Forschungsprojekt erfasst alte Bücher
Schätze aus Kirchenbibliotheken heben

Kirchenbibliothek in Salzwedel | Foto: Margit Scholz / EKM
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Auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gibt es etwa 1.000 Kirchenbibliotheken. Die Bestände von 17 Pfarrbibliotheken sollen in einem Forschungsprojekt erfasst und für die Nachwelt erhalten werden.

Von Thomas Nawrath

Magdeburg. Ein Forschungsprojekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Staatsbibliothek zu Berlin soll in Vergessenheit geratene Bücherschätze wieder bekannt machen. Diese seien ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes, teilte die Landeskirche am Mittwoch in Magdeburg mit. In den kommenden drei Jahren sollen die Bestände von 17 bedeutenderen Pfarrbibliotheken in Sachsen-Anhalt erfasst werden, sagte Projektleiterin Margit Scholz vom landeskirchlichen Archiv in Magdeburg.

Übersicht der 17 Pfarrbibliotheken, die Teil des Forschungsprojektes sind. | Foto: Thomas Nawrath
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Vermutlich seien dies mehr als 23.000 historische Drucke und Handschriften aus der Zeit bis 1850. Davon sollen etwa 5.000 Titel auch digitalisiert werden. Voruntersuchungen hätten bereits einige unbekannte Drucke oder Werke mit handschriftlichen Kommentaren und Anmerkungen zu Tage gefördert, teilten die Projektpartner mit.

Etwa 1.000 Pfarrbibliotheken in Mitteldeutschland

„Das Projekt ist bundesweit absolut vorbildhaft“, sagte Thomas Fuchs von der Universitätsbibliothek Leipzig. Das zeige sich etwa daran, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft eine Förderung über 1,3 Millionen der mehr als zwei Millionen Euro Kosten zugesagt hat. Gerade in Mitteldeutschland gebe es „durchgängig sehr alte Bibliotheken“, oft aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert, ergänzte Fuchs. Zugleich seien diese bisher kaum erschlossen.

Insgesamt gebe es auf dem Gebiet der mitteldeutschen Kirche etwa 1.000 Pfarrbibliotheken, die vielfach unbekannte Drucke und Handschriften aus der Reformationszeit und folgenden Jahrhunderten beherbergten. Das Projekt solle helfen, dieses reiche kulturelle Erbe zu bewahren und zugänglich zu machen.

Etliche Bücher müssen konserviert oder restauriert werden

Die Pfarrbibliothek Zeitz gehört zu den größten Partnern im Projekt | Foto: Margit Scholz / EKM
  • Die Pfarrbibliothek Zeitz gehört zu den größten Partnern im Projekt
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Die wohl älteste noch bestehende Bibliothek in Sachsen-Anhalt sei jene der Katharinenkirche in Salzwedel, sagte Margit Scholz. Diese sei nachweislich vor 1467 angelegt worden. Mit rund 4.200 Titeln sei sie zudem die zweitgrößte der am Projekt beteiligten 17 Pfarrbibliotheken.

Mancherorts hätten Krieg oder Feuchtigkeit die historischen Schriften komplett vernichtet oder schwer geschädigt. Nicht selten hätten die Bücherschränke in muffigen Kirchtürmen gestanden. Deshalb müssten etliche Werke wohl fachmännisch konserviert oder sogar restauriert werden, bevor sie digitalisiert werden könnten. Dafür seien vermutlich weitere Aufwendungen nötig, hieß es.

Bibliophile Kostbarkeiten erwartet

Zu den herausragenden Objekten im Projekt zählen mittelalterliche Handschriften, Wiegendrucke, Flugblätter, Leichenpredigten, Noten und frühe Zeitungen. Die umfangreichste der ausgewählten Sammlungen sei die Bibliothek von St. Michaelis in Zeitz, deren Entstehung in die Zeit vor der Reformation zurückreicht. Sie verwahrt mehr als 7.400 Titel, darunter eines von weltweit nur drei erhaltenen Exemplaren des Plakatdrucks der 95 Thesen Martin Luthers von 1517.

Die eine oder andere Überraschung verspreche auch die sogenannte „Turmbibliothek“ der Andreaskirche in Eisleben, hieß es weiter. Ihre etwa 2.700 Schriften umfassen auch Bestände des Klosters Helfta und lagern mittlerweile im Archiv der LutherMuseen. Kostbarkeiten werden zudem in der Bibliothek der Stephanikirche Aschersleben vermutet, deren Bestände zum Teil auf die Sammlung des Theologen Johannes Olearius (1611-1684) zurückgehen.

epd

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Thomas Nawrath

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