Wort zur Woche
Auf die Gefahr hin, dass Wünsche wahr werden

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
Hebräer 3, Vers 15


Von Thomas Vesterling, Pfarrer in Weferlingen

Wenn ich doch bloß früher den Brief beantwortet hätte, wenn ich gestern nicht so schnell gefahren wäre, wenn ich ein wenig mehr Sport gemacht hätte, wenn ich ihr noch gesagt hätte, was sie mir bedeutet, wenn ich fleißiger Klavier geübt hätte, wenn ich damals mit nach Rom gefahren wäre, wenn ich auf ihn gehört hätte, dann wäre heute alles anders. Aber wie?
Freiheit ist ein Geschenk und zugleich bekümmert sie mich. Überfordert blicke ich auf den reichen Segen an Möglichkeiten, mein Leben zu leben. Wie ich mich auch entscheide, wo ich auch hingehe, andere Türen schlagen zu, wieder ist eine Gelegenheit verpasst, ein Moment vergangen. Immer wenn ich etwas tue, es endlich fertigbringe und mich aufraffe, lasse ich 1 001 Chance liegen. Wir sammeln im Leben keine Schätze, sondern verlieren mit jedem Tag ein Stück Zukunft – und Leben und vielleicht auch Hoffnung. Hinzu kommt, dass wir unsere Wünsche zunehmend an Bedingungen knüpfen, wenn wir älter werden. Wenn ich genug Zeit und Geld habe, mache ich eine Weltreise. Wenn die Kinder groß sind, kann ich mir auch mal was leisten. Wenn ich irgendwann mal umziehe, räume ich auf. Erst wenn ich dies und das getan habe, wird, kann oder darf sein, was ich mir jetzt schon erträume.
Gewiss, häufig gibt es diesen Zusammenhang von Voraussetzung und Folge, häufig gibt es ihn aber auch nicht. Nicht selten werden solche Gründe vorgeschoben, weil die tatsächliche Gefahr besteht, dass die eigenen Wünsche wahr werden.
Oft fühle ich mich in Sorgen und Widersprüchen ganz geborgen, kenne mich darin aus und will durch das Gute gar nicht gestört und herausgefordert werden. Doch Gottes Wort tut genau das. Der Wochenspruch hält mir den Spiegel vor. Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebr 3,15) Gottes Wort will gehört werden und will nicht an Bedingungen und Umstände gebunden sein. Es will befreien, ermöglichen, trösten und segnen. Mich und dich!

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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