Theologin Wischmeyer über Paulus
Erster großer Denker des Christentums
- Der Apostel Paulus in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern, in RomDort ist das Grab des der Überlieferung zufolge um 67 in Rom enthaupteten Apostels. Er wurde vermutlich in Tarsus in Kleinasien geboren und besaß wohl auch das römische Bürgerrecht.
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Die Theologin Oda Wischmeyer hat den Apostel Paulus als eine der wirkmächtigsten Persönlichkeiten der Antike bezeichnet. "Keine andere Figur der Antike - weder Cicero noch Caesar noch Augustus - hat eine vergleichbar dauerhafte Wirkung entfaltet", sagte die emeritierte Erlanger Neutestamentlerin dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Seine Briefe werden bis heute weltweit gelesen. Paulus war der erste große Organisator und Denker des entstehenden Christentums."
Außerdem habe er mit dem Römerbrief wohl den längsten Brief der Antike geschrieben, sagte die Paulus-Expertin. "Selbst Cicero hat keinen solchen langen Brief geschrieben." Die Paulus-Biografin sagte, sie wolle den Apostel als historische Persönlichkeit sichtbar machen. "Er ist die erste greifbare Person, die sagt, der auferstandene Christus sei ihm erschienen und habe ihm einen Auftrag gegeben. Mit diesem Auftrag zog er jahrzehntelang durch das Römische Reich und missionierte außerordentlich erfolgreich."
- Die Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom. Rompilger können dort den Sarkophag des Apostel Paulus, der hier beerdigt ist, ansehen. Der Überlieferung zufolge soll Paulus um 67 in Rom enthauptet worden sein.
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Paulus war "keineswegs frauenfeindlich"
Paulus habe sich ausschließlich als "Apostel Jesu Christi" verstanden, ein Privatleben habe er praktisch nicht gehabt. "Er war allein unterwegs, ohne Organisation im Hintergrund, musste als Zeltmacher seinen Lebensunterhalt verdienen und lebte ständig unter Druck." Zugleich sei er sehr produktiv und widerstandsfähig gewesen - "wir würden heute sagen: resilient". Er habe weite Teile des Imperium Romanum ohne äußere Unterstützung durchquert.
Den Vorwurf, dass Paulus frauenfeindlich sei, weist die Theologin zurück. Zwar sei Paulus gesellschaftlich konservativ gewesen und habe keine soziale Revolution angestrebt, doch habe er persönlich offenbar ein außergewöhnlich gutes Verhältnis zu Frauen gehabt: "In seinen Briefen nennt er zahlreiche Frauen als Mitarbeiterinnen, Unterstützerinnen und Missionarinnen, das kennen wir so aus keinem weiteren Brief der Antike." Die Unternehmerin Phoebe etwa habe wahrscheinlich sogar im Auftrag von Paulus den Römerbrief nach Rom gebracht. "Paulus vertraute ihr sein Vermächtnis an. Er war also keineswegs frauenfeindlich, sondern bewegte sich innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung seiner Zeit", sagte Wischmeyer.
epd
Autor:Thomas Nawrath |
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