Eine kleine Kirche in Breslau feiert ganz groß

Ruhepol im pulsierenden städtischen Leben: 
St. Christophori am Ohlauer Tor
  • Ruhepol im pulsierenden städtischen Leben:
    St. Christophori am Ohlauer Tor
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Von Hartmut Ellrich

Mit 500 Jahren Reformation und 750 Jahren Kirche am Ohlauer Tor feiert die deutschsprachige evangelische Christophorigemeinde Breslau in diesem Jahr gleich zwei große Jubiläen. Zwei Festgottesdienste und sieben thematische Predigtgottesdienste von Freunden, Weggefährten und Partnergemeinden bilden den Rahmen des evangelischen Festjahrs an der Oder. Initiator und Impulsgeber der vielfältigen Aktivitäten ist der aus Teschen stammende Propst Andrzej Fober. Geschickt hat er es verstanden, den großen Festgottesdienst der Diözese der evangelisch-augsburgischen Kirche am 14. Mai in der heute altkatholischen Kirche von St. Maria Magdalena zu feiern. Sie ist die Mutterkirche von St. Christophori, die einstmals vor den Toren der Stadt lag.
Die Reste des Ohlauer Tors liegen heute in einer Fußgängerunterführung. Anstelle der Stadtmauern und der Vorkriegsbebauung ist eine moderne mehrspurige Stadtschnellstraße getreten, die die kleine Kirche an den Rand drängt und sie noch mehr zu einer Insel und zu einem Zufluchtsort werden lässt, erst recht, da unweit die monströse Einkaufsmeile eines Hamburger Investors in Gestalt der »Galeria Dominikanska« ihre Pforten weit geöffnet hat.
»Man muss diese Kirche bei Kerzenlicht, Christbaum und Kinderchorgesang durchlebt haben, um die Geschichte, die sie in sich trägt, als ein Stück irdischer Ewigkeit zu empfinden«, heißt es in einer Publikation der 1920er-Jahre. Und weiter: »Sie ist eben geblieben, was sie vom ersten Tag an war: eine Einkehr für die Menschen mit ihrer Ruhelosigkeit.« Dies mag auf viele Gotteshäuser zutreffen, aber die Atmosphäre von St. Christophori ist legendär, und die Besucher haben, erst recht im Jubiläumsjahr, die Chance, diese Atmosphäre in sich wirken zu lassen.
Von Maria Magdalenen aus nahm die Reformation in Schlesien mit Johann Hess (1490–1547) ihren Anfang. Die Kirche war zudem bis Ende des Zweiten Weltkriegs die Ordinationskirche aller evangelischen Pfarrer der Provinz Schlesien. Der Breslauer Hauptkantor, Kirchenmusikdirektor Gerhard Zeggert (1896–1977), spielte hier bis 1945 die Orgel.
Zum Jubiläumsjahr 2017 zeigt sich die Kirchengemeinde gut gerüstet, nicht nur theologisch. Die »Reformatio« im Sinne der Erneuerung und Wiederherstellung sieht man in St. Christophori auch ganz pragmatisch. So begann 2016 die Wiederherstellung der gotischen Kirchenfester im Zustand des 16. Jahrhunderts. Mitte November wurden die ersten Steinelemente der gotischen Maßwerkfenster montiert, gefertigt in handwerklicher Tradition aus schlesischem Sandstein; sie nehmen die neuen Bleiglasfenster mit den Repliken der alten Wappen der schlesischen Adelsfamilien aus der Zeit der Renaissance auf. Sechs dieser kunstvoll gestalteten Bleiglasfenster blieben nach 1945 erhalten und befinden sich heute im Nationalmuseum Breslau. Das erste Fenster wurde 2016 fertiggestellt und zeigt zwei Wappen von 1586.
Doch damit nicht genug. 2016 begann auch das ehrgeizige Vorhaben der neuen Christophori-Orgel, die den Namen »Gerhard-Zeggert-Gedächtnisorgel« tragen wird. Den Zuschlag erhielt die traditionsreiche Orgelbauwerkstatt Klais (Bonn). Bei der Finanzierung geht die Kirchengemeinde moderne Wege und lädt ein, den Bau des Instruments über die Website zu unterstützen.

www.schg.pl

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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