Brief an Verantwortungsträger in den ev. Kirchen

Ein mittlerweile nicht mehr ganz neues Phänomen breitet sich immer weiter aus in unserer Gesellschaft: Populismus, Nationalismus, Rassismus, Sexismus und all die anderen Ismen, die in unseren Kirchen nichts zu suchen haben. So haben es manche Landeskirchen und Kirchentage beschlossen und diese Entscheidungen werden von vielen Kirchenmitgliedern geteilt. Rassisten und Nationalisten wollen wir nicht neben uns auf der Kirchenbank sitzen haben.
Aber wie ist das mit Mördern und Totschlägern, mit Meineidigen und Ehebrechern. Wie sollen wir Menschen behandeln, die andere hassen? Sind sie nicht vergleichbar schlimm wie Rassisten1 und Nationalisten1, Populisten1 und Sexisten1. Müssen wir die nicht auch ausschließen, uns von ihnen scharf abgrenzen? Wollen wir neben solchen Menschen in der Kirchenbank sitzen? Was sollen wir machen, wenn diese Leute das Gespräch mit uns suchen?
Wie sehr bin ich geneigt, auch diese Gruppe von Menschen auszuschließen, sie nicht mehr in die Kirchen zu lassen, sie quasi mit dem Bannfluch zu strafen „anathema sit“. Unsere Kirchen müssen sauber bleiben. Müssen sie das? Gibt es nicht einen Unterschied zwischen der Gesellschaft und dem Leib Christi, zu dem alle gehören, die an Jesus Christus glauben? Und wie würde sich dieser Jesus zu den oben aufgeworfenen Fragen entscheiden?
Zum Glück hat er sich unter anderem im Evangelium nach Matthäus sehr deutlich geäußert: Matth.5,21 ff2:
„Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten, wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig.
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“

Wie oft gerate ich in Zorn zu anderen Menschen. Wie oft beschimpfe ich andere der Narretei. Wie oft schaue  ich einer attraktiven Frau nach. Wie oft wünsche ich Menschen, die mir das Leben schwer machen, nichts  Gutes.
Ich glaube, damit habe ich mich selber aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen, wenn ich die oben aufgestellten Maßstäbe auch an mich selber anlegen würde. Und ich könnte mir vorstellen, dass es dem einen oder anderen Mitchristen ähnlich ergehen würde, wenn er im stillen Kämmerlein sein eigenes Verhalten reflektierte.
Bis auf die Bischöfe, die Pfarrer und die Synodalen, die die oben aufgestellten Forderungen vertreten, wären dann die Kirchen vermutlich leer.

Fussnoten:
1: gemeint sind Personen, die heute schnell so bezeichnet werden.
2: Lutherbibel 1974

Autor:

Alexander v.Medem aus Weimar

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