Sommerinterview mit Erfurts Buga-Geschäftsführerin
"Ich ruhe in mir"

Gut gelaunt: Kathrin Weiß freut sich auf die Bundesgartenschau Erfurt. Mehrere Millionen Gäste werden in den Tagen des Gartenfests in der Thüringer Landeshauptstadt mit der langen Gartenbautradition erwartet.
  • Gut gelaunt: Kathrin Weiß freut sich auf die Bundesgartenschau Erfurt. Mehrere Millionen Gäste werden in den Tagen des Gartenfests in der Thüringer Landeshauptstadt mit der langen Gartenbautradition erwartet.
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Im Gartenreich: Die Geschäftsführerin der Bundesgartenschau Erfurt 2021, Kathrin Weiß, sprach mit Paul-Philipp Braun über das Großereignis im kommenden Jahr, was es für Besucher und vor allem für sie persönlich bedeutet.

Die Buga Erfurt 2021 ist nach mehr als zehn Jahren Planungs-, Kommunikations- und Bauzeit auf der Zielgeraden. Erinnern Sie sich eigentlich noch, wie es losging?
Kathrin Weiß: Ja, stimmt, zehn Jahre ist es schon wieder her, dass wir die ersten Überlegungen zur Planung hatten!
Damals rankte sich noch alles nur um den Egapark. Es war die Frage, wie es weitergeht. Wir hatten damals einen hohen Sanierungsstau, zugleich stand 2011 das 50-jährige Jubiläum ins Haus. Das war der Punkt, an dem man sich überlegen musste, was kommen soll. Ich war damals bei den Stadtwerken für das Projekt Ega verantwortlich.

Was heißt verantwortlich?
Ich war Leiterin für Marketing und Unternehmenskommunikation, und zum Marketing gehörte auch die strategische Produktentwicklung. Wir haben damals Szenarien erarbeitet, wie wir uns zukunftsfähig aufstellen können.

Und ein Szenario lautete Bundesgartenschau?
Nicht ganz. Erstmal hieß es: Wir bekennen uns zum Flächendenkmal und zur Historie. Als dann aber unter dem Strich eine Summe von mehr als 20 Millionen Euro stand, da kam die Frage auf, wie wir das alles finanzieren. In einer kleinen Runde entstand so der Gedanke von der Bundesgartenschau.

Ihnen fiel also die örtliche Gartenschau-Tradition wieder ein?

So könnte man es sagen. Seit 1867 finden hier Gartenschauen mit Formaten wie "Erfurt blüht" statt. 2010 und 2011 wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, im September 2011 gab es dann eine Besichtigung der Bundesgartenschaugesellschaft. Daraufhin folgte die Abgabe der Bewerbung, im November 2011 kam die positive Meldung.

Trotzdem bezieht sich die Bundesgartenschau im kommenden Jahr ja nicht nur auf den Egapark …
Mit der Idee, einmal über eine Bundesgartenschau nachzudenken, kamen immer mehr mögliche Gelände und Objekte als Ausstellungsfläche ins Spiel. Zwischenzeitlich sprachen wir über 200 Hektar Ausstellungsfläche.

Das wären 280 Fußballfelder?

So ist es. Es war aber eben zunächst einfach ein Themenpool, der sich an der Frage orientierte, was Gartenschau-fläche sein könnte. In diesem waren allerlei Grünanlagen drin. Am Ende wurden es dann aber die Nördliche Gera-Aue als Stadtentwicklungsprojekt, der Petersberg mit dem historischen Ensemble und eben unser Egapark. Insgesamt sind es nun 130 Hektar, also gut 100 Fußballfelder weniger.

Wir haben eingangs schon festgestellt, dass der Projektbeginn eine Dekade zurückliegt. Wie haben diese zehn Jahre Sie ganz persönlich geprägt?
Es sind schon jetzt zehn intensive Jahre gewesen. Ich mach es immer ein wenig an meinen persönlichen Umständen fest: 2011 wurde mein Sohn geboren – sozusagen als Buga-Baby. Wenn ich mir überlege, wie er gewachsen ist und wie groß er jetzt ist – so wechselhaft waren auch die Jahre. Das trifft sowohl die Ideen als auch die Partner, mit denen man im Gespräch war.
Was ich aber rückblickend sagen möchte, ist, dass wir viel mehr geschafft haben, als ich je erwartet hätte.

Und in Zahlen heißt das?
Wir sind einmal mit einem Investitionshaushalt von 60 Millionen Euro gestartet. Jetzt sind wir bei 140 Millionen.

Sie haben ja eben schon einmal über einzelne Projekte gesprochen. Als Erfurter weiß ich, dass das manchmal auch ein Kampf war, damit umzugehen …
Ja, das kann man nicht abstreiten. Ein Beispiel ist etwa die angedachte Seilbahn-Verbindung zwischen Egapark und Petersberg. Bei diesem Projekt, das ja nun nicht kommt, gab es eigentlich nur ein Dafür oder ein Dagegen.
Heute noch sprechen Menschen mich an und sagen: Das wäre ja schön gewesen, um die beiden Ausstellungsflächen in der Stadt zu verbinden. Zugleich kommen Leute auf mich zu und meinen, dass es gut war, dass das Projekt nicht kam. Einige unserer Projekte haben unglaublich polarisiert – und sie tun es bis heute.

