Keine Sorge, die Beter sterben nicht aus

Pfarrer Michael Eggert
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Zu einer Woche des Gebetes über Konfessionsgrenzen hinweg ruft die Weltweite Evangelische Allianz zum 171. Mal in der zweiten Januarwoche auf. Harald Krille sprach darüber mit Michael Eggert, Pfarrer der EKM und Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz.

Herr Eggert, man hatte in den vergangenen Jahren manchmal den Eindruck, dass die Allianzgebetswoche so eine Art Auslaufmodell ist und die letzten treuen Beter allmählich weg­sterben …
Eggert:
Ich kann Sie beruhigen: Die Angst, dass die Beter aussterben, ist unberechtigt. Denn Gott erweckt sich stets neue Beter. Das sehen wir auch in der Allianz im Bereich von Mitteldeutschland, den ich überblicke. So gibt es beispielsweise hier in Weimar wirklich sehr viele Menschen und Gruppen, die das Gebet für die Stadt und die Gemeinde Jesu auf dem Herzen haben. Ich habe selbst erlebt, wie ein koreanischer Dirigent, der Christ ist, das erste Mal nach Weimar kam, aus dem Bahnhof trat und sagte: »Ich fühle, dass diese Stadt voller Gebet ist.«
Ich glaube, dass Gebet das entscheidende Fundament unseres Glaubens und Wirkens als Christen ist und dass deshalb auch die Allianzgebetswoche kein Auslaufmodell, sondern nach wie vor ein Zukunftsmodell ist. Es gibt meines Wissens keine andere christliche Veranstaltung, die seit 171 Jahren in dieser Weise jährlich stattfindet. Das ist einmalig und zeigt, dass hier der Kern unseres Glaubens verankert ist.

Nun ist Weimar eine größere Stadt mit internationalem Flair – aber wie sieht es in der Fläche aus?
Eggert:
Als Mitglied im Hauptvorstand der Allianz nehme ich am sogenannten »Kon-Takt-Programm« teil. Dabei geht es darum, Kontakt zu den örtlichen Allianzarbeiten in einem ganz bestimmten geografischen Bereich zu halten und sie nach Möglichkeit zu unterstützen. Und da habe ich herausgefunden, dass es den einen oder anderen Ort gibt, in dem es die Gebetswoche oder überhaupt die Allianzarbeit nicht mehr gibt, weil sie an einzelnen Familien oder Personen hing. Dafür hab ich aber andere aufgespürt, die wir bisher noch gar nicht im Blick hatten. Und dafür bin ich sehr dankbar. Die Allianzarbeit lebt, nicht nur in Weimar.

Wer trägt eigentlich die Gebetswoche in den Orten? Wer ist Allianz?
Eggert:
Die Allianz ist ja ein Netzwerk. Es gibt keine Mitgliedschaft. Es sind die, die das Gebet auf dem Herzen haben und denen die Einheit der Christen wichtig ist. In Thüringen ist es oft so, dass die Leiter oder Vorsitzenden der Landeskirchlichen Gemeinschaften in die Verantwortung eintreten und federführend sind. Aber einige Leiter sind auch in anderen Kirchen tätig. In Erfurt beispielsweise trägt der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde die Verantwortung. Und es gibt ganz viele Ehrenamtliche, die etwa die Gebetswochen organisieren.

Der Name Evangelische Allianz klingt so, als ob nur Protestanten teilnehmen können.
Eggert:
Mitmachen kann jeder, der die Grundsätze der Allianzarbeit befürwortet. In vielen Orten in Deutschland arbeiten auch katholische Christen in der Allianzarbeit mit, kommt man zu Gebetsabenden in katholischen Gotteshäusern zusammen, so auch in Weimar seit einigen Jahren. Hier ist auch die einzige russisch-orthodoxe Gemeinde Thüringens mit dabei. Zu den Abenden der Allianzgebetswoche können wir zwar nicht in die orthodoxe Kirche, weil der historische Friedhof, auf dem sie liegt, abends verschlossen wird. Aber der orthodoxe Priester beteiligt sich seit einigen Jahren an den Abenden. Und einmal im Jahr sind wir in unserer monatlichen Reihe »Gebet für Weimar« auch in der orthodoxen Kirche zu Gast.

