Angemerkt
Auf der Schwelle

Klopft an, so wird euch aufgetan.« Ein Bibelwort, das man an der Jenaer Stadtkirche offenbar sehr ernst nimmt – Doch wer hat da eigentlich geklopft?

Von Beatrix Heinrichs

Die Gruppe von 13- bis 50-Jährigen, die sich auf den Stufen des Brautportals in wechselnder Besetzung zusammenfindet, war es sicher nicht. An der offenen Tür haben sie, allem Vernehmen nach, kein Interesse – an der exponierten Lage „ihres“ Treffpunkts schon.

Doch beim Sehen und Gesehenwerden bleibt es nicht. Übermäßiger Alkoholkonsum, Pöbeleien und Ruhestörung erregen nicht nur den Unmut der Anwohner und umliegenden Ladenbesitzer. Auch als touristische Attraktion bei Stadt- und Kirchenführungen verliere das mittelalterliche Portal, von dem ähnliche seiner Art nur noch in Nürnberg und Prag erhalten sind, an Attraktivität, beklagen Stimmen aus dem Kirchbauverein. 20 Jahre Sanierungsarbeit und mehrere Millionen Euro, ein Großteil davon Spenden, stecken in dem Bauprojekt. Und in der Stadtkirchengemeinde? Da rumort es. Wo eine offene Tür angeboten und mit Sachbeschädigung geantwortet wird, hört die christliche Nächstenliebe auf – zumindest für so manches Gemeindemitglied. Auf der Leitungsebene jedoch übt man sich in stoischer Geduld – und überlegt, Veranstaltungszeiten im Schaukasten auszuhängen, um die Ruhezeiten für die Störer möglichst transparent zu machen.

Wenn es doch so einfach wäre! Die Beschwerden der Anlieger, die bei der Kirchengemeinde schon vermehrt eingegangen sind, können als eindeutiger Auftrag verstanden werden, zu handeln. Polizei und Ordnungsamt aber sehen sich außer Stande einzugreifen, solange kein Straftatbestand vorliegt. Da die Stufen Teil des Kirchenraums sind, ist der Hausherr in der Pflicht, für Recht und Ordnung zu sorgen. Auch für die Streetworker zählte das Brautportal in der Vergangenheit nicht zum Hotspot ihrer Stadtrunden. Möglicherweise, weil man die Verantwortung für die „Leute von der Treppe“ beim Stadtjugendpfarramt gesehen hat. Die Stelle dort allerdings ist seit geraumer Zeit wieder vakant. Das spielt den Ball zurück zu Kirchengemeinde und Kirchenkreis.

Eine Diskussionrunde auf Augenhöhe ist ein ehrenwertes Zeichen. Ob sie Probleme löst, bleibt fraglich. Nächstenliebe darf Grenzen setzen, einfordern, sich an Regeln zu halten. Noch gibt es Menschen, die anklopfen, weil ihnen die Kirche wichtig ist. Auch ihnen sollte man auf Augenhöhe begegnen.

Autor:

Beatrix Heinrichs aus Jena

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