Archäologische Ausgrabungen in Helfta
Königspfalz wird Touristenattraktion
- Pressetermin auf dem Areal der früheren Königs- und Kaiserpfalz Helfta mit Ausgräber Felix Biermann, Eislebens Bürgermeister Carsten Staub und dem Pressesprecher des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, Oliver Dietrich-
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Plättchen (wohl aus Geweih oder Knochen) mit Kreisaugen-Verzierungen.Zur Zeit der ottonischen Herrscher im 10. Jahrhundert gab es in Helfta bei Eisleben eine Königspfalz mit eindrucksvoller Basilika. Im Vorfeld einer touristischen Erschließung erkunden Archäologen bis zum 24. Oktober Teile des Areals.
Von Thomas Nawrath
Eisleben. Ab Spätsommer 2029 soll die mittelalterliche Königspfalz Helfta als neuer Erlebnisort für Touristen und Geschichtsinteressierte in der Lutherstadt Eisleben ihre Tore öffnen.
Dazu sollen Teile des historischen Königspalastes, der Siedlung und von Wallanlagen architektonisch nachgebildet werden, sagte der Bürgermeister der Lutherstadt Eisleben (Landkreis Mansfeld-Südharz), Carsten Staub (parteilos), am Montag in Eisleben-Helfta.
- Archäologe Felix Biermann und Eislebens Bürgermeister Carsten Staub.
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Es sei angedacht, dass die einstmals bedeutsame Pfalz dann als einer der Korrespondenzstandorte der Landesausstellung zur ottonischen Kaiserzeit in Sachsen-Anhalt beworben wird. Die Gesamtkosten gab Staub mit etwa 12,8 Millionen Euro an. Davon wurden rund 8,5 Millionen Euro Fördergelder von Bund und Land zugesagt.
Aktuell laufen vorbereitende archäologische Grabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt auf dem der «Kleine Klaus» genannten Hügel oberhalb von Eisleben.
- Das Ausgrabungsareal auf der "Kleinen Klaus". Der halbkreisförmige Bogen zeigt einen Burggraben aus deer Karolingerzeit (8./9. Jahrhundert). Oben in der Mitte ist gut der Grundriss der Radegundiskirche zu sehen.
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Steinbauten in einer Welt der Grubenhäuser
Die aktuellen Ausgrabungen förderten Mauerreste eines repräsentativen Steingebäudes mit Keller aus dem 10. Jahrhundert zutage, sagte Grabungsleiter Felix Biermann. Dieses neun mal fünf Meter große Gebäude könnte die Residenz des Burggrafen gewesen sein.
Denkbar sei auch, dass dies ein Gästehaus für höchste Gäste des Herrschers gewesen sei, sagte Biermann. In jedem Fall sei dies «eines der ältesten profanen Steingebäude», die bisher in Sachsen-Anhalt nachgewiesen wurden.
- Ausgrabungsstelle eines steinernen Hauses auf der Pfalz Helfta im 10. Jahrhundert.
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Vermutlich habe das Haus über eine Warmluftheizung oder zumindest einen Ofen verfügt, sagte Biermann. Der Bau sei lediglich 30 Meter entfernt gewesen vom 2022 ergrabenen zweistöckigen Königspalast und der 2021 nachgewiesenen Radegundiskirche. Die Ausgrabungen hätten nicht nur eine zuvor «vergessene Königspfalz» neu entdeckt, sagte Biermann. Vielmehr hätten ihre Funde eine «prachtvolle Architektur» und die hohe Stellung von Helfta für Kaiser Otto I. (912-973) und seinen Nachfolger, Otto II. (955-983), belegt. «Gleich mehrere imposante Steingebäude» hätten herausgeragt «inmitten einer Welt von Grubenhäusern», verdeutlichte Grabungsleiter Biermann.
Silbermünzen und verzierte Spangen
Zu den zahlreichen Funden der noch bis zum 24. Oktober laufenden Grabungen zählten zudem etliche Silbermünzen, darunter zehn Otto-Adelheid-Pfennige aus dem 10. Jahrhundert, silberne Ohrringe und emaillierte Gewandspangen. Auch zwei bearbeitete Geweihplättchen mit kreisförmigen Verzierungen, die wohl an Schmuck- oder Reliquienkästchen angebracht waren, hatten die Archäologen gefunden.
- Etwa zehn Otto-Adelheid-Pfennige aus Silber wurden aktuell gefunden.
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An der Ostseite des Königspalastes legten die Ausgräber zudem eine mit Steinen befestigte Terrasse mit einem repräsentativen Podest frei. Möglich, dass auf dem Podest bei Freiluftveranstaltungen der Herrscher Platz nahm, sagte Biermann.
- Lage des Podestes und der steinernen Terasse vor dem Königspalast, links von der Radegundiskirche.
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Nördlich grenzte direkt der Friedhof der Radegundiskirche an. Dort wurden in den zurückliegenden Wochen etwa 20 Gräber aus der Zeit des 10. bis 13. Jahrhunderts ergraben. Insgesamt seien in den vergangenen Jahren in Helfta rund 200 Gräber nachgewiesen worden.
- Die Ausgrabungen belegten zwei Bauphasen der Radegundiskirche (blau und grün). Zu sehen ist auch die Verteilung von Grabstätten in und neben dem etwa 30 Meter langen Gotteshaus; zudem ein Rekonstruktionsversuch des Gebäudes im 10. Jahrhundert.
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Um die Geschichte der Pfalz Helfta noch besser verstehen zu können, sollen die Ausgrabungen auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.
epd
Autor:Thomas Nawrath |

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