Wie läuft so ein Gebetsabend konkret ab? Werden da Gebete verlesen oder muss jeder frei beten?
Eggert:
Ein Gebetsabend verläuft in der Regel so, dass es nach einer Begrüßung und möglicherweise dem Grußwort des Gastgebers meistens Musik gibt, einige Lieder gesungen werden oder sich auch Chöre beteiligen. Es folgen ein kurzes Wort, also eine Andacht zu dem jeweils vorgegebenen Thema sowie Informationen zu konkreten Gebetsanliegen. Und dann gibt es die eigentliche Gebetszeit. Die wird vollkommen unterschiedlich gestaltet. In größeren Räumen und bei vielen Teilnehmern ist es in der Regel so, dass man kleine Gruppen bildet. Da ist dann auch Raum für das freie Gebet. Doch die Verantwortlichen haben auch die Freiheit, formulierte Gebete vorzutragen, und die Gemeinde betet dann in der Stille. Es gibt da keine festen Regeln. Es gibt nur die Regel, dass man das, was der Gastgeber oder der Verantwortliche tut, mit vollzieht.

Sie sprachen von thematischen Vorgaben, wer erstellt die?
Eggert:
Diese Vorgaben werden jedes Jahr von der Deutschen Evangelischen Allianz erarbeitet, in einem Begleitheft zusammengefasst und auf Anforderung an die Gebetsorte verschickt. So kann sich jeder schon vorher über die Themen der Abende und die Gebetsvorschläge informieren. Aber es steht auch frei, eigene Schwerpunkte einzubringen. Wenn wir beispielsweise im Weimarer Rathaus oder in der Stadtverwaltung sind, beten wir natürlich auch für die Stadt, selbst wenn es an diesem Abend nicht im Heft steht.

Was ist dieses Jahr thematischer Schwerpunkt?
Eggert:
Das Oberthema in diesem Jahr heißt »Einzigartig« und greift die vier »Sola« der Reformation auf: allein Christus, allein die Bibel, allein die Gnade und allein der Glaube. Die werden in den Mittelpunkt gerückt.

Wie fromm muss man sein, um zur Allianzgebetswoche zu gehen?
Eggert:
Fromm ist ein schwieriger Begriff, der ja meist sehr unterschiedlich gefüllt wird. Ich denke: Jeder, dem es ein Anliegen ist, vor Gott für die Welt, für seine Gemeinde und für die Einheit der Christen einzutreten, der sollte kommen. Es ist ja oft so, dass Mitglieder unserer Landeskirche das freie Gebet nicht so kennen. Deshalb: Jeder kann und soll an den Abenden so beten, wie es ihm selbst gemäß ist. Gern laut, aber ebenso gern im Stillen. Wichtig ist allein, dass wir nicht nur über das Gebet reden, sondern es auch tun.

Die 1846 in London gegründete Evangelische Allianz verstand sich von Anfang an als konfessions- und denominationsübergreifende Einigungsbewegung. Getragen wurde und wird sie von Einzelpersönlichkeiten aus verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften. Eines der wichtigsten Anliegen war von Beginn an das gemeinsame Gebet, zu dem bereits bei der Gründungsversammlung aufgerufen wurde.
In mindestens 71 Orten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie der anhaltischen Kirche treffen sich nach den Recherchen von »Glaube + Heimat« und der regionalen Allianzbeauftragten in der kommenden Woche Christen zum gemeinsamen Gebet. Sollte Ihr Ort nicht dabei sein, so liegt dies daran, dass er weder uns noch der Allianz bekannt war. Bitte melden Sie sich in diesem Fall in der Redaktion, Telefon: (0 36 43) 24 61-20.

Pfarrer Michael Eggert
Autor:

EKM Süd aus Weimar

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