Jüdische Häuser werden ihre Pforten öffnen
Türen, Türme und Tora

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Von A wie Altjeßnitz über N wie Nienburg bis Z wie Kirche Zernitz öffnet die Landeskirche Anhalts in allen ihren Kirchenkreisen zum Tag des offenen Denkmals am 14. September Türen, Türme, Verließe und Bibliotheken. An 32 Orten können die Besucher einen Blick auf die Kirchenschätze werfen.

Von Uwe Kraus

Am kommenden Sonntag geht es beim Tag des offenen Denkmals wieder um Stätten, die Orte, Landschaften, aber auch Menschen prägen, und um die Geschichten, die sie über die Zeit ihrer Entstehung und die Menschen, die sie errichtet haben, erzählen. Seit 1993 wird dieser besondere Tag bundesweit durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Das diesjährige Motto des Denkmaltages lautet „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“
Das Besondere dieses Tages: Zahlreiche Denkmäler öffnen ihre Türen und ermöglichen Einblicke in Orte, die sonst meist verborgen bleiben. "Denkmale zu schützen heißt, unsere kulturelle Identität zu schützen und zu bewahren. Denkmale zu schützen bedeutet auch, Geschichte, Geschichten und Zeitgeist an authentischen Orten der Erinnerung lebendig zu halten. Und Denkmale zu schützen meint, die Kunstfertigkeit und kreative Kraft der Menschen zu bewahren", erklärte kürzlich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bei der Präsentation des „Schwarzbuch der Denkmalpflege“. Damit liege die erste umfassende Dokumentation von Verlusten und Bedrohungen in der deutschen Denkmallandschaft – "ein Verzeichnis verlorener Geschichte“ – vor. Die Stiftung unterstreicht: „Denkmalschutz ist unser Dank an die Vergangenheit, unsere Freude an der Gegenwart und unser Geschenk an die Zukunft.“
Tief in die deutsch-jüdische Geschichte steigt am Tag des offenen Denkmals die Halberstädter Moses Mendelssohn Akademie wieder mit dem Projekt der "Offenen jüdische Häuser" ein . Kooperationspartner sind  die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und die Hochschule Harz.
Jüdinnen und Juden lebten bis zu ihrer Vertreibung oder Deportation als Nachbar:innenn von nicht-jüdischen Bürger:innen in den Städten. Sie waren in die Nachbarschaften integriert. Überschattet von der Erfahrung des Holocaust ist diese Tatsache vielfach aus dem Bewusstsein verschwunden. Das Projekt „Offene jüdische Häuser - Zu Gast bei …“ macht die frühere jüdische Nachbarschaft deutlich, indem heutige Bewohner:innen der Häuser oder Wohnungen ein Plakat im Fenster anbringen, das mitteilt, welche jüdische Familie dort gelebt hatte.
Die Adressen der damaligen jüdischen Bürger:innen sind auf der Homepage des Berend Lehmann Museums und der Homepage der Stadt Halberstadt zugänglich. 
2025 steht der Adressbuchjahrgang 1905 im Mittelpunkt. Er wurde ausgewählt, weil in diesem Jahr das Städtische Museum Halberstadt gegründet wurde, und sich auch jüdische Bürger:innen für das Entstehen des Museums engagiert hatten. Vor allem Hermann Schwab ist hier zu nennen. Ab 1994 war er für das Halberstädter Unternehmen „Aron Hirsch & Sohn“ tätig. Als das Unternehmen Hirsch 1927 den Standort Halberstadt aufgab, machte Schwab die Nebentätigkeit zu seinem Hauptberuf, indem er den „Mitteldeutschen Presse- und Bilderdienst“ gründete. Durch die nationalsozialistische Gesetzgebung gezwungen musste Schwab seinen Pressedienst 1934 einstellen. Im Kontext der Gründung des Städtischen Museums in Halberstadt wurde Hermann Schwab gebeten einen „Literarischen Stadtführer“ für die Stadt zu verfassen. Die erste Ausgabe erschien 1906. Das Städtische Museum Halberstadt begeht sein 120-jähriges Bestehen in diesem Jahr mit einer Sonderausstellung. Darin ist eine Ausstellungstafel Hermann Schwab gewidmet.
Die Moses Mendelssohn Akademie hat einen Stadtrundgang auf der Basis des Stadtführers von Hermann Schwab entwickelt, der im Rahmen der „Offenen jüdischen Häuser“ angeboten wird. Der Rundgang wird im Städtischen Museum enden.

Autor:

Uwe Kraus

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