Sie ist messbar, aber niemand weiß, was Zeit ist

Seit dem 19. Jahrhundert ist die Erde in 24 Zeitzonen eingeteilt.
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Die Uhren wurden umgestellt – die Zeit nicht.

Philosophen, Theologen und Wissenschaftler zerbrechen sich seit Jahrtausenden die Köpfe darüber, was Zeit ist. In den monotheistischen Religionen ist es Gott als Schöpfer, der Herr über Zeit und Raum ist. »Meine Zeit steht in deinen Händen«, heißt es im 31. Psalm des Alten Testaments, gemeint ist die Lebenszeit. Für die meisten Kosmologen entstanden Raum und Zeit mit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren. Dabei weist der »Zeitpfeil« immer nach vorn – eine rückwärtslaufende Zeit oder eine Zeitreise gibt es nur in Gedankenexperimenten.
Fassbar wurde die fortlaufende Zeit, wie wir sie heute verstehen, für viele Europäer erst, als im ausgehenden Mittelalter die mechanischen Uhren erfunden wurden. Fortan war die Zeit genau in Sekunden, Minuten und Stunden eingeteilt, sie war messbar – es ticken die Sekunden, 60 Stück pro Minute, 86 400 pro Tag.
Als Albert Einstein (1879–1955) seine Relativitätstheorie veröffentlichte, wurde die Zeit zur vierten Dimension. An schweren Massen (»Schwarzen Löchern«) konnte sie sogar stillstehen und quasi eingefroren zur Ewigkeit werden. Auch die vermeintliche »Gleichzeitigkeit« von Ereignissen wurde zum Problem: Denn niemand kann je überprüfen, was »jetzt und heute« zum Beispiel auf der weit entfernten Andromeda-Galaxie passiert –
weil selbst lichtschnelle Nachrichtensignale von dort rund zwei Millionen Jahre unterwegs wären.
Auf der Erde sind die unterschiedlichen Zeitzonen nicht zuletzt durch das World Wide Web bewusster geworden: Globale Feierlichkeiten wie Silvester gehen 24 Stunden lang durchs Netz – weil sich die Erde dem Datumswechsel langsam entgegendreht und überall örtlich zeitversetzt gefeiert wird.
Auf die Jahreszeiten hat die Epoche des Internets dagegen kaum einen Einfluss. Frühling, Sommer, Herbst und Winter orientieren sich allein am Umlauf der Erde um die Sonne sowie an der Schrägstellung der Erdachse. Die Jahreszeiten haben hierzulande ihre festen, althergebrachten Plätze im Kalender – auf der Südhalbkugel der Erde ist es umgekehrt.
Das individuelle Leben allerdings bemisst sich zumeist nicht nach as­tronomischen, philosophischen oder wissenschaftlich spekulativen Kriterien. Lebenszeit, Arbeitszeit, Urlaubszeit oder Freizeit orientieren sich weitgehend an althergebrachten Zeit-Definitionen und Traditionen. (epd)

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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