Zwiesprache mit dem "Septembertestamtent"
Das „Wartburg-Experiment“

Gruppenbild mit Bibel: (v. l.) Michael Jahnke, Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Uwe Kolbe (mit dem Faksimiledruck des "Septembertestaments"), Iris Wolff, Thomas A. Seidel, Burghauptmann Franziska Nentwig
  • Gruppenbild mit Bibel: (v. l.) Michael Jahnke, Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Uwe Kolbe (mit dem Faksimiledruck des "Septembertestaments"), Iris Wolff, Thomas A. Seidel, Burghauptmann Franziska Nentwig
  • Foto: Wartburg Stiftung
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Auf der Wartburg soll 500 Jahre nach der Bibelübersetzung durch Martin Luther (1483–1546) wieder ein Stück Sprach- und Literaturgeschichte geschrieben werden. Mit dem Lyriker Uwe Kolbe startete in der vergangenen Woche das sogenannte Wartburg-Experiment. Jeweils für einen Monat seien neben Kolbe auch die Schriftstellerin Iris Wolff und der Schriftsteller und Philosoph Senthuran Varatharajah zur „Zwiesprache mit der Lutherbibel“ eingeladen, so der Vorstandssprecher der Internationalen Martin Luther Stiftung (IMLS), Thomas Seidel.
Mit ihrer Arbeit am Originalschauplatz knüpfe das Trio an die Übersetzung Luthers an, der von Weihnachten 1521 bis Anfang März 1522 in nur elf Wochen das neue Testament vor allem aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte und damit zugleich die Grundlage für die deutsche Schriftsprache legte, sagte Seidel auf der Wartburg in Eisenach.
Wie der Reformator stünden die Autorin und Autoren vor der Aufgabe, zu übersetzen, so Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke). Dabei gehe es nicht darum, einfach nur zu historisieren, sondern den Geist des Neuen und Gewagten „in das Jetzt, Heute und Hier“ zu übertragen, erklärte die Rathauschefin. Sollte sich in der Einsamkeit der Burg Verzweiflung einstellen, seien die Schreibenden gern auf ein Eis unten in der Stadt eingeladen.
Kolbe und Wolff – Varatharajah konnte wegen einer Erkrankung nicht beim Start dabei sein – gestanden ihren Respekt vor der anstehenden Herausforderung ein. Beide erhielten aus den Händen von Michael Jahnke, dem Leiter Bibelprogramm der Deutschen Bibelgesellschaft, einen der auf 500 Ausgaben limitierten Faksimiledrucke von Luthers 1522 erschienenem „Septembertestament“.
Die 1977 in Rumänien, im siebenbürgischen Hermannstadt, geborene Wolff bezeichnete es als „große Kostbarkeit“, vier Wochen am Stück und „verborgen vor der Welt“ schreiben zu können. Auch Kolbe freute sich auf die Zeit, unterstrich aber auch den experimentellen Ansatz der Klausur. Für ihn gehe es zunächst darum, einen Umgang mit den vielen Touristen auf der seit 1999 zum Unesco-Welterbe gehörenden Burg zu finden.
Deren Getrippel werde in der Schreibkemenate, die fast direkt neben Luthers Schreibstube liegt, sicherlich zu hören sein, sagte der Lyriker. Aber für ihn seien neben Füllfederhalter und – für alle Fälle – dem Tintenfass auch die Wanderschuhe mit die wichtigsten Arbeitsutensilien, bekannte der 1957 in Ost-Berlin geborene und inzwischen in Dresden lebende Autor.
Ob, in welcher Form und wann die Arbeiten des aktuellen Trios zu lesen sein werden, ließ Seidel offen, verwies aber auf erste Gespräche mit Verlagen. Unterstützt wird das „Wartburg-Experiment“ unter anderem von der Deutschen Bibelgesellschaft, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), der Stadt Eisenach sowie von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), dem Kulturbüro der EKD, dem Lutherhaus Eisenach und der Wartburg-Stiftung.
Dirk Löhr (epd)
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Luthers "Septembertestament"
In der Schutzhaft auf der Wartburg übersetzte Luther zunächst das Neue Testament in nur elf Wochen aus dem griechischen Grundtext in die deutsche Sprache. Sein Übersetzungsprinzip: «Man muss nicht die Buchstaben in lateinischer Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, sondern man muss die Mutter im Hause, … den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen …»
Die erste Ausgabe erschien im September 1522 ohne Verfassername, daher ist sie nur unter dem Namen «Septembertestament» bekannt. Der Preis, auf heute umgerechnet, betrug ungefähr den Wert eines Kühlschranks. Schon nach drei Monaten war die Auflage von 3000 Stück vergriffen. Einen reinen Nachdruck verweigerte Luther. Er wollte das Neue Testament noch verständlicher machen und verbesserte an 576 Stellen den Text. Die Ausgabe erschien im Dezember und verkaufte sich ebenfalls in kürzester Zeit.
(bibelausstellung.de)

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