Buchvorstellung im Magdeburger Dom
Ein deutsches "Game of Thrones" ohne Drachen
- Buchlesung im Magdeburger Dom: Die Autoren Harald Meller und Kai Michel im Gespräch mit Sachsen-Anhalts langjährigem Kulturminister Rainer Robra.
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Moderne Forschungsmethoden liefern Archäologen neue Erkenntnisse. In einer Region wie Sachsen-Anhalt kann dadurch das Bild von der Geschichte verändert werden, schreiben Landesarchäologe Harald Meller und Historiker Kai Michel in einem neuen Buch.
Von Thomas Nawrath
Magdeburg. „Wenn man so will, erzählen wir das deutsche 'Game of Thrones' - zwar ohne Drachen, dafür in echt“, sagt der sachsen-anhaltische Landesarchäologe Harald Meller dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gemeinsam mit dem Historiker Kai Michel hat er am Dienstagabend das Buch „Im Herzen der Macht“ über die „dunklen Anfänge“ deutscher Geschichte vorgestellt. Passenderweise fand die Buchpremiere im Magdeburger Dom statt, wo Kaiser Otto I. (912-973) auf eigenen Wunsch bestattet wurde.
- Buchpremiere: Im Herzen der Macht
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„Die Zeit der Ottonen bietet all das, was die Menschen heute an großen historischen Serien fasziniert: erbitterte Machtkämpfe, Intrigen, Verrat, dramatische Schicksale und außergewöhnliche Persönlichkeiten. Nur dass sich das alles tatsächlich zugetragen hat“, erzählt der Archäologe. In ihrem 576 Seiten umfassenden Werk hätten sie die neuesten Erkenntnisse der Archäologie über die Epoche der ottonischen Herrscher in Mitteldeutschland berücksichtigt.
Modernste Forschung liefert neue Erkenntnisse
Die Archäologie erschließt Quellen, die oft über schriftliche Überlieferungen hinausreichen. Dies könne „unser Bild der Vergangenheit grundlegend verändern“, sagt Meller. Kommen dazu noch moderne Forschungsmethoden - von der Luftbildarchäologie bis zu DNA-Analysen - eröffneten sich „faszinierende Möglichkeiten“. Daran wollen die Autoren ihre Leser teilhaben lassen. Sie können „miterleben, wie wissenschaftliche Erkenntnisse dank großer Ermittlungsteams entstehen“. An erster Stelle stehe für ihn die wissenschaftliche Bestätigung, dass im Grab Ottos des Großen in Magdeburg auch wirklich die Gebeine des Kaisers ruhen.
Andererseits hätten die Forschungen „ausgerechnet dort, wo man lange nach den vermeintlich reinen Ursprüngen Deutschlands gesucht hat, eine enorm facettenreiche und vielgestaltige Geschichte“ mit europäischen Bezügen nachgewiesen. In Quedlinburg hätten sie bestätigt, dass die vermeintlichen Gebeine König Heinrichs I. (um 876-936) einer Frau gehörten. Genauer: der 1533 verstorbenen Pröpstin des Stifts, Anna von Tautenburg. Ganz bewusst hatten die Nationalsozialisten die Geschichte verfälscht und für ihre Ideologie missbraucht: „Ein eindringliches Beispiel dafür, welcher Schindluder mit der Vergangenheit getrieben werden kann“, unterstreicht der Archäologe.
- Krypta der Quedlinburger Stiftskirche: Hier sind die Gräber von Königin Mathilde - Mutter Kaiser Ottos I. - und der Äbtissin Mathilde I., der Tochter des Kaisers. Das Grab Heinrichs I. - der Vater Ottos - ist nicht auffindbar.
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Ein Dutzend bedeutende ottonische Fundorte
Allein in den vergangenen zehn Jahren habe das Landesamt „an rund einem Dutzend bedeutender Fundorte“ zur Zeit der ottonischen Herrscher im 10. und 11. Jahrhundert geforscht. Dadurch könne heute besser verstanden werden, „wie die ottonischen Herrscher ihre Macht organisierten und welche gewaltigen Ressourcen sie mobilisierten“. Zugleich konnten die Forscher so viel mehr über die Lebenswirklichkeit der Menschen erfahren, als in schriftlichen Quellen berichtet wurde.
„Die größte Aufmerksamkeit haben sicherlich die Untersuchungen der Gräber von Königin Editha und jetzt Kaiser Otto dem Großen im Magdeburger Dom gefunden“, nennt Meller zwei der bedeutendsten Funde aus dieser Epoche, seit er vor 25 Jahren die Leitung des Landesamtes übernahm. „Spannende neue Erkenntnisse“ habe es aber auch in Memleben (Burgenlandkreis) gegeben, wo sowohl König Heinrich I. als auch dessen Sohn Otto der Große starben.
- Das restaurierte Kaisergrab Ottos I. im Chor des Magdeburger Doms. Gut sichtbar auch die Porphyrsäulen, die der Kaiser in den 960er Jahren aus Italien nach Magdeburg bringen ließ, um seinen Palast und den Mauritiusdom auszustatten.
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Sachsen-Anhalt als „Herz der Macht“
Doch auch Orte, die lange Zeit weniger im Blickpunkt standen, wie die Königspfalz Helfta bei Eisleben oder das Kloster Posa bei Zeitz, lieferten den Archäologen Einblicke in die Geschichte des Lebens im ostfränkisch-sächsischen Königreich der Ottonen.
- Die von Archäologen wieder entdeckte Radegundiskirche von Helfta (bei Eisleben) gehört zum ehemals eindrucksvollen Ensemble steinerner Bauten dieser königlichen Pfalz .
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Gerade die neueren archäologischen Ausgrabungen hätten zweifelsfrei belegt, dass das heutige Sachsen-Anhalt im zehnten Jahrhundert im Mittelpunkt der Reichs- und Kirchenpolitik stand: „Hier lag damals das Herz der Macht. Hier wurden politische Entscheidungen getroffen, Bündnisse geschmiedet und Machtkämpfe ausgetragen. Gesandte kamen aus ganz Europa, sogar aus Byzanz und dem arabischen Spanien“, sagt Meller.
epd
Autor:Thomas Nawrath |

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