Herbert Peter
Bachchor erinnert an Kantor
- St. Georgen: Bachs Taufkirchre
- Foto: epd-bild/Norbert Neetz
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Der Bachchor Eisenach erinnert in diesem Jahr mit mehreren Konzerten an den 100. Geburtstag seines ehemaligen Kantors und langjährigen Landeskirchenmusikdirektors Herbert Peter (1926-2010). Peter leitete den Bachchor an der Georgenkirche von 1961 bis 1984. Er machte sich neben seinen kirchenmusikalischen Tätigkeiten vor allem als Komponist von Orgel- und geistlicher Vokalmusik einen Namen.
Von Christfried Brödel
Das 20. Jahrhundert hat viele hervorragende Kirchenmusiker hervorgebracht. Unter ihnen nimmt der Thüringer Herbert Peter eine besondere Stellung ein – Anlass genug, sich seiner anlässlich seines 100. Geburtstags am 11. März zu erinnern.
Sein Studium in Weimar nahm er unmittelbar nach Ende des zweiten Weltkriegs auf und schloss es 1949 mit der A-Prüfung ab. In Bad Berka begann seine Berufspraxis als Kantor. Doch schon im folgenden Jahr wurde er zum Dozenten an die Thüringer Kirchenmusikschule in Eisenach berufen. Sie wurde 1950 als letzte unter den kirchlichen Ausbildungsstätten für Kantoren in Deutschland gegründet; Erhard Mauersberger leitete das Institut und unterrichtete Chorleitung. Herbert Peter wurde der Unterricht in künstlerischem und liturgischem Orgelspiel, Tonsatz, Musikgeschichte, Gehörbildung und Orgelbau anvertraut. An der Eisenacher Kreuzkirche versah er außerdem den Kantorendienst.
Das Schicksalsjahr 1961 brachte auch für den Eisenacher Dozenten einschneidende Veränderungen. Erhard Mauersberger wurde als Thomaskantor nach Leipzig berufen. Herbert Peter übernahm nicht nur die Leitung der Kirchenmusikschule, sondern folgte ihm auch im Amt des Landeskirchenmusikdirektors und als Kantor an der Georgenkirche, der Taufkirche J. S. Bachs und Hauptkirche Eisenachs. Damit war auch die Leitung des Bachchores verbunden.
War bereits die Berufung zum Dozenten der Kirchenmusikschule (ein Jahr nach dem Studienabschluss!) ein Ausweis von Peters hoher Befähigung, so stand er nun in der ersten Reihe der Kirchenmusiker Deutschlands. Es folgte eine erfüllte Zeit vielfältigen, rastlosen Schaffens. Aus heutiger Perspektive ist kaum zu glauben, dass ein Mensch all diese vielen Aufgaben bewältigen, gleichzeitig noch als Komponist tätig sein und dabei fröhlich bleiben kann. Peter, den die Studenten liebevoll „Pit“ nannten, gelang dies. Natürlich war das nur möglich in einer Zeit, in der sich die Arbeit stark auf das Fachlich-Praktische konzentrierte, Organisations- und Gremienarbeit einen wesentlich geringeren Teil der Kraft beanspruchten. Eine ehemalige Studentin spricht davon, dass sie beim Ehemaligentreffen 1970 einen „blühenden Hainstein, die Lebendigkeit der Kantoren, die … uns wie eine Familie erschienen, und einen fröhlichen Pit“ erlebte. „Die alten Hainsteiner umjubelten Mauersberger, die jüngeren ihn.“ Die Ausbildung an den Kirchenmusikschulen entsprach dem Ziel, den Studierenden eine gemeindliche Prägung zu vermitteln und sie in die Praxis des Kantorenamtes einzuüben.
Das geschieht am besten, wenn sie Persönlichkeiten erleben, die ihnen die Integration der verschiedenen Komponenten des Berufs überzeugend vorleben. Herbert Peter wurde diesen Anforderungen in hervorragender Weise gerecht. Er nahm – trotz seiner vielen Verpflichtungen – fast immer an der damals selbstverständlichen täglichen Mette teil. Im Gegensatz zu dem stärker emotional bestimmten Mauersberger beschreiben seine Studierenden ihn als geduldig, streng und korrekt, aber auch – nach gelungenen Aufführungen – fröhlich und ausgelassen.
Seine Aufmerksamkeit galt mit gleicher Intensität der kirchenmusikalischen Situation in seiner Landeskirche wie der Ausbildung des Nachwuchses. Ab 1972 gab es um die Kirchenmusikschule zunehmende Probleme, die schließlich zu deren Schließung im Jahre 1987 führten. Damit endete die Ausbildung zum Kantor-Katecheten, einem Berufsbild, das die kirchenmusikalische mit einer religionspädagogischen Tätigkeit verband. In der DDR war die Heranführung der Kinder und Jugendlichen an den Glauben ausschließlich im Rahmen der kirchlichen Arbeit möglich. Die Verbindung des Musikalischen mit der Christenlehre bot dazu hervorragende Möglichkeiten. Dass Kirchenmusik Verkündigung des Evangeliums ist, war für Peter selbstverständlich.
