Vorbild beim Umweltschutz

Hans-Peter Gensichen, bis 2002 Leiter des Forschungsheims, im Garten der Einrichtung mit historischen Plänen
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90 Jahre Kirchliches Forschungsheim in Wittenberg 

Von Thorsten Keßler

Das Kirchliche Forschungsheim in Wittenberg als eines der ältesten Institute für Umweltschutz hat jetzt sein 90-jähriges Bestehen gefeiert. Bei der Gründung der evangelischen Einrichtung am 10. Februar 1927 – damals als Forschungsheim für Weltanschauungskunde – wurde der Theologe und Ornithologe Otto Kleinschmidt zum ersten Leiter berufen. Im Wittenberger Schloss entwickelte Kleinschmidt unter anderem eine ganz eigene Evolutionstheorie. Ein Affront gegenüber den Nationalsozialisten, sagt Friedrich Kramer, der Leiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg, an die das Kirchliche Forschungsheim heute als Arbeitsbereich »Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung« angedockt ist. »In der Konsequenz führte Kleinschmidts Theorie zu einer Gleichberechtigung der Rassen, weshalb seine Rassenbücher von den Nazis verboten wurden.« Das Forschungsheim selbst blieb im Schatten der NS-Diktatur allerdings bestehen. Kleinschmidt ging nicht in die offene Konfrontation mit den Nationalsozialisten, sondern »hat sich in eine Nische zurückgezogen und unter anderem eine umfangreiche zoologische Sammlung aufgebaut«, so Kramer.Ab 1953 übernahm der Sohn von Otto Kleinschmidt, Hans, die Leitung der inzwischen »Kirchliches Forschungsheim« genannten Einrichtung. In diese Zeit fällt der Hinauswurf aus dem Wittenberger Schloss, weil die DDR keine kirchlichen Einrichtungen in staatlichen Gebäuden duldete.
Ab 1975, unter der Leitung von Pfarrer Hans-Peter Gensichen, wurde das Kirchliche Forschungsheim dann zum evangelischen Umweltzentrum, und Bewahrung der Schöpfung zum wichtigen Thema, erzählt Kramer. Das Forschungsheim wurde ein zentraler Ort der Umweltbewegung der DDR, »weil Baumpflanzaktionen geplant und Umweltverschmutzungs-Karteien geführt wurden«. Anlässlich Luthers 500. Geburtstag 1983 hat das Forschungsheim zum Beispiel 271 historische Lutherbäume in der DDR zusammengetragen. Die Aktion sollte auf das Wald­sterben aufmerksam machen und für den Schutz der Wälder sensibilisieren. In der von Evangelischer Jugend und Landesheimatbund in diesem Jahr initiierten Lutherbaum-Aktion fand die von 1983 sozusagen ihre Fortsetzung.
Themen wie Klimawandel, Mobilität, Nachhaltigkeit und Umgang mit Ressourcen werden heute diskutiert und untersucht. Auch im Hinblick darauf, ob Kirche mit gutem Beispiel vorangeht, betont Kramer. »Wenn eine Gesellschaft Nachhaltigkeitsziele beschließt, dann darf die Kirche als Großinstitution nicht nur Umweltschutz predigen, sondern müsse im Hinblick auf Umweltmanagement oder Beschaffungswesen vorbildlich sein und mit gutem Beispiel vorangehen.«

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EKM Nord aus Magdeburg

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