weiterhin mehrere Meisterbetriebe im Orgelbauerhandwerk tätig.

Weitere Informationen im Internet: www.orgeltag.de

Autor:

susanne sobko

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