In Kitas kann Integration beginnen

Das Bildungsprojekt soll Erzieher im Umgang mit Kindern schulen.
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Fortbildungsprogramm »Unterschiede wagen – Gemeinsamkeiten profilieren« für Lehrer und Erzieher

Von Beatrix Heinrichs

Die Arbeit mit den Kindern und Eltern von Flüchtlingsfamilien ist nicht immer ohne Probleme, aber eine große Bereicherung«, sagt Brunhilde Beckert. Sie ist Leiterin der kommunalen Kindertagesstätte »Fröbelhaus« in Jena und Teilnehmerin des Fachtags »Unterschiede wagen – Gemeinsamkeiten profilieren«. Die Veranstaltung ist Teil des gleichnamigen Fort- und Weiterbildungsprogramms des Zentrums für Religionspädagogische Bildungsforschung (ZRB) der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit April wird das Projekt vom Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz gefördert. Im Fokus steht die Frage, wie kulturelle und religiöse Vielfalt in der pädagogischen Arbeit an Schulen und in Kindertagesstätten gestaltet werden kann.
Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge waren 2015 etwa ein Drittel aller nach Deutschland einreisenden Menschen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Ost- und Nordafrika. Die Mehrzahl von ihnen ist islamischen Glaubens. In Deutschland besteht für sie die Schulpflicht bzw. der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Schulen und Kitas als Ausgangspunkt für Integration: Das ist Chance und Herausforderung gleichermaßen – für Kinder, Eltern und Erzieher.
»Oft schaffen Vorurteile Ängste und bereitet Unwissenheit Probleme, die es nicht geben müsste,« sagt Thomas Heller, Geschäftsführer des ZRB. Zusammen mit Prof. Michael Wermke, dem Lehrstuhlinhaber für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät in Jena, hat er das Fortbildungsprogramm konzipiert. Im Idealfall bietet der Besuch einer Kindertagesstätte den Familien mit Fluchthintergrund eine erste Möglichkeit, anzukommen. Erzieher und Pädagogen stellt die Situation hingegen vor viele Fragen: Wie mit nicht-deutsch sprechenden Eltern kommunizieren, wie mit kulturspezifischen Rollenbildern und Erziehungsvorstellungen umgehen, wie Konflikten mit Eltern oder zwischen Kindern unterschiedlicher Herkunft begegnen?
Das Fortbildungsprogramm zielt darauf ab, die Handlungskompetenz von Erziehern, pädagogischen Fachkräften und Lehrern im Umgang mit geflüchteten und migrierten Kindern und Erwachsenen zu stärken. Neben Abrufangeboten, Fachtagen und Seminaren bietet das ZRB spezielle Zertifizierungskurse an. Über zwei Semester können Pädagogen als »Berater für kultur- und religionssensible Bildung« geschult werden. Rechtliche Fragen werden ebenso thematisiert wie kulturelle und religiöse Grundlagen. Anhand von Praxisbeispielen werden konkrete Alltagssituationen diskutiert und Strategien für eine religions- und kultursensible Bildungsarbeit entworfen. Auch die biografische Selbstreflexion spielt eine Rolle.
»Neben der Wissensvermittlung ist es mir wichtig, die unterschiedlichen Erfahrungen zu sammeln und als Impulse weiterzugeben«, sagt Heller. So, wie das interkulturelle Jahresprojekt im »Fröbelhaus«, von dem Brunhilde Beckert berichtet. Unter dem Motto »Einmal um die Welt: Kinder hier und anderswo« werde regelmäßig mit Eltern aus den unterschiedlichen Herkunftsländern gekocht.
Weil Essen verbindet, deshalb schlägt Heller den Teilnehmern des Fachtags vor, in der Kita einen Ramadankalender zu basteln, der zum Beispiel mit Mandelplätzchen für den Abend gefüllt werden kann. Denn am Wochenende zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten beginnt für Muslime die Fastenzeit – eine gute Gelegenheit, um die Kinder mit der Religion und Kultur ihrer Spielkameraden vertraut zu machen.

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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