Kirche Schwarza in Rudolstadt
Die Kirche mit dem Pfeil in der Turmkugel
- Der legendäre Pfeil in der Kirchturmkugel macht die Laurentiuskirche Schwarza besonders
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Kirchenbauwerke gehören zu vielen Ortschaften. Sie sind bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke. Die Gotteshäuser haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Diesmal geht es um das Gotteshaus mit dem Pfeil in der Kirchturmkugel - zu sehen in Schwarza bei Rudolstadt im Südosten Thüringens.
Die evangelische Kirche St. Laurentius zu Schwarza steht im Ortsteil Schwarza der Stadt Rudolstadt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen. Die äußerlich eher unauffällige Kirche ist mit ihrer Innenausstattung ein herausragendes Beispiel des Schwarzburger Bauernbarock.
Der Kirchturm ist seitlich an das Kirchenschiff angefügt. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist seit dem Jahr 1814 der Bogenpfeil in der Kirchturmkugel.
Geschichte
Die Kirche ist dem Heiligen Laurentius geweiht, sie entstand 1594 an der Stelle des alten, baufällig gewordenen Gotteshauses. Eine von Grund auf neue Kirche aus Stein wurde gebaut und nach einem Monat gerichtet.
Die Gemeinde übernahm die Fronarbeiten und sammelte Geld für ihren Neubau. Die Weihe der Kirche nahm Pfarrer Nicolaus Stier am 1. Juni 1594 vor.
In einen ausgehöhlten Stein unter dem Altar fand sich später das Verzeichnis der Spender und Bauherren sowie die Rede, die der Pfarrer zur Weihe der Kirche gehalten hat. Über dem Turmeingang im Osten zeigen zwei Inschriften die Jahreszahl, dazu die Namen der Baumeister, des Pfarrers und der Kirchenältesten.
1731 wurde die Kanzel über den Altar verlegt und 1739 die neue Orgel darüber eingebaut, das Kircheninnere erhielt damals sein bis heute bestehendes Aussehen.
Die Kirchenglocken hingen damals in einem Holzgerüst neben der Kirche, das 1669 von dem jetzigen Turm ersetzt wurde.
Die Kirche ist ein eindrucksvolles Beispiel des Schwarzburger Bauernbarock, entstanden im Jahr 1731. Der Kanzelaltar zeigt Bilder der Reformation und der Einheit von Altar, Kanzel und Orgel.
Orgel
Die Orgel mit zwei Manualen, Pedal und 14 Registern schuf der damalige Volkseigene Betrieb (VEB) Jehmlich Orgelbau Dresden als Opus 950 im Jahr 1974.
Das Instrument hat mechanische Schleifladen und steht hinter dem barocken Prospekt von 1739.
Geläut
Das Geläut mit drei Kirchenglocken im Turm besteht aus Bronze. Die Tonfolge ist g′ – h′ – d″. Die älteste ist zugleich die kleinste – sie wurde 1669 von Christoph Rose aus Volkstedt gegossen. Seit 2003 hat die Kirche zwei Glocken der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer.
Bis 2003 bestand das Geläut aus der Rose-Glocke und zwei 1925 geschaffenen Eisenglocken von Schilling & Lattermann, von denen eine heute vor der Kirche ausgestellt ist. Der Antrieb der Glocken ist elektrisch, sie hängen an geraden Holzjochen.
Zwei Besonderheiten des Gotteshauses
Erstens: Eine äußerlich sichtbare Besonderheit dieser Kirche besteht darin, dass sie – anders als sonst üblich – nicht geostet ist: Der Altar steht im Westteil der Kirche, was auf eine Ausrichtung auf das Kloster Paulinzella hindeutet. Dieses Kloster hatte lange Jahre eine besondere Bedeutung für die Gemeinde Schwarza.
Zweitens: In der Turmkugel steckt – deutlich zu sehen – ein Pfeil. Und das kam so: Am 14. April 1814 waren baschkirische Krieger vom Erbprinzen-Sohn Karl Günther nach Schwarza eingeladen.
Karl Günther wollte sich die Leistungsfähigkeit des baschkirischen Bogens beweisen lassen und forderte die Baschkiren auf, mit ihren Pfeilen den Kirchturm zu treffen. Zunächst trauten sie sich nicht, doch der Pfarrer erlaubte es ihnen. So traf laut Überlieferung ein baschkirischer Bogenschütze mit seinem Pfeil aus 100 Meter Entfernung die Kirchturm-Kugel.
Der Pfeil dieses baschkirischen Bogenschützens steckt – inzwischen restauriert – bis heute in der Kirchturmkugel.
Ihm verdankt seit mehr als 200 Jahren die Laurentiuskirche Schwarza diese außergewöhnliche Legende.
Und hat damit ein Alleinstellungsmerkmal weit über die Region hinaus.
Koordinaten: 50° 41′ 13″ N, 11° 18′ 54,8″ O
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Laurentius_(Schwarza), dort auch Verzeichnis der Autoren; Textnutzung entsprechend Creative Commons CC BY-SA 4.0
Autor:Holger Zürch |
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