musikalische highlights in Skandinavien
Jazz in Kirchen beim 10. YstadSweden Jazz Festival 2019

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Jazz auch in Kirchen beim 10. YstadSweden Jazz Festival 2019

Bereits zum 10. Mal war Ystad an der schwedischen Ostseeküste auch in diesem Sommer der Nabel der Jazzwelt aus nah und fern!
Jazzfreunde nicht nur aus Skandinavien, sondern aus allen Teilen Europas und den USA wissen mit diesem feinen Namen nicht nur die legendären Krimis Henning Mankells zu verbinden, sondern schätzen das dortige hervorragende Jazzfest aufgrund seiner Vielfalt und Attraktivität.
Auch in diesem Jahr des 10jährigen Jubiläums gab es vom 31. Juli – 4. August Hochkarätiges zu bestaunen! Doch es nicht nur das musikalisch so abwechslungsreiche Programm, mit dem Ystad aufwartet – es sind auch die Festivalorte, die es so sehens- und hörenswert machen.
Sei es das Theater, das Kunstmuseum am Hafen oder romantische Höfe im Zentrum – es ist die Mischung vieler Stätten, die so nah beieinander liegen, dass dem geneigten Hörer und Jazzfan eigentlich kein Konzert entgehen muss! Dazu eine typisch skandinavisch unaufgeregte, pragmatische Atmosphäre – wo sonst auf der Welt kann man auf security verzichten und sich der treuen, weit über 100 Helfer sicher sein?
Besonders herausragend als Festivalort war die romanische St. Marienkirche – von deren Turm Nils Landgren am Abend des 31.7. mit seiner Fanfare das YstadSweden Jazz Festival vor einer großen Zuhörerschaft eröffnete. Die Sankt-Marien-Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Noch heute stammt ein Teil der Kirche aus dieser Zeit. Das romanische Bauwerk wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals erweitert und umgebaut. Mit dem für Landgren typisch sonoren Ton eröffnete der auch seit vielen Jahren in Deutschland wirkende „Mr. Posaune“ diese fünf hochkarätigen Jazztage im Süden Schwedens.
Die Liste der Künstler, die in diesem Jahr auftraten, ist lang – sie reicht vom Tord Gustavsen Trio über Jan Lundgren mit Richard Galliano und Paolo Freso bis hin zur fast 90jährigen Saxophonlegende Benny Golson und der begleitenden Norbotten Bigband sowie Charles Lloyd.
2 Konzerte berührten mich besonders – in besagter St. Marienkirche war es ein Konzert aus Anlass des 50jährigen Jubilümus von ECM. Kein anderes Platten-Label hat den Musikgeschmack einer ganzen Generation so stark geprägt wie ECM.
Jakob Bro aus Dänemark konzertierte gemeinsam mit Palle Mikkelborg (DK) und Jorge Rossy (Spanien) an diesem besonderen akkustischen Ort. Warum sich Bro immer mehr zu einem Fixpunkt der europäischen Jazzgitarre gemausert hat, konnte man unschwer hören – es wechselten sich Balladen mit temperamentvollen Stücken ab, die beide unter die Haut gingen. Seine kongenialen Begleiter agierten äußerst zurückhaltend bei dieser Einheit aus Melodie, Klang, Raum und Interaktion und drängten sich nie auf, sie waren der Garant für ein wundervolles Konzerterlebnis in diesem Gotteshaus.
Und auch ein zweites Konzert soll bei all dem vorzüglichen Jazzangebot dieser Tage nicht unerwähnt bleiben – es fand im ehemaligen Franziskanerkloster statt. Dieses Kloster wurde 1267 gegründet und zählt zu den am besten erhaltenen Klosteranlagen in ganz Schweden. Nachdem Nord- und Westflügel um 1600 abgerissen wurden, besteht es heute noch aus dem Ostflügel und der Klosterkirche Sankt Petri. Die Anlage ist von schönen, im klösterlichen Stil angelegten Gärten umgeben und beherbergt unter anderem das kulturhistorische Museum von Ystad.
Nicole Johänntgen faszinierte an diesem Ort mit einem sonntäglichen Solokonzert leise vornehm wie zurückhaltend, aber immer mit dem „besonderen Ton“. Vom Altarraum durchschritt sie die Reihen der Zuhörer und nahm alle mit auf eine meditative Reise, die erst nach einer Stunde endete. Es war ein Erlebnis für Frühaufsteher und Genießer zugleich.
Es liesse sich noch so vieles berichten – ob Michael Wollny oder Leszek Modzer, dessen Konzert mit Lars Danielsson und Wolfgang Haffner die Zuhörer im altehrwürdigen Ystad Theater förmlich von den Sitzen riß – oder women in Jazz wie Rigmor Gustafsson oder Cecilie Norby.
Es waren die Musiker wie das Ambiente, was den Schreiber dieser Zeilen zu dem Entschluß, auch im kommenden Jahr wieder in diese sympathischen Jazzhochburg im Sommer zu reisen.
Und es ist der Aufruf an alle, es ihm gleichzutun – das YstadSweden Jazz Festival ist in jedem Falle eine Reise wert!

Autor:

Helmut Krauß aus Weimar

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