Klasse statt Masse: Christus zielt immer auf den Einzelnen

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2. Korinther 5, Vers 17

Von Giselher Quast, Domprediger em., Magdeburg

Nein, nicht alles ist neu geworden. Dieses Versprechen steht noch aus: »Siehe, ich mache alles neu!«, sagt erst der, der in der Offenbarung auf dem Thron sitzt (Offb. 21,5). Die Welt ist noch die alte, und wir merken es mit zunehmendem Erschrecken. Auch 2 000 Jahre Christentum haben daran nichts geändert: Was Christen Positives in dieser Zeit geleistet haben, wurde durch Unglaubwürdigkeit, Machtmissbrauch und Verbrechen wieder negiert. Die Kirche Jesu Christi hat einen skandalösen Anteil daran. Wen wundert es, wenn immer wieder alles beim Alten bleibt?
Neu werden kann nur der Einzelne: »Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.« Mehr sagt der Wochenspruch gar nicht. Christus zielt immer auf den Einzelnen, auf das Herz, nicht auf die Masse. Mit zunehmender Zeit habe ich gelernt: Ich kann nicht für alle sprechen, nicht für die Kirche, nicht für die Deutschen oder für meine Generation. Ich kann nicht einmal immer gutheißen, was ›die Kirche‹, ›die Deutschen‹ ›die Christen‹ tun. Ich kann nur für mich selbst Verantwortung übernehmen, für mein eigenes Versagen und für mein Neuwerden, für mein Zeugnis, für meine Art Christ zu sein.
»In Christus sein« ist das Kriterium des Neuwerdens, das österliche, das lebendige Kriterium. In Christus sein heißt für mich, in seinen Worten sein, mit ihnen identisch sein: den Worten der Bergpredigt, die die Maßstäbe der Welt auf den Kopf stellen, die die Gebote radikalisieren und der kleinen Kraft eine ungeheure Wirkung zutrauen. In Christus sein heißt für mich, in seinen Taten sein: in seiner bedingungslosen Liebe zu den Ungeliebten, in seiner streitbaren Auseinandersetzung mit der Unglaubwürdigkeit, in seinem Urvertrauen auf Gottes Führung. In Christus sein heißt für mich, in seinem Leiden sein: in der Gewaltlosigkeit, mit der er sich ausliefert, in der Opferbereitschaft, die allein die Welt verändern kann.
Nur wenn ich in dem allen bin, werde ich neu werden und mit ihm auferstehen. Ach, wenn ich es doch nur wäre!

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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