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Andacht zur Einweihung Gedenkkreuz
Zwei Nationen, ein Kreuz — wo Himmel und Erde sich berühren

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Familien aus Amerika und Deutschland, Vertreter aus Politik und Kirche, amerikanische Soldaten der US Airforce aus Rammstein, deutsche Soldaten aus Bad Frankenhausen, kamen am Samstag, dem 6. Juni 2026, in der Flur von Wiehe zusammen, um an einem Ort des Schicksals zu gedenken — und ein Zeichen der Würde und des Friedens zu setzen. Gedacht wurde der Opfer der Fliegerabstürze vom 7. Oktober 1944 in und um die Hohe Schrecke. Die  Andacht zur Einweihung des Gedenkkreuzes hielt Pfarrerin Denise Scheel vom Militärpfarramt Sondershausen, Bad Frankenhausen und Blankenburg. Die Andacht wurde auf Deutsch und Englisch gehalten. 

Meine Damen und Herren, verehrte Familien aus Amerika und Deutschland, liebe Gäste,

wir stehen heute an einem besonderen Ort — einem Ort, den das Schicksal gezeichnet hat. Hier, wo Himmel und Erde einander nahekommen, verloren Menschen ihr Leben: amerikanische Soldaten, deutsche Soldaten, Flieger,  junge Männer alle miteinander, die Söhne, Brüder, Väter waren — und die heute in unserer Erinnerung wieder zu uns kommen.

Dieses Kreuz, das heute als Symbol im Mittelpunkt steht, beschönigt nichts.

Das Kreuz war in der Antike das Schlimmste, was einem Menschen passieren konnte. Keine Hinrichtung war verachteter, erniedrigender, schmerzhafter. Öffentlich, langsam, am Wegrand — ein Tod für die, denen man jede Würde abgesprochen hatte. Sklaven. Aufständische. Menschen, die nichts mehr hatten. Nicht einmal Kleider.

Jesus stirbt genau diesen Tod.

Und genau dort passiert die Umkehrung, von der das Christentum lebt: Gott selbst geht in die äußerste Würdelosigkeit hinein. Nicht daran vorbei. Nicht darüber hinweg. Hinein. Und verwandelt sie von innen.

Kein Tod ist so tief, dass er außerhalb Gottes wäre. Kein Mensch kann so tief fallen — oder fallen gelassen werden —, dass Gott ihn nicht findet.

Diese Männer sterben fern von zu Hause — in fremder Erde, ohne dass jemand dabei ist, der sie kennt. Ohne Abschied.

Dieses Kreuz sagt: Auch dort ist Gott. Sie sind nicht vergessen. Nicht von Gott — und auch nicht von uns.

Das ist die Würde, die dieses Kreuz trägt: nicht die Würde des Triumphes, sondern die des „Du bist nicht allein — auch hier nicht, auch in diesem Tod nicht."

So ist das Kreuz ein Zeichen der Würde — der Würde jedes einzelnen Lebens. Und es ist ein Zeichen der Hoffnung: dass Menschen, die einst als Feinde gelten, sich heute als Trauernde begegnen — und als Suchende nach Frieden.

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen."
 Matthäus 5,9

In der Kathedrale von Coventry, die 1940 von deutschen Bombern zerstört wird, lassen die Menschen nach dem Krieg zwei Worte in die Chorwand meißeln: „Father, forgive" — Vater, vergib. Nicht: „Wir vergeben euch." Nicht: „Ihr müsst vergeben." Sondern ein gemeinsames Gebet an Gott, das alle einschließt — Täter und Opfer, Sieger und Besiegte, Lebende und Tote.

Diese zwei Worte tragen wir heute auch hierher. Denn Vergeben ist nicht Vergessen. Es ist nicht das Wegwischen von Schmerz und Verlust. Vergeben heißt: Wir wollen, dass das letzte Wort nicht dem Hass gehört.

Sie als Familien, die Sie heute aus Amerika und Deutschland hierher angereist sind — manche vielleicht zum ersten Mal —, tragen sehr unterschiedliche Geschichten in sich. Und doch stehen Sie heute gemeinsam hier. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist ein Geschenk. Das ist schon ein Stück Frieden.

Dieses Kreuz, das nun zwischen uns steht, gehört keiner Nation und keiner Seite. Es gehört den Menschen, deren Namen Sie kennen, und denen, die Sie und wir nicht vergessen wollen. Es erinnert uns: Jedes Leben ist kostbar. Jeder Verlust ist ein Schmerz. Und jeder Schritt aufeinander zu — über Sprachen, Grenzen und Jahrzehnte hinweg — ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Gebet

Lassen Sie uns gemeinsam beten — in der Stille unserer Herzen, jeder in seiner Sprache, aber alle mit derselben Bitte:

Guter Gott — wir gedenken heute der Menschen, die hier ihr Leben verloren haben. Amerikanische Flieger und deutsche Flieger — jung, mit Träumen und Zukunft, mit Menschen, die auf sie warten.

Wir bitten dich: Halte sie in deiner Hand. Und halte auch uns in deiner Hand — uns, die wir trauern, die wir suchen, die wir verstehen wollen.

Vater, vergib — was Menschen einander antun. Vater, vergib — was Krieg aus Menschen macht. Vater, vergib — und heile, was noch immer schmerzt.

Lass dieses Kreuz ein Zeichen sein — kein Zeichen des Endes, sondern des Neubeginns. Ein Zeichen, dass Versöhnung möglich ist. Dass Würde jedem Menschen gilt. Dass Frieden mehr ist als das Schweigen der Waffen.

Wir beten für die Familien, die heute hier sind. Für jeden, der einen Namen trägt, der auf einem Grabstein steht, den man lange nicht besuchen konnte. Gib uns Mut zum Erinnern und Kraft zum Weiterleben.

Amen.

Möglich gemacht wurde das Projekt durch: www.vermisstensuche-thueringen.de

Autor:

Denise Scheel

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