Trotzdem wird die Buga das Stadtbild prägen und sogar einige liebgewonnene und historische Projekte wieder aufleben lassen, oder?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben etwa die Rendezvousbrücke am Danakil-Haus neu gebaut, der Südeingang der Ega ist wieder erschlossen, und ein Grünzug wird die Stadt säumen. Die Menschen werden überrascht sein, was sich in der Stadt tut. Und für manchen kommen so Erinnerungen an das Erfurt von früher wieder.

Glauben Sie, dass die Menschen in Erfurt sich auf die Buga freuen?

Meine Wahrnehmung ist, dass die Freude gerade in diesem Jahr ziemlich wächst. Es gab immer Fans, und es gab immer Menschen, die gesagt haben, sie hätten gerade ein anderes Thema als Buga. Nun sieht aber jeder, was in der Stadt passiert. Es ist nicht nur auf dem Papier, sondern überall wird gerade gebaut, und es ist offensichtlich, dass die Dinge sich entwickeln.

Wenn Sie einen Beitrag ausmachen müssten, auf den Sie sich 2021 ganz besonders freuen, welcher wäre das?
Ich kann nicht sagen, dass es eine Sache gibt, die für mich aus den anderen hervorsticht. Ich freue mich auf das Gefühl der Betrachtung, wenn man sieht, was jetzt schon gewachsen ist, und was noch gepflanzt wird.
Es ist das Gefühl, das man haben wird, wenn im Sommer eine gute Stimmung ist, und man in der Stadt die lachenden Gesichter sieht. Quasi das Gartenfest an sich.

Nennen Sie uns trotzdem ein paar Ihrer Highlights?
Na gut.
Ich freue mich zum Beispiel sehr auf die sanierte Peterskirche mit dem neugestalteten Portal. Natürlich wird es aber auch das Danakil-Wüsten- und Regenwaldhaus sein, das auf einem sehr guten Weg ist, und in dem die Pflanzen schon ein neues Zuhause gefunden haben. Eine Besonderheit wird die Bundesgartenschau auch für das Deutsche Gartenbaumuseum sein. Das wird dann zur Buga wachgeküsst und im Rahmen seiner Ausstellung in eine ganz neue Zeit katapultiert.

Sie scheinen gerade omnipräsent, wenn es um die Bundesgartenschau geht. Eine Datenbank mit Texten der lokalen Tageszeitungen zeigt mir für die letzten zwei Jahre mehr als 200 Ergebnisse zu Ihrem Namen an. Wie kommt man da noch zur Ruhe?
Ich ruhe in mir. (lacht)
Das klingt vielleicht sonderbar, ist aber die Wahrheit. Man darf sich eben nicht von äußeren Umständen verrückt machen lassen.

Dann stelle ich die Frage einmal anders: Wenn Sie nach einem Ort zum Entspannen gefragt werden, wo ist der für Sie?
Das ist mein Zuhause, meine Familie und mein Garten.

Und wie kann ich mir den Garten einer Buga-Geschäftsführerin vorstellen?
Mit Stauden, abwechslungsreich und in einigen Blautönen. Kein blaues Band, wie es auf dem Petersberg entsteht, dennoch spielt die Farbe eine große Rolle. Ich mag sie am liebsten.
Ansonsten gibt es duftende Rosen, einen Apfelbaum und etwas Naschobst. Ich mag es möglichst naturnah.

Und Sie haben da wirklich noch Lust auf den eigenen Garten, wenn Sie jeden Tag auf der Ega unterwegs sind?
Ja, das ist für mich ein Zeitausgleich, ein Runterkommen und die Möglichkeit, auch mal etwas anderes zu machen. Ich habe mir außerdem ein paar Stauden ausgesucht, die es auch mal zulassen, dass man sie nicht jeden Tag aufwendig pflegt.

Aber trotzdem finden Sie neben Job, Familie und Garten auch noch Zeit, sich sozial zu engagieren, und Sie sind sogar in einer Kirchengemeinde unterwegs …
Natürlich kann ich gerade nicht so viel Zeit investieren wie vielleicht wieder nach der Bundesgartenschau. Aber ich singe, und das ist mir sehr wichtig, noch ehrenamtlich in einem Chor. Mit dem begleiten wir auch Gottesdienste. Das ist zwar kein klassischer Kirchenchor, aber wir sind der Kirche sehr nahe.

Treten Sie dann auch auf der Buga auf?
Das ist nicht geplant. Aber wir sind immer beim Adventssingen dabei, gestalten Gottesdienste zu Ostern und Erntedank mit.
Das ist für mich wichtig, und es heißt für mich auch, dass ich zu Hause einen Abstand zu den beruflichen Dingen gewinnen kann. Und diese Zeit nehme ich mir.

Auch die Gartenschau soll ja so einen Effekt haben und die Menschen zu Hause auf andere Gedanken bringen. Ist das etwas, auf das Sie mit Ihrem Team setzen?
Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sehen wir, dass Urlaub in Deutschland wieder ziemlich gefragt ist. Ich denke, dass uns das im kommenden Jahr nutzen wird. Es ist die Chance für alle Besucher, sich einfach einmal einen Tag eine Auszeit zu gönnen.

Wenn wir uns im Juli 2021 wieder treffen würden, dann wäre die Buga fast zur Hälfte vorbei. Was würden Sie mir dann gern berichten wollen?
Ich würde gern erzählen, dass unsere Kooperationspartner, die mit uns die Gartenschau vorbereiten, begeistert vom Gelände sind. Und ich möchte schon in viele zufriedene Gesichter gesehen haben. Die Gäste sollen nach einem Tag auf der Buga sagen, dass sie bald wiederkommen und Freunde sowie Familie mitbringen.

Autor:

Paul-Philipp Braun aus Erfurt

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