Mit der Natur versöhnen

Dr. Hans-
Joachim Döring, Leiter des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums der EKM
  • Dr. Hans-
    Joachim Döring, Leiter des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums der EKM
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Interview: Elbe-Kirchentage machen seit 2008 auf das Spannungsverhältnis zwischen dem Naturraum und der Wasserstraße aufmerksam. Vom 1. bis 3. September kommen Flussschützer zum Elbe-Kirchentag nach Wittenberg. Renate Wähnelt sprach mit dem EKM-Umweltbeauftragten Hans-Joachim Döring.

Sie wollen beim Elbe-Kirchentag erläutern, warum mit dem Gesamtkonzept Elbe das Engagement der Kirchen nicht beendet ist. Was ist das Gesamtkonzept Elbe?
Döring:
Das Gesamtkonzept ist ein Verständigungs- und Handlungsrahmen über die zukünftige Gestaltung der Elbe und entstand in einem fast zweijährigen Prozess. Vorgeschlagen werden darin nun weitere Prüfaufträge und 65 Maßnahme-Bündel. Sie sollen dafür sorgen, dass sowohl eine ökologische Aufwertung der Elbe und ihrer Auen erfolgt als auch ein Nutzen für die Schifffahrt erhalten werden kann.

Natur und Verkehr versöhnen? Das klingt allerdings nach der Quadratur des Kreises.
Döring:
Es ist ein großes Transformationsprojekt, denn die Elbe ist
als Wasserstraße nicht mehr nötig, wie sie das von 100 Jahren war. Zudem haben wir weniger Wasser, und mit der Elbvertiefung wird den
Auen Wasser entzogen, was das größere Problem ist als der Fluss
selbst. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass es sich bei der Elbe um eine Kulturlandschaft handelt, die wir nun ökologischen und nicht mehr vordergründig verkehrstechnischen Notwendigkeiten anpassen wollen.

Welche Rolle spielt die Kirche überhaupt beim Gesamtkonzept Elbe?
Döring:
Anhalts Kirchenpräsident Joachim Liebig und ich haben seitens der Kirchen auf Anfrage aus den Ministerien an der Erarbeitung teilgenommen. Wohl eine Frucht des kirchlichen Dialog- und Vermittlungsansatzes zwischen Flussschützern und Flussschifffahrt. Außerdem gehört die Bewahrung der Schöpfung zu den ureigenen Anliegen der Kirche.

Das Konzept liegt vor; wieso ist kirchliches Engagement immer noch gefragt?
Döring:
Es ist noch viel zu tun. Technisch wie kommunikativ. Grundlegende hydrologische wie wirtschaftliche Fragen sind noch zu klären. Versöhnungsarbeit ist schwere Arbeit. Die Schifffahrt wird sich eher über kurz als lang den hydrologischen Gegebenheiten anpassen müssen. Das fragile Vertrauen zwischen Schifffahrt, Hafenwirtschaft, Naturschutz und Behörden ist immer wieder gefährdet. Kirche will da auch praktisch vermitteln.
Wir haben in einem Votum zum Gesamtkonzept darauf verwiesen, den Elbeseitenkanal für die Schifffahrt zu optimieren. Das schafft Verlässlichkeit für die Transporte und eröffnet große Gestaltungsräume für Umweltmaßnahmen im Fluss- und Auenabschnitt nördlich Magdeburgs.

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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