Es gibt auch Hoffnung

Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Jesaja 5, Vers 1

Von Wolfgang Krauß, Superintendent in Sonneberg

Mit dem Predigttext stimmen wir am Sonntag Reminiszere in ein trauriges Lied ein. Ein Lied von Zerstörung, das verstört. Wo bleibt Gottes Barmherzigkeit? Der Weinberg, Sinnbild für Gottes reiche Fülle, ist seiner Bestimmung beraubt und hinterlässt ein Bild der Verwüstung, Leere und Sinnlosigkeit.
Es sträubt sich in mir, meine Predigt dort enden zu lassen. Es ist sicher tausendfach erfahrene Wirklichkeit. Unrecht und menschliches Versagen, alles nichts Fremdes. Aber: Wo bleibt die Barmherzigkeit Gottes? Wenn ich auf das sehe, was sich vor meinen Augen abspielt, ist mir auch oft danach, in dieses auf den ersten Blick traurige Lied einzustimmen. Wo bleibt die Barmherzigkeit Gottes gegenüber den verfolgten Christen in der Welt? Viele Christen wie Nichtchristen werden bei Nachrichten von Terror und Gewalt im Nahen Osten und ungezählten anderen Orten der Welt so fragen. Verstörende Bilder von Hinrichtungen oder Attentaten auf Gottesdienstbesucher haben sich eingebrannt. Christen werden unterdrückt, benachteiligt oder ganz vertrieben. Wir sind gefragt und erinnern darum am zweiten Sonntag in der Passionszeit an die Christinnen und Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Wir rufen zum Gebet für die Menschen auf, die sich Tag für Tag unter Bedrohung ihrer Existenz zu ihrem Christsein bekennen. Und uns wird zugleich deutlich, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden und Sicherheit seinen Glauben ausüben zu können. Wo bleibt unsere Barmherzigkeit? Was können wir tun?
Menschen, die vor der Verfolgung geflohen sind, freundlich bei uns aufnehmen, uns für verfolgte Christen einsetzen und für sie beten. Denn Gebete haben die Kraft, Verhältnisse zum Guten zu verändern.
Wie soll es aber nach so viel Tod und Zerstörung weitergehen? Diese Frage stellt sich auch der Prophet Jesaja in seinem Lied über dem zerstörten Weinberg (Jesaja 5,1-7). Das beschreibt einer, der die unvorstellbare Katastrophe durchlitten hat, mit Worten des Überlebenden. Er weiß, dass es immer wieder neu der Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit bedarf. Und weil es ihn noch gibt, den Weinberg, gibt es auch die Hoffnung auf neues Leben.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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