Zukunft kostet Kraft und Geld

Ihre Stimme hat seit kurzem St. Barbara in Golmsdorf mit der 460 Jahre alten Glocke wieder.
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Kirche mit Kolumbarium: Der Kirchbauverein von Golmsdorf saniert seit Jahren die St.-Barbara-Kirche. Dabei geht die Gemeinde im Gleistal bei Jena neue Wege. Ein Teil des Kirchraumes soll zukünftig als Begräbnisstätte genutzt werden.

Von Beatrix Heinrichs

Auf der Brille von Pfarrer Rainer Hartmann schimmerten die Tropfen, als er sagte: »Die Glocke ist die Stimme des Dorfes.« Ein Regenschauer war vom Gleisberg über Golmsdorf-Beutnitz gezogen. Die Bewohner des Dorfes mit den zwei Kirchtürmen hatten sich im Pfarrgarten von St. Barbara versammelt. Seine Stimme – 460 Jahre alt, 580 Kilogramm schwer –  sollte nach der Reparatur zurück in den Kirchturm gehoben werden. Das wollten alle sehen, Regen hin oder her.
»Für die Golmsdorfer ist St. Barbara ein Stück Heimat«, sagt Claudia Persch, Vorsitzende des örtlichen Kirchbauvereins. Sieben waren sie bei der Gründung 2010. Heute zählt der Verein 40 Mitglieder und hat einiges erreicht: Teile von Turm und Holzgewölbe wurden saniert, Dacheindeckung und Kirchturmuhr erneuert. Die Glocke hat an Heiligabend zum ersten Mal wieder geläutet.
Mit Herz und Hand gehen die Golmsdorfer dabei zu Werke, so auch Franziska Hüttich. Die Kirchenmalerin legt an den Emporen gerade die Schichten mehrerer Jahrhunderte frei. Erstmals erwähnt wurde St. Barbara im Spätmittelalter. 1685 wurden Kirchenschiff und Sakristei erneuert, der Innenraum zuletzt um 1900 umgestaltet. Ein besonderes Schmuckstück erhielt die Kirche 1935 mit dem Hirten und der Pietà des Glaskünstlers Fritz Körner, der in Jena auch die Chorfenster der Stadtkirche fertigte. »Was unsere Vorfahren geschaffen haben, wollen wir für die nachfolgenden Generationen bewahren«, erklärt die Vorsitzende das Engagement des Kirchbauvereins.
Mit Kirchensanierungen hat man im Gleistal Erfahrung. Fast 20 Jahre nahm die Instandsetzung der Beutnitzer Kirche St. Trinitatis in Anspruch. »Ein Dorf mit zwei Kirchen, das ist Segen und Verpflichtung«, weiß Claudia Persch. Wichtiger als die bauliche Sicherung sei eine zukunftsfähige Perspektive. Doch Konzepte, die sich für die Stadt eignen, müssen nicht Thema des Dorfes sein. Eine Umnutzung als Hotel, Café oder Tanzclub, wie man es aus den Niederlanden kennt, kam für St. Barbara nicht in Frage. So entstand die Idee im Kirchraum ein Kolumbarium, einen Aufbewahrungsort für Urnen, einzurichten. Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen sollen weiterhin in der Kirche stattfinden. Erste Entwürfe haben Studenten der Bauhaus-Universität Weimar vorgelegt. Die unterschiedlichen Ansätze und Anregungen werden nun im Dorf diskutiert. »Welchen Platz wollen wir Trauer und Tod im Dorfleben geben? Wo und wie soll dieser Platz gestaltet werden? Das sind die Fragen, die uns beschäftigen«, sagt Claudia Persch.
Sanierungsmaßnahmen und Zukunftsvisionen kosten Kraft, Zeit und Geld. Wenn es darum geht die nötigen finanziellen Mittel für ihre Vorhaben einzuwerben, sind die Golmsdorf kreativ: Gegen eine Spende boten Vereinsmitglieder und Dorfbewohner im letzten Jahr »Besondere Gelegenheiten« an, geführte Kräuterwanderungen zum Beispiel, Traktorfahrten für Kinder oder eine Verkostung beim Hobbywinzerverein. Über die Aktivitäten des Kirchbauvereins werden nicht nur junge Familien und neu Zugezogene angesprochen und so in Dorfleben und Kirchengemeinde eingebunden. Das Engagement für St. Barbara habe auch einen wunderbaren Nebeneffekt, meint Claudia Persch: »Es macht unser Dorf lebendiger.«

Ihre Stimme hat seit kurzem St. Barbara in Golmsdorf mit der 460 Jahre alten Glocke wieder.
Als letztes Gotteshaus im Kirchspiel wird St. Barbara seit einigen Jahren saniert und soll in Zukunft auch ein Kolumbarium beherbergen.
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Online-Redaktion aus Weimar

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