Er verband den hohen Anspruch seiner künstlerischen Tätigkeit (eine ehemalige Studentin spricht vom Ziel „mustergültiger Einstudierung und Interpretation“) mit tiefer Verwurzelung im christlichen Glauben. Diese half ihm auch, die bedrückenden Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Ende der kirchenmusikalischen Ausbildung in Eisenach „als liebenswerter, liebevoller und auch fröhlicher Mensch“ (so im Originalton seines Sohnes Christoph Peter, des späteren Landessingwarts von Thüringen) zu überstehen.
Eine weitere Seite der Persönlichkeit Peters muss unbedingt gebührende Erwähnung finden. Neben Kirchenmusik hatte er in Weimar auch Komposition studiert und war zeit seines Lebens auf diesem Felde aktiv. Vom hohen Niveau seiner Kompositionen zeugt die Tatsache, dass auf dem Kirchentag 1956 in Frankfurt/Main zwei Oratorien von ihm aufgeführt wurden: Der verlorene Sohn (für zwei Chöre a cappella und Solo-Orgel, 70‘) und Komm, heiliger Geist (für Tenor, Bass, gemischten Chor, einstimmigen Knabenchor und Orchester, 75‘). Es gibt eine Vielzahl weiterer Werke. Christoph Peter hat sie auf einer eigenen Internetseite zusammengestellt.
Dort finden sich die Rubriken Oratorische Werke / Kantaten / Geistliche Konzerte, Sololieder / Motettische Werke / Orchesterwerke / choralgebundene Orgelwerke / freie Orgelwerke / Bläserstücke für Posaunenchor. Ausdrücklich erwähnt seien die Kantate Danket dem Herrn (Psalm 118), die als Auftragswerk zum Reformationsjubiläum 1967 in Wittenberg entstand, die Motette Der barmherzige Samariter und die doppelchörige Vertonung Danket, danket dem Herrn (Psalm 107), die vom Dresdner Kreuzchor für den Rundfunk produziert wurde.
Hintergrund
Die kirchenmusikalischen Mitteilungen "Zwischentöne" der EKM halten Rückschau auf 100 Jahre landeskirchlich geleitete Kirchenmusik in Thüringen. Im Dezember-Heft 2025 erschien der zweite Teil des Rückblicks. Im Fokus steht die Amtszeit der Landeskirchenmusikwarte bzw. Landeskirchenmusikdirektoren Erhard Mauersbergers (1930–1961) und Herbert Peter (1961–1991). Auch werden Mitarbeitende der Musikabteilung genannt, neue Aufgabengebiete erwähnt sowie ausgewählte Ereignisse besonders hervorgehoben.
Herbert Peters Kompositionen zeigen eine eigene Handschrift, die natürlich in ihrem Charakter der Entstehungszeit verhaftet ist. Neben Klarheit der Struktur weisen sie eine schöne Klanglichkeit auf. Sie sind teilweise durchaus anspruchsvoll; ihre große stilistische Bandbreite reicht von avantgardistischen Anklängen und Zwölftontechnik bis zu gut ausführbaren Stücken für einfachere Verhältnisse. Kantorinnen und Kantoren Thüringens haben sie gern musiziert. Besondere Erwähnung verdient das Choralbuch zum EKG, das zu jedem Lied einen dreistimmigen Satz Peters enthält. Von ihm stammen auch ca. 100 Choralvorspiele, Choralfantasien und Choraltoccaten.
Nach seinem Eintritt in den Ruhestand zog Herbert Peter mit seiner Frau nach Witzenhausen, wo er bis zu seinem Tode 2010 gelebt hat. Eine besondere Freude bereitete ihm die Uraufführung seiner zweiten Passionsvertonung, einer Markuspassion (für Sopran, Tenor, Bariton, Bass, vier- bis fünfstimmigen gemischten Chor, Orchester und Orgel, 90‘) 2003 in Jena. Bereits 1956 war eine Lukaspassion von ihm im Umfang von 50‘ in Eisenach aufgeführt worden.
Im Mittelpunkt unserer heutigen kirchenmusikalischen Praxis stehen relativ wenige Werke, die häufig erklingen. Herbert Peter hat zahlreiche Werke von J. S. Bach musiziert, daneben aber das zeitgenössische Musizieren intensiv gepflegt. Vielleicht gibt dieser Text manchen Kolleginnen und Kollegen die Anregung, Werke von ihm anzusehen und aufzuführen. Sie sind in der Bibliothek des Zentrums für Kirchenmusik in Erfurt, im Landesmusikarchiv in Weimar sowie bei Christoph Peter verfügbar.
Das Andenken an Herbert Peter, einen Kirchenmusiker der neueren Zeit, der kreativ in allen Bereichen des Kantorenamtes Bedeutendes geleistet hat, muss bewahrt bleiben. Er selbst war immer bescheiden; keineswegs bescheiden aber ist sein Werk als ein bedeutender Beitrag zur Geschichte der Kirchenmusik in Thüringen. Anlässlich seines 100. Geburtstags wurde sein Concertino für Orgel und Kammerorchester in Eisenach aufgeführt; den Orgelpart spielte dabei Peters Enkel Tilman, A-Kirchenmusiker und Landesposaunenwart in Sachsen.
Zum Kantatengottesdienst am 3. Mai sowie zum Eisenacher Sonntagskonzert am 28. Juni (jeweils 10 Uhr) sollen Auszüge aus der "Deutsche Messe" von Herbert Peter, darunter das "Kyrie" und das "Gloria", in der Eisenacher Georgenkirche aufgeführt werden.
Tipp
Autor:Online-Redaktion |
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