Richtig gutes Handwerk

Viele fleißige Hände: Cornelia Müller (oben) leitet die Beschäftigten in der Handweberei an; Gabriele Schultz arbeitet am Hochwebstuhl, Maik Treuner flechtet am Stabwebrahmen und Christiane Horn lässt filigrane Kunstwerke gerne mit Glitzer an ihrem Tischwebrahmen entstehen (unten, v. l. n. r.).
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  • Viele fleißige Hände: Cornelia Müller (oben) leitet die Beschäftigten in der Handweberei an; Gabriele Schultz arbeitet am Hochwebstuhl, Maik Treuner flechtet am Stabwebrahmen und Christiane Horn lässt filigrane Kunstwerke gerne mit Glitzer an ihrem Tischwebrahmen entstehen (unten, v. l. n. r.).
  • Foto: Simone Zeh
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Die Altengeseeser Werkstätten der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein bewahren alte Handwerkstraditionen und setzen auf Inklusion und Vernetzung.

Von Simone Zeh

Ein filigran gewebtes, glitzerndes Etui? Oder soll es lieber ein robuster Tischläufer sein? Vielleicht suchen Sie ja auch ein kunstvolles Parament für die Kirche im Ort – in der zur Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gehörenden Handweberei Altengesees bekommt man all das. Stets ein Unikat, hochwertig und individuell nach Kundenwunsch gefertigt.
Dass all die schönen Dinge von Menschen mit Behinderung angefertigt werden, sieht man nicht. Und es spielt auch keine Rolle! »Unsere Produktion kann sich auf dem Markt behaupten. Ohne einen Behindertenbonus«, sagt Bettina Schmidt, Vorsitzende der Geschäftsbereichsleitung Eingliederungshilfe in der Diakoniestiftung. Und: »Wir leben Inklusion. Die Beschäftigten in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung sind nicht in einer Einbahnstraße.«
Es gibt in den Werkstätten Christopherushof Altengesees einen eigenen Hofladen, aber genauso werden die hier hergestellten Produkte außerhalb angeboten; etwa im Herderhof-Kirchenladen in Weimar und im »tegut« in Leutenberg. »Unsere Artikel sind dort fester Bestandteil und gefragt.« Aktuell werden anlässlich des Reformationsjubiläums Luther-Bierkrüge oder auch Tischdecken mit Luther-Motiven gefertigt und vermarktet. »Wichtig ist uns auch die Vernetzung in der Region«, sagt Bettina Schmidt. »In unserer Bäckerei in Altengesees halten schon früh am Morgen Bauarbeiter und Busfahrer und kaufen die noch warmen Brötchen – direkt aus dem Ofen.« Viele kommen ganz gezielt hierher zum Einkaufen. Nicht ohne Grund, denn das Brot, die Brötchen und der Kuchen schmecken wirklich lecker, und die Molkereiprodukte sind hochwertig und ohne Konservierungsstoffe.
»Wir überzeugen mit guten Produkten und gutem Preis-Leistungsverhältnis.« Das gilt auch für die anderen Arbeitsbereiche der Werkstätten in Altengesees. »Wir fertigen individuelle Geschenke für Firmen als deren Kundengeschenke an.« Da arbeiten auch oft Arbeitsbereiche zusammen, um ein bestimmtes Produkt anzufertigen. Für Kliniken oder im Hospizbereich produziert man in der Tischlerei Handkreuze, Kerzenteller entstehen im Metallbereich.
Die Verwendung regionaler Rohstoffe ist ein wichtiges Anliegen. »Unsere Wolle, die wir verarbeiten, kommt von einheimischen Schafen«, sagt Cornelia Müller. Sie wird in der Handweberei gesponnen, gewaschen, gekämmt, gefärbt und gewebt. Alles in Handarbeit.
Seit 1983 besteht die Handweberei bereits, 15 behinderte Menschen können hier tätig sein, davon sitzen drei in Rollstühlen. Ob am Stabwebrahmen wie Maik Treuner oder am Tischwebrahmen, wo Christiane Horn filigrane Kunstwerke, gerne mit Glitzer, entstehen lässt. Gabriele Schultz arbeitet hingegen am Hochwebstuhl. Es gibt einen Kufenwebstuhl, an welchem Rollstuhlfahrer ihrer Arbeit nachgehen können. Franziska Lisker ist sogar mit den Füßen an der Strickbank tätig. Jeder kann hier nach seinen individuellen Fähigkeiten arbeiten.
Ein Schwerpunkt in der Handweberei ist die Herstellung von Paramenten für Kirchgemeinden. »Für die Kirche in Möschlitz bei Schleiz haben wir erst kürzlich ein Parament gewebt«, berichtet Cornelia Müller, die die Handweberei leitet. Auch für die Kirche in Zollgrün, die Schlosskirche im vogtländischen Mühltroff und einen kirchlichen Gemeinderaum in Weimar waren die Mitarbeiter tätig. So verschieden wie die Gotteshäuser, so unterschiedlich sind auch die gewünschten Paramente. Einzelstücke eben, ganz individuell angefertigt. »Das Motiv kann hineingewebt oder obendrauf gestickt werden«, so Cornelia Müller, qualifizierte Weberin. Der nächste Auftrag ist ein Parament für die Kirche in Thimmendorf nahe Bad Lobenstein.
Ein besonderes Erlebnis für die behinderten Menschen aus der Handweberei ist es, wenn sie bei der Übergabe der Paramente in den Kirchen mit dabei sind – denn da ist die Freude bei allen groß.
www.diakonie-wl.de.

Die Werkstätten
Die Christopherus-Werkstätten gehören zur Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gemeinnützige GmbH und sind anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen. An den drei Standorten Altengesees, Bad Lobenstein und Saalfeld sind über 550 Beschäftigte tätig; sei es in der Handweberei, der Christo-Hofmolkerei oder der Bäckerei, in der Industriemontage, Holzbearbeitung oder Verpackung. Mit Handweberei, Töpferei und Korbflechterei werden alte Handwerke erhalten. Hauswirtschaft, Servicebereich für Essensvorbereitung und Kioskverkauf, Förderbereich und Berufsbildungsbereich sind weitere Tätigkeitsfelder. Am bundesweiten Tag der offenen Töpferei am 11. und 12. März ist die Töpferei der Werkstätten Christopherushof in Altengesees jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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