Geschenk des Lebens

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.
Jesaja 58, Vers 10

Von  Thomas Schädlich

Der Predigttext zum diesjährigen Erntedankfest steckt voller klarer Aufforderungen. Er beginnt mit den Worten »Brich mit dem Hungrigen dein Brot«. Betrachten wir das gesamte Kapitel, ist festzustellen: Eigentlich ist das hier eine Fastenpredigt, die Jesaja an uns richtet. Fasten als der bewusste und freiwillige Verzicht, um Gott besser suchen zu können und auch um meinen Mitmenschen helfen zu können.
Fasten und Erntedank? Wie passt das zusammen? Erntedank erinnert uns jedes Jahr aufs Neue, dass all das, was wir haben und nutzen können, als ein Geschenk zu begreifen ist. Geschenkt zum einen durch die Güte Gottes, der uns letztlich immer wieder den Tisch deckt, geschenkt zum anderen, weil Menschen sich einsetzen – auch heute in unserer hoch technisierten Zeit – damit wir genug haben. Ja, auch wir in Deutschland, die wir in der Regel alles Nötige zum Leben haben, sind zuerst Beschenkte. So banal das klingt, so schnell ist es vergessen. Sollten wir von den Gaben, die uns geschenkt sind, nicht auch abgeben können? Wir kennen die Antwort!
Denn aus unserem Grundvertrauen heraus, dass wir nicht die Letztverantwortung für unser leibliches und geistliches Wohl tragen, sondern unser himmlischer Vater, sollte es uns Christen doch ein Leichtes sein, die anvertrauten Güter, welche nicht nur materieller Natur sind, zu verteilen. Was bei Jesaja aufgeschrieben ist, sind keine plumpen moralischen Aufforderungen zum Verzicht oder zur Nächstenliebe. Sie sind vielmehr mit Verheißungen verbunden. Gottes Gebote sind uns nicht gegeben, um uns klein und niedrig zu halten. Sie sind vielmehr Richtschnur und Vorgabe, damit das Leben, sowohl das eigene als auch das der Mitmenschen, wirklich lebenswert wird.
Meine Erfahrungen sagen mir: Dort, wo abgegeben wird, geteilt wird, ist es nicht so, dass irgendetwas fehlen würde. Im Gegenteil: Wer abgibt, hat keinen Mangel, sondern wird eher mit Freude erfüllt, ja manchmal sogar mit Seligkeit – eine Freude, die sich auf beiden Seiten Raum macht, beim Geber und beim Empfänger. Gleiches bestätigt uns auch der Predigttext: »dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen«. Ist diese Freude am Geben und Empfangen nicht auch ein Anliegen unserer Erntedankfeste?  

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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