Ab und zu nehme ich ab

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Weiter geht es in der Reihe »7 Wochen ohne«, der Fastenaktion der Kirchenzeitung, mit dem Mediziner, Fernsehmoderator, Autor und Komiker Eckart von Hirschhausen. Seine Spezialität: medizinische Inhalte auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln und gesundes Lachen mit nachhaltigen Botschaften zu verbinden.

In allen Kulturen der Welt gibt es Techniken, um den Pfad der Erleuchtung abzukürzen: schweigen, beten oder hierzulande am häufigsten – mit Hilfe des Körpers Wein in Wasser zu verwandeln. Essen macht glücklich – aber angeblich auch das Nichtessen, das Fasten. Dem Körper etwas zu hungern zu geben, soll die Seele nähren.
Wenn nicht die Passionszeit einem das Fasten nahelegt, ist es das drohende Frühjahr, wo einem eine unchristlich knappe Badeklamotte wieder passen soll, die einem genau genommen schon das letzte Frühjahr nicht mehr gepasst hat.
Ich bin jetzt gerade 50 geworden und als ich das Porträt des Westdeutschen Rundfunks über mein bisheriges Leben sah, erschrak ich, wie dünn ich zu Beginn meiner Karriere war. Wobei es ja auch normal ist, über die Lebensspanne zuzunehmen. Ganz ehrlich: Ich habe mal drei Kilo gewogen – seitdem habe ich eigentlich nur zugenommen.
Es gibt ja diese seltsame Zahl BMI, Body Mass Index, errechnet aus Körpergröße und Gewicht. Und da lag ich schon länger über der goldenen Zahl 25. Frei nach dem Motto »Hab mich heute Morgen gewogen – bin zu klein!« Wäre ich zehn Zentimeter größer, hätte ich »Normalgewicht«. Täten es vielleicht auch Plateauschuhe? Frauen können da optisch einiges anstellen, aber ich fürchte, Stöckelschuhe machen bei mir keinen schlanken Fuß, zumal ich mich damit sofort auf die Nase legen würde. Streckbank kommt nicht in Frage – was tun? Andere Folterinstrumente? Fitnessstudio? Hungern?
Ab 30 beginnt die Adipositas, die »Fettsucht«. Die Vorstufe »Übergewicht« ist schnell erreicht, und in Deutschland das neue Normal. Normal heißt aber nicht gesund.
Im Hinterkopf wusste ich das schon länger: Meine Wampe kostet mich Lebenszeit. Das Bauchfett ist nicht so träge, wie es scheint, es sendet die ganze Zeit böse Botenstoffe in die Blutbahn und vergiftet mich von innen. Das gefährliche an den Pommes war noch nie das Acrylamid, sondern das gesättigte Bratfett und die Kalorien. Und der ganze Zucker aus dem Ketchup. Der Schrott muss ja irgendwo bleiben, lagert sich ab, zwischen den Organen.
Deswegen finde ich den Ausdruck »Schnitzelfriedhof« für das Bauchfett auch so treffend. Aber ich will nicht meinen Tod auf den Hüften haben. Ich will leben. Möglichst lange und gesund. Unsere Willenskraft ist begrenzt, kaum jemand bringt die Disziplin auf, sich ständig an irgendwelche Re-
geln und Vorschriften zu halten. Der Rückschlag ist vorprogrammiert. Also konzentrier dich drauf, Pausen zu machen, damit dein Körper in der Zeit seine Reserven verbrennen kann. Dafür darfst du dann auch essen, worauf du Lust hast. Aber eben nicht ständig. Denn wenn laufend Nachschub kommt und im Blut Zucker, Fett und Insulin im Überfluss vorhanden sind, fehlt der Bauchfettzelle die Motivation etwas herzugeben.
Den Rhythmus kann jeder selber für sich finden, ob tageweise pausiert wird oder einzelne Mahlzeiten entfallen. »Fünf plus zwei« heißt zwei Fastentage die Woche, »16 zu 8« heißt 8 Stunden essen, 16 Stunden nicht. Was dramatisch klingt, aber in den 16 Stunden wird ja der Schlaf mitgezählt. Konkretes Beispiel: Wer von 22 Uhr bis 6 Uhr acht Stunden schläft, isst schlichtweg nach 18 Uhr nichts mehr und fängt vor 10 nicht mit dem Frühstück an.
Während ich das hier schreibe, knurrt mein Magen wie ein Löwe, weil es noch vor 10 ist, aber die Raubtierfütterung ist erst in einer halben Stunde dran. Interessanterweise ist meine Stimmung aber nicht knurrig, ich fühle mich gerade leicht, wach und konzentriert. Ok, Kaffee ist erlaubt. Es geht. Dafür ist unser Körper sogar geschaffen! In der Steinzeit stand nicht immer um 12.30 Uhr das Essen auf dem Tisch, sondern rannte vielleicht noch einen halben Tag vor einem her.
Ist Intervallfasten einfach? Nein. Es war noch nie einfach, Muster und Verhalten zu ändern, die sich über Jahrzehnte eingeschlichen und eingeschliffen haben. Essen hat halt so viele Dimensionen. Warum feiern Christen das Abendmahl und nicht das gemeinsame Entschlacken? Weil Essen Leib und Seele nährt. Weil es Gemeinschaft stiftet, miteinander das Brot zu teilen, ohne über Low Carb-Alternativen nachzudenken. Nicht-Essen ist schlicht asozial.. Und wer Wert auf eine Tischgemeinschaft legt, legt besser die wegzulassenden Mahlzeiten so, dass sie weniger ins Gewicht fallen.
Hier sind sieben ganz einfache Regeln, die ich für sinnvoll halte:

  1. Jeder kann so sein, wie er will.
  2. Wer abnehmen will, spart besser beim freien Zucker.
  3. Gute Fette machen nicht fett, sondern satt.
  4. Eiweiß macht auch satt, nicht nur Brot.
  5. Mach längere Essenspausen. Finde deinen Rhythmus. Iss erst wieder, wenn du hungrig bist. Dein Körper liebt dich dafür.
  6. Hör auf zu essen, bevor du ganz satt bist. 80 Prozent reichen dicke.
  7. Essen darf Freude machen. Entspann dich. Genieße.

Wann bin ich attraktiv für andere? Wenn ich mich selbst attraktiv finden kann. Und das hat mit der äußeren Form viel weniger zu tun als mit der inneren Haltung. Das steht schon in der Bibel: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Genau übersetzt: Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du. Oder salopper: »Liebe dich selbst, dann können die anderen dich gern haben!«

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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