Auf der Suche nach Frieden

Der griechisch-orthodoxe Erzbischof Boulos (Paul) Yazigi (re.) wurde 2013 verschleppt. Ebenso der syrischorthodoxe Erzbischof Mor Gregorios Yohanna Ibrahim
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Weltfriedenstreffen der internationalen Gemeinschaft Sant’ Egidio

Von Benjamin Lassiwe

Wege des Friedens« war das Motto des Internationalen Weltfriedenstreffens der katholischen Gemeinschaft Sant’ Egidio vom 10. bis 12. September im westfälischen Münster. Es dürfte die größte Veranstaltung der christlichen Friedensbewegung in einer Zeit sein, in der in Nordkorea Atomwaffen getestet werden und der blutige Bürgerkrieg in Syrien von einem Frieden weit entfernt zu sein scheint.
»Die Botschaft heißt: Dialog zwischen verschiedenen Religionen ist möglich, er ist aber auch nötig«, sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort. Religionen hätten den Auftrag zum Frieden. Es dürfe deswegen »keine Rechtfertigung von Krieg und Gewalt im Namen einer Religion geben«. Vor den rund 5 000 Teilnehmern sprach sich Merkel für eine intensivere Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika aus. Den Schleusern auf der Mittelmeerroute müsse das Handwerk gelegt werden. »Wir müssen uns aber auch um das Wohlergehen der Menschen kümmern, die in Libyen gestrandet sind«, sagte Merkel. Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge dort seien »teilweise katastrophal«. Auch Deutschland sei bereit, besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aufzunehmen.
Der Gründer der Gemeinschaft Sant’ Egidio, Andrea Riccardi, warnte vor mit der Globalisierung verbundenen Ängsten. »Die Völker fragen nach Sicherheit und finden sie manchmal in der lautstarken Rhetorik des Konflikts oder in kriegerischen Führern«, beklagte Riccardi. Nötig sei eine »umfassende und tiefe Bewegung eines spirituellen und interreligiösen Dialogs, der die Menschen zu Freunden macht, auch wenn sie verschieden sind«. Die 1968 gegründete Gemeinschaft Sant’ Egidio hat weltweit mittlerweile 70 000 Mitglieder. Sie setzt sich unter anderem für die Schaffung humanitärer Korridore ein, durch die Bürgerkriegsflüchtlinge etwa aus Syrien direkt nach Frankreich oder Italien ausgeflogen werden. Das Weltfriedenstreffen dient vor allem der Begegnung und dem Austausch von Religionsführern und Politikern aus aller Welt.
Bewegend war am Eröffnungsabend das Grußwort von Johannes X., dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien und dem ganzen Orient. Er erinnerte an seinen Bruder Paulus Yazigi, den griechisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo und den syrisch-orthodoxen Bischof Johannes Ibrahim. Beide wurden vor vier Jahren, zu Beginn des Bürgerkriegs in Syrien, entführt. Seitdem fehlt jedes Lebenszeichen von ihnen. »Ich kann nicht nachvollziehen, wie die internationale Gemeinschaft die Angelegenheit der seit vier Jahren entführten Bischöfe sowie weiterer entführter Priester vergessen kann«, sagte der Patriarch. Auch die Untätigkeit der Politiker könne er nicht verstehen. »Sie verstärken das Embargo auf das verhungernde Volk, aber öffnen ihm ihren Waffenmarkt weit.« Die Christen des Ostens würden nach jemandem suchen, der ihre Rufe erhöre, fänden aber niemanden. »Das Beste, was die Welt für uns im Osten tun kann, ist es, die Kultur des Dialogs zu fördern und die des Schwertes zu bekämpfen.«

Der griechisch-orthodoxe Erzbischof Boulos (Paul) Yazigi (re.) wurde 2013 verschleppt. Ebenso der syrischorthodoxe Erzbischof Mor Gregorios Yohanna Ibrahim
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EKM Süd aus Weimar

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