Epiphanias
Sterndeutertag 6. Januar
- hochgeladen von Matthias Schollmeyer
Hoch oben auf des Turmes alter Wache -
sah spähen einen Greis ich durch sein Rohr.
Er hatte unter hell bestirntem Dache
zur Ewigkeit gewendet Aug und Ohr.
„Dass du in jenen Sternenrätseln droben
erkennest, was hier unten gehe vor -
schau“ rät er „an den Himmel.
Wie verwoben
Planet und Sterne folgen Gottes Plan.
Dem Forscher zeigt ihr Bild im Weltenkoben
der fernen Zukunft Wesen vage an.“
Er wurde alt und weise, wurde klug -
hier draußen auf dem Turm, der gute Mann.
O Jahre, die er lebte und ertrug!
In ferner Lichter Zeichnung drang sein Geist -
viel Wahrheit sah er wohl - und noch mehr Trug!
Und immer sprach er bei sich selbst: „Du weißt,
man gleicht, bei aller Forschung, aller Suche,
dem Flug des Falken, der den Turm umkreist.
Zehntausend Runden, die im Himmelsbuche
uns aufgezeichnet sind auf dunklem Tuche.
Er sagte, lang schon wären fortgezogen
Freund Caspar, Melchior und Balthasar.
Erwanderten des Euphrats alten Bogen
zu folgen einem Sterne wunderbar.
Wo das Gestirn sich wollt zur Erde neigen,
dort würde uns der Weltenheiland wahr.
Geheime Karten der Chaldäer zeigen,
wo ein Planet und wann in Würden steht.
Dann lässt sein Flug durch Stern- und Felderreigen
den rechten Ort erkunden im Gebet.
„Die hohe Kunst zu deuten Gottes Plan -
zeigt Glück und Scheitern an als sein Prophet.
Die Sterne winken unsrer Lebensbahn
und lächeln: ‚Wählet weise eure Schritte.‘
Ihr wisst, wie leicht ein Mensch sich täuschen kann,
ins Irre lenkt er oftmals seine Tritte.
Schlagt nie den Rat der Sterne in den Wind -
sie kreisen um des Himmels wahre Mitte:
Bedenket immer, eure Sterne sind
die Kinderaugen - gültig, hell und lind.”
Autor:Matthias Schollmeyer |
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