Von dieser Welt: Mit der Frisörin über den Glauben reden

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
1. Johannes 5, Vers 4

Von Stephan Hoenen, Superintendent in Magdeburg

Nach dem Gottesdienst kommt der pensionierte Superintendent auf mich zu. Heute sieht es nicht so aus, als ob er sich mit mir zum nächsten Spiel der Nationalelf vor seinem Fernseher verabreden möchte. Ich überlege kurz, was ihn gestört haben könnte: Ein Sündenbekenntnis war nicht dabei; das Lied vor der Predigt ohne trinitarischen Schluss; der Predigttext aus der Bibel in gerechter Sprache: »Dies ist schon der Sieg über die Welt: unser Vertrauen.«
Doch er spricht etwas anderes an: »Lieber Bruder, Sie predigen ja, als ob die Kirche nicht von dieser Welt sei. Das passt doch gar nicht zu Ihnen.« Mit theologischen Worten versuche ich mich zu rechtfertigen: »Geht hinaus! Sagt der Welt! – das sind biblische Worte. Unterscheiden wir nicht zudem gut lutherisch zwei Bereiche – Glaubenshoffnung und Weltverantwortung?« Er setzt fort: »Als Glaubende leben wir mit dieser Welt und nicht besser als andere. Werten wir die Welt nicht ab, nur weil sie endlich ist und somit nicht perfekt. – Ach, übrigens, die Einladung zum nächsten Spiel steht.«
Seitdem achte ich darauf. Denn wo sich Welt und Glauben scheiden, da werden wir als Kirche wohl auch nicht mehr gehört. Weltliche Leute haben dann keine geistlichen Fragen mehr. Unser Glaube sei, wenn schon ein Sieg, dann ohne Niederlage anderer. Besser aber noch ein Gewinn für die Welt – ohne von ihr abhängig zu sein. Wir gewinnen ein Miteinander, wo wir uns nicht über andere erheben. Wie schwer das auch immer sein mag, wenn man sich über 13 Prozent ärgert. Wir gewinnen Erkennbarkeit, auch ohne Collarhemd, im alltäglichen Gespräch. Als Christ mit der Welt zu leben, ist eine Aufgabe, die gelernt sein will. Meine Frisörin bedauerte beim letzten Haarschnitt, dass sie in ihrer Familie nicht zum Glauben geführt wurde. Der 1. Johannesbrief ermutigt uns: Jesus Christus begleitet den Weg, anderen Liebe und Vertrauen in Gott zu schenken.
Gern denke ich an den Superintendenten zurück – inzwischen hat er die Welt überwunden zum ewigen Leben. Darauf vertraue ich.

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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