Angemerkt
Stallwache im Sommerloch
- Foto: Foto: Jan Arndt
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Von Uwe Kraus
Meine Kollegen packen gerade Koffer oder wandern bereits über die Alpen. Mich haben sie hiergelassen. Mein Urlaub auf der Insel ist schon Geschichte. Während sich die einen erholen oder fremde Länder bereisen, bin ich als "Stallwache" eingeteilt. Der Begriff bezeichnete ursprünglich den Wachdienst bei berittenen Truppen im Marstall. Da konnte und kann man nur hoffen, dass nicht die Gäule durchgehen, also kein unvorhersehbares Ereignis dräut.
Gerade in diesem Jahr scheint besondere Vorsicht geboten. Schließlich könnte jede Sommerloch-Geschichte im Vorwahl-Modus zum politischen Skandal ausgeweitet werden. Und alle, die sich berufen fühlen, könnten reflexartig reagieren. Das sollten wir Journalisten möglichst nicht verpassen.
Ich habe das Gefühl: In der Urlaubszeit schlägt der Rhythmus des Tags spürbar anders als sonst. Die emsige Geschäftigkeit weicht einer gespannten Gelassenheit. Als Stallwächter weiß ich mich verbunden mit anderen Gewerken, die ihren Stall sauber, bzw. den Laden am Laufen halten – im Klinikum, im Schwimmbad, im Paket-Auto oder die Urlauber-Pfarrerin, die Gottesdienst feiert, wo andere Ferien machen.
Ich finde, „Stallwache“, das ist ein wunderbares Wort für Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen. Hielten nicht auch Hirten „Stallwache“, als Jesus das Licht der Welt erblickte?
Autor:Uwe Kraus |
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